09.11.2007, 12:25 Uhr
Wer in Durrington feierte, musste auch arbeiten. Geophysikalische Sondierungen und Probegrabungen haben gezeigt, dass der Graben und äußere Begrenzungswall der Siedlung in einzelnen Abschnitten errichtet wurden, wahrscheinlich von unterschiedlichen Arbeitsteams. In einem der Müllhaufen fanden die Archäologen die Werkzeuge eines solchen Trupps: Geweihe, genutzt als Hacken.
Mit Geweihen gegraben
"In einem der Abschnitte haben wir 57 Geweihe gefunden. Macht zwei Arbeiter pro Hacke plus ein kleines Team von Trägern für die Körbe mit Aushub", rechnet Parker vor. "Und natürlich brauchten die auch Leute, die ihnen die Sandwiches schmierten - dann sind wir schon bei einem Minimum von 200 Arbeitern pro Team. Wenn wirklich alle Abschnitte des Walls zur selben Zeit errichtet wurden, dann war das ein Arbeiterheer von Tausenden."
Ein Heer aus Hunderten Arbeitern
Auf Stonehenge übertragen bedeuteten diese Zahlen, dass jeweils Teams von 200 bis 400 Leuten unter der Leitung eines Clanchefs für die Errichtung eines einzelnen Abschnitts der Steinkreise zuständig gewesen seien. Manche Theorien besagen, dass das Monument von freien, gleichberechtigten Männern errichtet worden sei. Doch die Anhänger dieser These muss Parker Pearson enttäuschen. Bei den Ausgrabungen der Häuser sei deutlich geworden, dass es Unterschiede im sozialen Status der Bewohner Durringtons gegeben habe. Parker Pearson spricht sogar von den ersten Hinweisen auf soziale Hierarchien im steinzeitlichen Großbritannien überhaupt. In Ägypten gab es zu genau jener Zeit immerhin Pharaonen und Sklavenheere, die die großen Pyramiden von Gizeh bauten.
Stadt nur temporär bewohnt
Die Leute von Durrington mussten jedenfalls nicht das ganze Jahr hindurch schuften. Davon zeugt die Abwesenheit von Mahlsteinen oder Knochen von Jungtieren in ihren Müllhaufen. "Die Stadt war nur temporär bewohnt", erklärt Parker Pearson. "Die haben hier keine alltäglichen Arbeiten wie das Mahlen von Getreide oder die Aufzucht von Schlachtvieh verrichtet. Das alles wurde von Außen hierher gebracht."
"Zeremonielle Zentren"
Offenbar habe in Durrington und Stonehenge nur zeitweise Hochbetrieb geherrscht. "Die Menschen kamen aus dem umliegenden Flachland wie zu einem Festival", glaubt der Archäologe. Fünf solcher "zeremoniellen Zentren" seien in England bekannt, manche von ihnen seien schon 1000 Jahre vor der Erschaffung von Stonehenge Besuchermagneten gewesen.
War Stonehenge schon in der Bronzezeit angelangt?
Außer Mahlsteinen und Jungtierknochen suchten die Archäologen noch eine weitere Artefakt-Sorte vergeblich: Stein- oder Flintwerkzeuge. Immerhin handelt es sich um eine steinzeitliche Siedlung, der Name sollte Programm sein. Einer der aufregendsten Funde von Durrington ist in diesem Zusammenhang ein Stück Kreide. Darauf glaubt Parker Pearson den Abdruck einer Bronzeaxt zu erkennen. Zwar wurde auf dem europäischen Festland bereits seit etwa 3000 vor Christus das Gras mit Sicheln aus Bronze gemäht. Aus Großbritannien sind Bronzefunde allerdings bislang erst von 2400 vor Christus an bekannt. Sollte sich die Theorie bestätigen, dass die Erbauer von Stonehenge mit Bronzewerkzeugen gearbeitet haben, wäre der Übergang von der Stein- zur Bronzezeit für die Region ein gutes Stück vorzudatieren.
Quelle: Spiegel Online
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