25.02.2010, 12:55 Uhr
Die Klimaerwärmung macht's möglich: In der Arktis soll ein Glasfaserkabel verlegt werden (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Die Eisschmelze in der Arktis infolge der Erderwärmung will sich ein Telekommunikationsunternehmen für ein ehrgeiziges Projekt zunutze machen. Kodiak-Kenai Cable mit Sitz in Alaska plant die Verlegung eines Glasfaserkabels von London durch die Nordwest-Passage bis nach Tokio. Das ist die kürzeste Unterwasserverbindung zwischen den beiden Metropolen und würde die Übertragungszeit für Nachrichten zwischen Großbritannien und Japan fast halbieren, wie Firmenchef Walt Ebell betont.
"Geschwindigkeit ist Trumpf", sagt Ebell. Die Verzögerung in der Datenübertragung werde von 140 Millisekunden auf 88 Millisekunden reduziert. Dies sei von größter Bedeutung für die Finanzwelt, wo tausendstel Sekunden über einen profitablen Deal entscheiden könnten.
Was Geschäftsleuten eine große Chance bietet, werten Umweltschützer indes als äußerst bedenklich. Sie sehen darin einen weiteren Beleg für die fortschreitende globale Erwärmung. Vor ein paar Jahren wäre das geplante Projekt ArcticLink noch illusorisch gewesen, waren die Seewege zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean entlang des nordamerikanischen Kontinents doch meistens total zugefroren.
In jüngster Zeit jedoch ist das Packeis weit zurückgegangen, und das Leben in der Polarregion hat sich deutlich verändert. Walrosse versammeln sich in den Sommermonaten jetzt zu Tausenden an der Nordküste Alaskas. Der Eisbär wurde in den USA zur bedrohten Tierart erklärt, weil sein Lebensraum auf dem Packeis kontinuierlich zurückgeht. Im Sommer 2007 wurde die bislang weiträumigste Eisschmelze in der Arktis registriert, und Klimaforscher rechnen mit einer Fortsetzung dieses Trends. Damit steht die Nordwest-Passage von Europa nach Asien offen, nach der abenteuerlustige Seefahrer jahrhundertelang suchten.
Die Kabelverlegung sei jetzt ohne den Einsatz von schweren Eisbrechern möglich, freut sich Firmenchef Ebell. Und einen Markt für ein solches Projekt gebe es allemal. Ebells Unternehmen hat unter anderem die Halbinsel Kenai südlich von Anchorage mit dem Kodiak-Archipel vor der Südküste Alaskas verbunden und bezieht von daher seinen Namen.
Für ArcticLink müssten nach Expertenschätzungen allerdings rund 850 Millionen Euro investiert werden. Eine kürzlich verlegte Unterwasserverbindung zwischen der Westküste der USA und Japan hat dagegen nur 210 Millionen Euro gekostet.
Das neue Kabel soll auf einer Länge von 16.000 Kilometern verlegt werden - von Japan zu den Aleuten vor Alaska, dann nach Norden durch die Bering-See, von dort durch die Nordwest-Passage vor Kanada bis zur Südspitze Grönlands und schließlich durch den nördlichen Atlantik bis nach Großbritannien. An mehreren Stellen könnten Landleitungen abgezweigt werden, wodurch etwa die Datenübertragung zwischen New York und Tokio beschleunigt werden könnte.
Wie Ebell betont, würde ArcticLink ausschließlich durch Gewässer von Staaten verlaufen, die enge Verbündete der USA sind. Dadurch seien plötzliche Probleme wegen politischer Konflikte so gut wie ausgeschlossen. Auch dies spreche für sein Projekt.
Quelle: dapd
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