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Täter suchte sich nicht gezielt Mädchen als Opfer
22.05.2009, 14:42 Uhr
In dieser Schule in Winnenden erschießt Tim K. am 11. März zwölf Menschen (Foto: ddp)
Der Grund für den Amoklauf in Winnenden bleibt auch zehn Wochen nach der Tat unklar: Ein erkennbares Motiv gebe es trotz umfassender Ermittlungen nicht, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth am Freitag in Waiblingen. Der 17-jährige Tim K. habe alleine gehandelt und sich vorher niemanden offenbart.
Er sei auch nicht von Mitschülern gemobbt worden. Allerdings hatte er sich vor dem Amoklauf über vergleichbare Taten in den USA oder in Erfurt informiert, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in einem vorläufigen Ermittlungsbericht erklärten. Dass es sich bei elf der 15 Opfer um Frauen und Mädchen handelte, war den Ermittlungen zufolge von Tim K. offenbar nicht geplant. Er habe sie sich nicht gezielt als Opfer ausgesucht, hieß es.
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15 Menschen getötet
Bei dem Amoklauf am 11. März erschoss Tim K. an der Albertville-Realschule in Winnenden acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Referendarinnen. Auf der Flucht tötete er einen Mann, später erschoss er in einem Autohaus in Wendlingen zwei Menschen und dann sich selbst.
Tim K. spielte Ego-Shooter-Spiel
Eine Auswertung der Internetaktivitäten brachte Erkenntnisse, dass der 17-Jährige zu Amoktaten in den USA an der Columbine High School und in Deutschland am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt recherchierte. Tim K. verbrachte den Ermittlern zufolge viel Zeit am Computer. Dort spielte er unter anderem Ego-Shooter-Spiele. Aufgrund der Computerauswertung gehen die Ermittler davon aus, dass er zuletzt am 8. März ein Ego-Shooter-Spiel zu Hause spielte.
Kein Mobbing
Nach Angaben der Ermittler stand der Täter nicht unter Drogen-, Alkohol oder Medikamenteneinfluss. In dem vorläufigen Ermittlungsbericht wurde der 17-Jährige als zurückhaltend beschrieben. Der Täter habe kaum Freunde gehabt, er sei andererseits von Zeugen aber nicht als Einzelgänger bezeichnet worden. Die über 50-köpfige Sonderkommission "Schule" überprüfte auch Hinweise, wonach der junge Mann von Mitschülern gemobbt worden sei. Die Hänseleien könnten in ihrer Intensität und Wortwahl als unauffällig und jugendtypisch beschrieben werden, berichteten die Ermittler weiter.
Auch gegen Vater wird ermittelt
Ob der Todesschütze psychisch krank war, steht noch nicht abschließend fest. Entsprechende Krankenunterlagen müssten noch ausgewertet werden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Weil die Waffe nicht ordnungsgemäß aufbewahrt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen den Vater des Amokläufers. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Das Verfahren solle bis zum Herbst abgeschlossen werden, sagte Staatsanwältin Krauth.
Passives Mitglied im Schützenverein
Tim K. gab während des Amoklaufs 113 Schüsse ab. Es seien auch 171 nicht abgefeuerte Patronen an den Tatorten gefunden worden, hieß es. "Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit stammt auch die Tatmunition aus dem Besitz des Vater", erklärten die Ermittler. Dieser war Mitglied des örtlichen Schützenvereins. Der 17-Jährige war seit dem Jahr 2000 passives Mitglied. Wie Tim K. letztlich in den Besitz der Munition gelangte, war weiterhin unklar.
Container für Schulgemeinschaft
Seit Montag dieser Woche werden die Schüler der Albertville-Realschule wieder gemeinsam an einem Ort unterrichtet. Insgesamt 165 Container bilden auf einem Sportplatz in der Nähe des Schulzentrums das Provisorium für die 570 Schüler. Außer 20 Klassenzimmern sind in dem U-förmigen Komplex auch ein Verwaltungsbereich mit Lehrerzimmer, dem Rektorat und Sekretariat untergebracht.
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Quelle: dapd