08.03.2006, 17:15 Uhr
Forscher der Universität Chicago haben eine neue These entwickelt, nach der die Nutzung des Feuers der Schlüssel des raschen Wandels vom Affen zum Menschen ist. Der Kochprozess, so Yoav Gilad, Chef der Forschergruppe, habe möglicherweise den Zugang zu wichtigen Nährstoffen verbessert, die für die Entwicklung wichtig gewesen seien. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin „Nature“.
UrzeitMensch war mehr Gejagter als Jäger
Der Mensch ist zu 96 Prozent Schimpanse
Bekannt war bislang, dass Menschen und Affen genetisch gesehen sehr enge Verwandte sind. Bei Schimpansen weisen sogar nur knapp vier Prozent des Gen-Codes Unterschiede zum Menschen auf. Deshalb vermuten Forscher im Allgemeinen, dass es eine relativ kleine Anzahl von Schlüsselgenen gibt - etwa 50 von insgesamt 20.000 beim Menschen -, die vollkommen unterschiedliche Wesen hervorbringen können.
Gilad: Wie wirken Gene überhaupt?
Die Chicagoer Forschungsgruppe untersuchte 1056 Gene in Leberproben von vier Primaten (Mensch, Orang-Utan, Schimpansen, Rhesusaffen). Dabei nahmen sie die Art und Weise unter die Lupe, wie die in der DNA gespeicherte Information zu Zellstrukturen und Signalen wird (Expression).
Der Schlüssel: Gene, die andere Gene beeinflussen
Die Tests ergaben, dass beim Großteil der untersuchten Gene die Erzeugung von Zellen und Signalen praktisch gleich geblieben ist. Der Unterschied lag in denjenigen Genen, die diesen Prozess auch bei anderen Genen beeinflussen können. Beim Menschen ist die Wahrscheinlichkeit für eine Änderung in diesen „Master-Genen“ viermal höher als bei anderen Genen. Bei Affen wurde eine solche abweichende Entwicklung dagegen nicht beobachtet.
"Kein anderes Tier kocht sein Essen"
Gilad fragte sich daraufhin, was einen so raschen und deutlichen Wandel bewirkt haben könnte. Er vermutet, dass der Schlüssel in der Beherrschung von Feuer liegen könnte, einem der grundlegenden Umweltunterschiede zwischen Menschen und Affen. "Kein anderes Tier kocht sein Essen", erläuterte Gilad. "Vielleicht hat etwas im Kochprozess die biochemischen Voraussetzungen für einen maximalen Zugang zu Nährstoffen verändert und das Bedürfnis, natürliche Gifte in Pflanzen- und Tiernahrung zu verdauen." Beweise für diese These gibt es bisher allerdings nicht.
Kleine Veränderungen, große Auswirkungen
In Genen schlummern die Informationen, wie Proteine als Bausteine für Zellen hergestellt werden, und wie diese letztlich arbeiten. Dabei ist das molekulare Zusammenspiel außerordentlich komplex; selbst kleine Veränderungen können enorme Auswirkungen auf die Anatomie und das Verhalten eines Wesens haben.
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