09.03.2007, 15:54 Uhr
Bonobos, auch als Zwergschimpansen bekannt, teilen das in Gemeinschaftsaktionen erworbene Futter fair untereinander auf. Damit kooperieren sie in vielen Fällen effektiver als ihre größeren Verwandten, die Schimpansen. Das haben deutsche und amerikanische Forscher um Brian Hare vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausgefunden und im Journal "Current Biology" beschrieben.
Zwei Theorien überprüft
Die Wissenschaftler hatten untersucht, ob Gruppen von Bonobos (Pan paniscus) und Schimpansen (Pan troglodytes) jeweils für sich besser zusammenarbeiten, wenn sie nur gemeinsam an Futter gelangen können. Damit prüften Hare und seine Kollegen zwei widersprüchliche Theorien. Die eine setzte voraus, dass Schimpansen im Vorteil seien, weil sie auch bei der Jagd auf kleine Tiere in freier Wildbahn in Gruppen zusammen arbeiten. Die andere Theorie ging davon aus, dass Bonobos besser kooperieren, weil ihr soziales Verhalten stärker ausgeprägt ist.
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Die Wissenschaftler setzten jeweils zwei Affen der gleichen Art zusammen in einen Käfig. Vor dem Käfig - aber nicht in Reichweite - lag ein Brett mit Futter darauf. Die Tiere konnten nur an die Früchte gelangen, wenn sie gleichzeitig an den Enden eines am Brett befestigten Seiles zerrten.
Schimpansen sind egoistisch
Zwar zogen Schimpansen und Bonobos annähernd gleich häufig an einem Strang. Unterschiede gab es jedoch bei der Aufteilung des Futters. Nur wenn mehrere Fruchtstückchen präsentiert wurden, teilten die Schimpansen brüderlich, beobachteten die Forscher. Gab es dagegen nur eine einzelne große Frucht, behielt in nahezu allen Fällen eines der Tiere das Futter für sich.
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Sozial statt aggressiv
Bei den Bonobos dagegen nahm keines der Tiere bei den Versuchen mehr als die Hälfte bis etwa zwei Drittel des Futters für sich in Anspruch. Ein einzelne Frucht teilten sie sich untereinander auf. Den Forschern zufolge wird damit die Theorie gestützt, dass vor allem die so genannte soziale Toleranz über die Effizienz gemeinsamer Aktionen entscheidet. Ihr sehr soziales Verhalten hätten Bonobos bei ihrer evolutionären Entwicklung wahrscheinlich durch einen zunehmenden Verlust aggressiven Verhaltens erworben.
Wie war's beim Menschen?
Die Forscher leiten aus ihren Beobachtungen auch Erkenntnisse für die Entwicklungsgeschichte des Menschen ab. Beim Homo sapiens habe sich kooperatives Verhalten möglicherweise nicht nur im Zuge zunehmender Intelligenz entwickelt, sondern vor allem wegen der wachsenden sozialen Toleranz gegenüber Artgenossen, schreiben Brian Hare und seine Kollegen.
09.03.2007
Quelle: dpa
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