09.02.2012, 18:18 Uhr | Von Karin Ridegh-Hamburg, dpa
Für den strenggläubigen Angeklagten war schon vor der Urteilsverkündung klar: "Ich gehe meinen Weg, zur Not auch ins Gefängnis." Genau dorthin hat das Landgericht Lüneburg den Vater von vier Kindern geschickt - für eineinhalb Jahre. Der Mann hatte die Geschwister monatelang nach Ägypten verschleppt, obwohl er das Sorgerecht für sie kurz zuvor verloren hatte.
Mit der Strafe von anderthalb Jahren fiel das Lüneburger Urteil aber deutlich weniger scharf aus als in einem ähnlichen Prozess am selben Tag in Mannheim. Dort wurde ein Vater, der seine Kinder gegen den Willen seiner Ex-Frau in Tunesien festgehalten hatte, zu zehn Jahren Haft verurteilt.
"Hut ab", lobte Richter Thomas Wolter den ruhig wirkenden Mann während der Urteilsbegründung - obwohl alle Welt zuhöre, traue sich der 38-Jährige, sich vor Gericht anderthalb Stunden für seine Tat zu rechtfertigen.
Nach dem Plädoyer des Staatsanwalts ließ sich der Vater in seinem Schlusswort endlos lange über den moralischen Verfall der Gesellschaft aus und zitierte zahllose Bibelstellen, aus denen er seine Haltung ziehe. Richter Wolter hielt ihm wohl auch deshalb einen Spiegel vor. Er bezog sich dabei besonders auf das Wohl der Kinder, das der Vater immer wieder ins Zentrum seiner Ausführungen gestellt hatte.
"Es fällt auf, dass sie einiges in Kauf genommen haben. Sie haben ihrer Frau die Kinder entzogen, weil sie ihrer Meinung nach in Sünde lebt und dafür die Hölle zu erwarten hat. Sie schaffen sie in ein Land, wo es unerträglich heiß ist. Sie haben ihnen einen irdischen Vorgeschmack auf die Hölle gegeben", sagte der Richter.
Er hielt dem arbeitslosen Krankenpfleger zudem vor, die Schuld an seiner Situation vor allem bei seiner Frau und der Justiz zu sehen. Diese habe die Kinder falsch erzogen, behauptete der Mann. "Sie sehen nicht, was sie selber machen", betonte Wolter.
Wolter sprach auch von einem "starken inneren Richter", den der Angeklagte in sich trage. Dieser habe ihn unbeweglich und unflexibel gemacht - so sehr, dass auch die Ehefrau ihre Persönlichkeit nicht mehr frei entfalten konnte. Nach der Trennung bezeichnete der Mann sie als "Ehebrecherin".
Die Mutter der damals zwischen vier und acht Jahre alten Kinder verfolgte den Prozess als Nebenklägerin. Mehrfach brach sie in Tränen aus, zuletzt als sie einen liebevollen Brief des Vaters vorlas, den dieser den Kindern aus dem Gefängnis geschrieben hatte.
Die 31-Jährige, die ihren Mann in der Ausbildung kennen lernte, hatte die Scheidung eingereicht, als ihr Mann das Familienleben immer fanatischer nach seiner Bibelauslegung bestimmen wollte. Er fuhr kein Auto mehr, weil es Menschen gefährdete, er wollte den Kindern keine Medikamente mehr geben und brach verschiedene Ausbildungen ab, weil er sie nicht mit der Bibel vereinbaren konnte.
Nach dem Urteil ließ die Mutter mitteilen, sie respektiere die richterliche Entscheidung, wolle sie aber nicht kommentieren. "Meine Kinder, meine Familie und ich werden Zeit und Ruhe brauchen, diese Phase unseres Lebens zu verarbeiten."
Quelle: dpa
Harzer schrieb:
am 9. Februar 2012 um 20:43:42
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Wieder einmal...
.... beschleicht mich das Gefühl der unverständlichen Milde mit Menschen
die zwar hier leben und die Annehmlichkeiten
dieses Systems schätzen
aber sonst einen Dreck auf unsere Regeln und Gesetze geben. Ein
gebürtiger Westeuropaer hätte für die gleiche Tat völlig zu Recht mehr
kassiert. P.S. Ich bin KEIN Neonazi und bezeiche mich weder als
ausländerfeindlich oder -freundlich. Für mich zählt der Mensch!
Aber, ich befürchte, solche Urteile sind der Integration nicht förderlich.
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EinVater schrieb:
am 9. Februar 2012 um 19:29:35
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Kindsentführung
Hut ab vor diesem Vater, wie der Richter richtig feststellte. In seiner Einstellung hat er einiges mit dem deutschen
Familiengerichten miterleben müssen, was er sicher nicht verstehen konnte (auch ein Deutscher Vater kann das idR nicht). Er hat für das Wohl der Kinder der "Reise" gesorgt. Nicht der Vater gehört in den Knast, sondern die meistens Familienrichtet (dier hier amtierende ausgenommen). Viele werden dieser Beitrag mit Daumen runter urteilenr, aber die kennen keine Fam-Gerichte!
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Barbarella schrieb:
am 9. Februar 2012 um 19:02:25
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ER hat seinen
Kindern wirklich die Hölle bereitet. Diese Fanatiker sind unberechenbar. Er wird auch weiterhin eine Gefahr für die Familie sein.
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