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Arktis: Der Nordpol wurde vor 100 Jahren beschritten - oder nicht?

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Vor 100 Jahren war der erste Mensch am Pol - oder nicht?

06.04.2009, 16:36 Uhr | Von Gabriele Chwallek, dpa

Am 6. April 1909 will der Amerikaner Robert Edwin Peary als erster Mensch den Nordpol erreicht haben (Quelle: dpa) Am 6. April 1909 will der Amerikaner Robert Edwin Peary als erster Mensch den Nordpol erreicht haben (Quelle: dpa)

Am 6. April vor 100 Jahren schrieb der amerikanische Marine-Ingenieur Robert Edwin Peary Geschichte. An diesem Tag im Jahr 1909 erreichte Peary als erster Mensch den Nordpol - oder auch nicht. Denn seit der ehrgeizige, später zum Konteradmiral beförderte Peary die Welt über den Meilenstein in der Polarforschung informierte, kamen im Laufe der Jahre immer stärkere Zweifel an seinem Erfolg auf.

Zunehmend konzentrierte sich die Debatte auf die Frage, ob Peary sich geirrt hat oder sich verbittert über sein Scheitern zur Täuschung entschied. Eine völlige Sicherheit, was damals wirklich geschah, gibt es auch nach 100 Jahren nicht.

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Leidenschaft wird zur Besessenheit

Der am 6. Mai 1856 im US-Staat Pennsylvania geborene Peary entwickelte schon früh eine Leidenschaft für die Polarfoschung, diese steigerte sich schließlich bis zum Punkt der Besessenheit. 1886 unternahm der Ingenieur die erste von sieben Expeditionen und erforschte Grönland. Als erster durchquerte er über eine Strecke von ungefähr 800 Kilometern die Nordostküste, drei Jahre später nahm er das nördliche Küstengebiet in Angriff, "Peary Land" wurde es später nach ihm benannt. 1900 schaffte er es wieder ein Stück weiter, bis an den nördlichsten Punkt, und erbrachte dabei den Beweis, dass Grönland eine Insel ist. Auf einer Expedition 1905/1906 verlor er beinahe sein Leben und acht Zehen durch Erfrierungen.

Expeditionen immer besser vorbereitet

Aber abschrecken ließ Peary sich nicht - im Gegenteil. Im Laufe der Jahre hatte er sich immer besser auf seine Expeditionen vorbereitet. Er studierte das Leben der Eskimos, ihre Überlebenstechniken, er lernte den Umgang mit Schlittenhunden und perfektionierte das System des Anlegens von "Etappenlagern" mit Vorräten für den Weg durch das Eis. Im März 1909 brach Peary von einem Basislager an der Nordküste Grönlands mit 24 Männern, 19 Schlitten und 133 Hunden zur endgültigen Nordpol-Eroberung auf.

Viele Begleiter vorher zurückgeschickt

Den letzten Abschnitt vor dem angeblichen Erreichen des Zieles legte er aber nur mit seinem Assistenten Matthew Henson und vier Eskimos zurück. Die anderen Begleiter hatte er zuvor zurückgeschickt, etwa 250 Kilometer vom Pol entfernt auch den erfahrenen Kapitän Bob Bartlett, der ihm als Navigator auf seinen früheren Expeditionen zur Seite gestanden hatte.

Konkurrent Cook hatte keine Beweise

Am 6. April will Peary das Ziel seiner Träume erreicht haben. Dies teilte er im September in einem Telegramm mit, das er bei der ersten Gelegenheit auf dem Rückweg in die Zivilisation aufgab. Dabei erfuhr er, dass nur kurz zuvor ein anderer verkündet hatte, bereits ein Jahr früher - im April 1908 - am Nordpol gestanden zu haben: Frederick Cook, früher Schiffsarzt auf einer der Peary-Expeditionen. Ein erbitterter Streit folgte, mit vielen Diffamierungen. Am Ende verlor Cook, der keine Beweise für seinen Erfolg vorlegen konnte, und der US-Kongress und die National Geographic Society sprachen Peary den Rang des ersten Menschen am Nordpol zu.

Immer stärkere Zweifel am Erfolg

Im Laufe der Zeit wuchsen dann aber die Zweifel an seinem tatsächlichen Erfolg. Sie ranken sich vor allem darum, dass der Amerikaner die letzten 250 Kilometer in einem Tempo zurückgelegt haben will, das schier als unmöglich gilt. Experten kamen außerdem zu dem Schluss, dass Peary bei seinen Berechnungen Faktoren wie die Eisdrift und die damals herrschenden östlichen Winde nicht berücksichtigte. Zudem ging sein Chronometer nicht richtig - alles Hinweise darauf, dass Peary vermutlich sein Ziel verfehlte, nach manchen Vermutungen gar um bis zu 150 Kilometer.

"Endlich der Pol!"

Dass er seinen gewieften Navigator vorher zur Umkehr veranlasste, machte das Ganze noch verdächtiger. Und: Ausgerechnet für die Zeit des angeblichen Triumphs am 6. und 7. April findet sich in seinem Tagebuch nur ein Eintrag auf einem losen Blatt, eingefügt nach der Expedition. "Endlich der Pol", schrieb Peary mit drei Ausrufezeichen. Er starb am 20. Februar 1920 in Washington. Aber die Debatte über seine Errungenschaft ging weiter.



Von Gabriele Chwallek, dpa  

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