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Riesenschlangen breiten sich in den USA aus
13.11.2009, 10:43 Uhr | Spiegel Online
Die Tigerpython gehört zu den Riesenschlangen, die sich in den USA ausbreiten (Foto: Imago)
Die USA haben mit einer tierischen Invasion zu kämpfen: Mehrere Riesenschlangen-Arten, darunter die vier größten der Welt, machen sich in dem Land breit. Forscher warnen vor einem "hohen Risiko" für die betroffenen Ökosysteme - und auch Menschen könnten den Schlangen zum Opfer fallen.
Boa constrictor, Anakonda, Python - bei diesen Namen denkt man zunächst an exotische Regionen. Doch inzwischen breiten sich neun Riesenschlangen-Arten in den USA aus. Vier von ihnen bedeuteten eine mittlere Bedrohung für die betroffenen Ökosysteme, fünf stellten gar eine große Gefahr dar, warnt der US Geological Survey (USGS), der geologische Dienst der US-Regierung.
Fast hundert Kilo schwer
Die fünf gefährlichen Arten seien Tigerpython, Nördlicher und der Südlicher Felsenpython, Boa constrictor und Gelbe Anakonda. Sie stellten in weiten Teilen der USA eine ökologische Bedrohung dar und seien im Tierhandel weitverbreitet. Ein mittleres Risiko geht nach Angaben des USGS von Netzpython, Großer Anakonda, Beni-Anakonda und der De-Schauensee-Anakonda aus. Allerdings könne sich die Gefahr durch diese Arten jederzeit erhöhen. Die größten Exemplare unter den neun Spezies könnten mehr als sechs Meter lang und fast hundert Kilogramm schwer werden.
Auf einer Stufe mit Alligatoren
Riesenschlangen dieser Größe können auch Menschen gefährlich werden. Zwar sei das Risiko eines Angriffs relativ klein, betonen die USGS-Experten. Doch bei den größten Arten - Tiger-, Netz- und Felsenpythons - seien auch tödliche Attacken auf Menschen dokumentiert. Beim Netzpython sei die Gefahr unprovozierter Angriffe am größten. Die Forscher stellen die Riesenschlangen in dieser Hinsicht auf eine Stufe mit den in ebenfalls in Florida verbreiteten Alligatoren: Angriffe in freier Wildbahn seien unwahrscheinlich, aber möglich.
Einheimische Vögel und Säugetiere in Gefahr
Insbesondere in Florida haben sich Tigerpython und Boa constrictor rasant ausgebreitet. Nach Schätzungen geht allein die Zahl der Tigerpythons in Südflorida in die Zehntausende. "Diese Schlangen werden schnell geschlechtsreif, haben zahlreiche Nachkommen und legen große Entfernungen zurück", heißt es in dem 300 Seiten starken Bericht des USGS. Was den Biologen aber die größte Sorge bereitet, ist der große Speiseplan der Riesenschlangen: "Sie können die meisten einheimischen Vögel und Säugetiere fressen."
Giganten mögen auch Städte
Die hätten es in ihrer bisherigen Geschichte noch nie mit Riesenschlangen zu tun bekommen und seien entsprechend leichte Opfer, so die Forscher. Zudem sei es den Schlangen ziemlich egal, wo sie lebten. Selbst in städtischen Gebieten fühlten sich die Giganten wohl. So seien Felsenpythons und Boa constrictors inzwischen in Floridas Metropole Miami anzutreffen.
Angenehmes Klima für Schlangen
Betrachte man nur das Klima, seien viele Riesenschlangenarten auf die wärmsten Gebiete der USA beschränkt: Teile Floridas, der äußerste Süden von Texas und Hawaii. Manche Spezies aber könnten auch in großen Gebieten der kontinentalen USA heimisch werden. So seien weite Teile der südlichen Vereinigten Staaten klimatisch mit dem üblichen Lebensraum der Tigerpython vergleichbar. Außerdem beeinflussten außer dem Klima noch zahlreiche andere Faktoren die Verbreitung der Schlangen.
Man wird sie nicht mehr los
Haben sich die Eindringlinge erst einmal festgesetzt, wird man sie kaum wieder los. Bisher, heißt es in dem USGS-Bericht, gebe es keine geeigneten Mittel, eine etablierte Schlangenpopulation aus einem größeren Gebiet zu entfernen. Ein Grund sei, dass die Tiere sich extrem gut tarnen könnten und entsprechend schwierig aufzuspüren seien. "Dieser Bericht zeigt eindeutig, dass diese Riesenschlangen einige unserer wertvollsten Ökosystem und Parks destabilisieren könnten", sagte Robert Reed, einer der Autoren des Berichts.
Spiegel Online