"Immer schön einen Kloß nach dem anderen essen", zitiert Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti bisweilen ihre Großmutter. Doch im Frühjahr hätte sie sich fast verschluckt, als sie nach der Landtagswahl von ihrem Versprechen abrückte, keinesfalls mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten.
Das Veto ihrer Parteifreundin Dagmar Metzger ließ Ypsilanti düpiert dastehen. Es dauerte Monate, einen neuen Anlauf zur Machtübernahme anzubahnen. Mit der Koalitionsvereinbarung vom Freitag hat sie ihre Vorbereitungen für den Sturm auf die Staatskanzlei fast abgeschlossen.
Geboren wurde Ypsilanti am 8. April 1957 als Andrea Dill in eine Rüsselsheimer Arbeiterfamilie. Lehrer mussten den Vater überreden, die begabte Tochter aufs Gymnasium zu schicken. Ans Abitur schloss sie ein paar Jahre als Sekretärin und Stewardess an, dann studierte sie Spanisch in Madrid und später Soziologie in Frankfurt. Ihren Nachnamen verdankt Ypsilanti der Ehe mit einem Griechen. Heute wohnt sie mit ihrem Lebensgefährten, ihrem Sohn und einem weiteren Paar mit zwei Kindern in Frankfurt.
Kritik an Bundeskanzler Schröder
Mit 29 trat Ypsilanti der SPD bei, 1994 wurde sie Referatsleiterin in der Staatskanzlei, 2003 übernahm sie den Vorsitz der Hessen-SPD und profilierte sich als linke Kritikerin der Sozial- und Arbeitsmarktreformen des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Im Rennen um die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl schlug sie ihren internen Konkurrenten Jürgen Walter.