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Eltern der Opfer fordern Verschärfung des Waffenrechts
23.03.2009, 11:31 Uhr
Trauerkerzen in Winnenden und die Forderung, dass Waffen vernichtet werden sollten (Foto: Reuters)
Die Eltern von fünf getöteten Schülerinnen des Amoklaufs von Winnenden haben eine Verschärfung des Waffenrechts, ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen und mehr Jugendschutz im Internet gefordert. In einem am Samstag veröffentlichten offenen Brief in der "Winnender Zeitung" hieß es: "Wir wollen, dass der Zugang junger Menschen zu Waffen eingeschränkt wir."
Die derzeitige gesetzliche Regelung ermögliche die Ausbildung an einer großkalibrigen Pistole bereits ab dem 14. Lebensjahr. Eine Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21 Jahre sei unerlässlich, fordern die Hinterbliebenen. "Grundsätzlich muss die Frage erlaubt sein, ob der Schießsport nicht gänzlich auf großkalibrige Waffen verzichten kann."
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Adressiert an Köhler und Merkel
Der Gesetzgeber müsse Verstöße gegen das geltende Waffenrecht deutlicher und stärker ahnden. In dem Brief wenden sich die Familien an Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU). Bei dem Amoklauf am 11. März hatte Tim K. 15 Personen erschossen und sich dann anschließend selbst auf der Flucht in Wendlingen getötet.
Weniger Gewalt im Fernsehen gefordert
"Wir wollen, dass sich etwas ändert in dieser Gesellschaft, und wir wollen mithelfen, damit es kein zweites Winnenden mehr geben kann." Die Opferfamilien sprachen sich auch für weniger Gewalt im Fernsehen aus. Das Fernsehen setze heute die ethischen und moralischen Standards. "Wenn wir es zulassen, dass unseren Mitbürgern weiterhin täglich Mord und Totschlag serviert werden, ist abzusehen, dass die Realität langsam, aber stetig dem Medienvorbild folgen wird." Die Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche fernsehen, sollten generell gewaltfrei sein, hieß es weiter.
Schlachtfeld Internet
In dem offenen Brief fordern die Hinterbliebenen auch ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen. "Spiele, ob über Internet oder auf dem PC, die zum Ziel haben, möglichst viele Menschen umzubringen, gehören verboten." Ferner sprachen sich die Angehörigen für einen verbesserten Jugendschutz im Internet aus. Es dürfe nicht sein, dass sich junge Menschen anonym gegenseitig aufhetzten und zu Gewalteskalationen aufforderten.
Wo haben die Sicherungen versagt?
Die Angehörigen forderten die Polizei und Politik zu einer Aufarbeitung des Amoklaufs auf. "Wir wollen, dass die Tat aufgeklärt und aufgearbeitet wird." Das Warum der Tat werde sicher nie vollständig geklärt werden können. Wichtiger für die Angehörigen und ihre Zukunft sei die Frage: Wie konnte es geschehen? "Wir wollen wissen, an welchen Stellen unsere ethisch-moralischen und gesetzlichen Sicherungen versagt haben." Dazu gehörten auch das Aufzeigen der persönlichen Verantwortung und die daraus folgenden - auch juristischen - Konsequenzen.
Große, öffentliche Trauerfeier geplant
Die Öffentlichkeit gedenkt heute mit einer zentralen Trauerfeier und einem Gottesdienst ab 11.00 Uhr der Opfer des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen. Anschließend ist ein Staatsakt mit Reden von Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) geplant. Auf bis zu 15 Videoleinwänden wird die Trauerfeier aus der Kirche St. Karl Borromäus in umliegende Hallen und Kirchen übertragen.
Polizei befürchtet Verkehrschaos
Die Polizei sperrte bereits am Morgen in Winnenden die ersten Straßen, um ein Verkehrschaos bei der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs zu verhindern. Die Zufahrt zur Innenstadt ist bis Mittag nur noch für Anwohner und geladene Gäste möglich. Die Deutsche Bahn setzt seit 7.55 Uhr zusätzliche S-Bahnen ein. Regionalbahnen wurden um zusätzliche Wagen verstärkt.
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Quelle: dapd
, dpa