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Amoklauf Winnenden: Vater machte sich Vorwürfe

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"Die Waffe hätte da nicht rumliegen dürfen"

03.12.2010, 08:35 Uhr | Von Gabriel Dominguez , AP

Amoklauf von Winnenden: Kerzen stehen vor der Realschule. (Foto: ddp)

Kerzen stehen vor der Realschule in Winnenden: Hier war Tim K. Amok gelaufen. (Foto: ddp)

Der Vater des Amokläufers von Winnenden hat sich kurz nach der Bluttat offenbar Vorwürfe über den Aufbewahrungsort der Tatwaffe gemacht. "Die Waffe hätte da nicht rumliegen dürfen", soll der 51-Jährige Vater von Tim K. drei Tage nach der Tat geäußert haben. Das sagte der 18-jährige damalige Freund der Schwester von Tim K. vor dem Landgericht Stuttgart im Prozess gegen den Vater des Amokläufers.

Der Vater muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und dann sich selbst getötet. Viele der Opfer starben durch Kopfschüsse. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

Familie macht sich Vorwürfe

Der 18-jährige Gymnasiast, der mit der Schwester des Amoktäters mehr als ein Jahr lang zusammen war, sagte zudem aus, dass die Familie sich im Nachhinein Gedanken über ihren Umgang mit dem 17-Jährigen gemacht habe. So hätte man auf dessen psychische und schulische Probleme näher eingehen müssen, sollen sich die Familienangehörigen kurz nach der Tat vorgeworfen haben.

Auf Nachfrage eines Nebenklagevertreters bestätigte der 18-Jährige den Inhalt von Chatprotokollen aus dem Jahr 2008 zwischen ihm und der Schwester von Tim K. Demnach soll sie ihm im Mai 2008 geschrieben haben, ihr Bruder sei "manisch depressiv" und man merke, "dass er zerbricht". Im November 2008 soll sie zudem geschrieben haben, ihr Bruder sei anders. Er habe kaum Freunde und sitze alleine zu Hause.

Zeuge erleidet kurzen Zusammenbruch

Der 18-Jährige erlitt vor Gericht kurz einen Zusammenbruch. Er hatte zunächst verneint, Kenntnis über die psychischen Probleme des Täters gehabt zu haben und wurde daraufhin von einem Nebenkläger auf die Chatprotokolle aufmerksam gemacht. Auch der Vorsitzende Richter, Reiner Skujat, schaltete sich ein und wies den Zeugen an, falls er nicht die Wahrheit sage, werde es "nicht schön für" ihn. Der junge Mann brach kurz in Tränen aus und zeigte sich anschließend kooperativer. Er räumte auch ein, dass er sich im Vorfeld des Prozesses in einem mehrstündigen Telefongespräch mit der Tochter des Angeklagten über seine anstehende Vernehmung unterhalten habe.

Zu Beginn der Vernehmung hatte der 18-Jährige, der noch heute in einem "freundschaftlichem" Verhältnis mit der Tochter des Angeklagten steht, das Bild einer normalen Familie gezeichnet. Der Tim K. sei zwar ruhig gewesen und habe sich zurückgezogen, aber ansonsten habe er einen "ganz normalen" Eindruck gemacht.

"Der macht irgendwann noch einen Amoklauf"

Zuvor hatten zwei ehemalige Mitschüler des Amoktäters an der Albertville-Realschule ausgesagt. Er habe mit Geld angeben und so getan, als spiele es für ihn keine Rolle. Manchmal sei der Eindruck entstanden, als habe er sich "Freundschaften erkaufen wollen", sagte einer der beiden Mitschüler. Wegen seiner bekannten Vorliebe zu Softair-Waffen und seiner zurückhaltenden Art soll in seiner Schule kurz nach der Amoktat in Erfurt aus Spaß gesagt worden sein: "Der macht irgendwann noch einen Amoklauf", sagte der andere Mitschüler. Allerdings sei dies damals nur "so dahin" gesagt worden.



Von Gabriel Dominguez , AP  

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