Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel in Saarbrücken (Foto: AP)
Kanzlerin Angela Merkel hat ein neues Verständnis von Freiheit und Verantwortung angemahnt. Bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken sagte die CDU-Chefin, die Wiedervereinigung habe ihren Ursprung in einer tiefen Sehnsucht nach Freiheit gehabt, die auch in den Jahrzehnten der DDR-Diktatur nicht ausgelöscht werden konnte.
Die weltweite Finanzkrise habe nun aber auch gezeigt, das ein Verständnis von Freiheit ohne Regeln und Ordnung das falsche Verständnis sei. "Die Deutsche Einheit ist nicht vom Himmel gefallen", sagte Merkel bei dem Festakt vor rund 1000 geladenen Gästen. "Sie ist das Ergebnis von Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage."
Sehnsucht nach Freiheit
Die Menschen in der ehemaligen DDR hätten diesen Weg vorbereitet, der jedoch ohne die Unterstützung der Politik im Osten wie Westen nicht möglich gewesen wäre. Der Ursprung der Deutschen Einheit liege in der Sehnsucht nach Freiheit, die sich schließlich bahngebrochen habe. Die Wiedervereinigung sei ein "Sieg von Freiheit und Demokratie über Unfreiheit und Diktatur".
"Gemeinsame Gestaltung der Zukunft"
Nun sei es Zeit "für eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft", die sich in der Reaktion auf die globalen Herausforderungen und die Bewältigung der weltweiten Finanzkrise zeigen müsse, sagte Merkel weiter. "Freiheit und Verantwortung gehören zusammen", betonte die Kanzlerin und fügte hinzu: "Jetzt haben wir die Aufgabe, ein neues Verhältnis von Freiheit und Verantwortung zu entwickeln."
Müller warnt vor Verharmlosung
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) warnte in seiner Rede vor einer Verharmlosung des Unrechts in der früheren DDR. An der Berliner Mauer hätten mindestens 136 Menschen ihr Leben gelassen, es habe keine freien Wahlen gegeben und Oppositionelle seien misshandelt worden. Müller, der als amtierender Bundesratspräsident Gastgeber der diesjährigen zentralen Einheitsfeier war, forderte, das Thema DDR müsse in den Schulplänen eine größere Rolle bekommen.
Der 19. Tag der Deutschen Einheit wurde bei einem Bürgerfest in der Saarbrücker Innenstadt gefeiert. Unter dem Motto "Europa leben" waren neben den 16 Bundesländern auch die angrenzenden Nachbarländer Luxemburg und Frankreich mit dabei. Saarbrücken richtete nach 1993 zum zweiten Mal die Einheitsfeier aus. Aber auch in Berlin wurde am Samstag auf einer Festmeile auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor der Tag der Einheit gefeiert.