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Amoklauf von Winnenden: Erste Hinweise auf Urheber der Amok-Ankündigung

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Erste Hinweise auf Urheber der Amok-Ankündigung

16.03.2009, 08:11 Uhr

Screenshot der mutmaßlichen Amok-Ankündigung bei www.krautchan.net. (Foto: dpa) Screenshot der mutmaßlichen Amok-Ankündigung bei www.krautchan.net. (Foto: dpa)

Ein Mann aus Düsseldorf soll möglicherweise das Internet-Protokoll in Umlauf gebracht haben, in dem der Amokläufer von Winnenden scheinbar seine Bluttat ankündigte. Ob er tatsächlich verantwortlich ist, müsse nun die Kontrolle der IP-Adresse des Computers ergeben, teilten die Betreiber des Forums krautchan.net mit. Gleichzeitig erhoben sie schwere Vorwürfe gegen die deutschen Ermittler.

Es sei "unverständlich", warum die deutsche Polizei umständlich per Hilfsgesuch in den USA um die Daten des Betreibers gebeten habe. "Eine einfache Mail an uns hätte genügt", teilte ein Moderator des Forums krautchan.net am Sonntag mit. So seien die Ermittlungen verzögert worden. Zudem habe sich bei der Polizei zunächst niemand zuständig für die Hinweise der Seitenbetreiber gefühlt.

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Screenshot möglicherweise manipuliert

Auf krautchan.net hatte in der Nacht vor der Tat gegen 2.45 Uhr eine offenbar harmlose Diskussion stattgefunden. Diese wurde laut Computer-Experten wohl nach dem Amoklauf digital abfotografiert - ein sogenannter Screenshot erstellt. Die Wörter wurden dann vermutlich durch die angebliche Amok-Drohung von Tim K. ersetzt und als manipulierter Screenshot in Umlauf gebracht.


Experten: Fälschung erkennbar

Zunächst hatte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech die Internet-Drohung eindeutig Tim K. zugeordnet, später waren Polizei und Rech dann zurückgerudert. Die Polizei erklärte, dass man mit Informationen des in den USA sitzenden Betreibers den Sachverhalt nun klären wolle. Computer-Experten betonen, die Fälschung sei eindeutig zu erkennen. Zudem gibt es inzwischen auf der Startseite von krautchan.net ein Verlaufsprotokoll, das diese Meinung stützt.

krautchan.net rief selber an

Weil die Polizei die Verantwortlichen von krautchan.net in Deutschland nicht kontaktiert habe, sei man selbst aktiv geworden, sagte der Moderator. Eine telefonische Nachfrage bei der Polizei endete aber nach seinen Angaben bei den ersten drei Versuchen mit einem Auflegen. Ein weiterer Versuch sei mit "Wir sind nicht zuständig" und Auflegen beendet worden. "Erst der fünfte Versuch war erfolgreich, die Nachricht wurde an den jeweiligen Mitarbeiter weitergeleitet."

Fälschen gilt als "cool"

Schon der Name Krautchan hätte die Ermittler eigentlich stutzig machen können. "Chans", Abkürzung für das englische "Channel" (Kanal), sind bekannt dafür, dass gerne mit Fälschungen gearbeitet wird. Imageboards wie "krautchan" sind Internetforen, in denen vor allem Bilder hochgeladen und ausgetauscht werden. Als besonders "cool" gelte es, manipulierte Bilder oder gut gefälschte Nachrichten in Umlauf zu bringen, erklärte Axel Kossel von der Zeitschrift "c't". Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) verlangte mittlerweile mehr Geld für eine bessere Internet-Kompetenz bei der Polizei. BDK-Vorsitzender Klaus Jansen erklärte: "Von 260.000 Polizisten in Deutschland ist nur ein Prozent für die Herausforderungen durch das Internet gewappnet."

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Hass auf Frauen mögliches Motiv

Die mutmaßliche Ankündigung des Amoklaufs im Internet ist dabei nur ein ungeklärter Aspekt neben vielen: Bislang zeichnet sich kein Motiv für die Bluttat ab, bei der der 17-Jährige Tim K. 15 Menschen tötete, bevor er sich selbst erschoss. So konnte nur gemutmaßt werden, ob Hass auf Frauen ein Motiv war. In der Albertville-Schule erschoss Tim K. neben einem Jungen nur Frauen - acht Schülerinnen und drei Lehrerinnen. Auf dem Computer von Tim K. wurden zudem Pornobilder von nackten und gefesselten Frauen entdeckt.

Durch "Killerspiele" aufgestachelt?

Unklar ist auch weiterhin, ob der Amokschütze das Killerspiel "Far Cry 2" exakt am Abend vor der Tat gespielt hat, wie es der "Spiegel" berichtete. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben derzeit dem Hinweis auf das Pseudonym "JawsPredator1" nach, unter dem Tim K. dem Blatt zufolge im Internet aktiv gewesen und sich schon vor Monaten mit Massakern an Schulen auseinandergesetzt haben soll.

Verwirrspiel um psychischen Zustand von Tim K.

Für neue Verwirrung sorgten zudem am Wochenende die Eltern von Tim K., die Berichte über psychotherapeutische Behandlungen ihres Sohnes dementierten. Polizei und Staatsanwaltschaft blieben hingegen bei ihrer Aussage, dass Tim K. mehrmals in einer psychiatrischen Klinik "vorstellig" wurde. Der Rechtsanwalt der Eltern, Achim Bächle, sagte aber, ambulante Behandlungen seien etwas ganz anderes als eine Psychotherapie.

Depressionen vielleicht auch nur vorgetäuscht

Hintergrund des Begriffsstreits könnte sein, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokläufers prüft. Denn sollte bei Tim K. eine "Amokneigung" ersichtlich gewesen sein, könnte sich der Vater der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben. Tim K. hatte für das Massaker eine Waffe des Vaters verwendet, die dieser offenbar nicht im Tresor, sondern im Schlafzimmer aufbewahrt hatte. In diesem Zusammenhang prüfen die Ermittler auch, ob angebliche Depressionen von Tim K. nur dazu angeführt wurden, um ihm die Bundeswehr zu ersparen. Ob dies tatsächlich so war, müsse aber Gegenstand möglicher Ermittlungen gegen den Vater sein, erklärte Polizeisprecher Hinderer.

Schützenverein: Nur passives Mitglied

Am Sonntagabend dementierte zudem der Schützenverein des Vaters, der Amokläufer habe hier trainiert. "Der Jugendliche hat nur ein Mal im Oktober 2008 auf der Pistolenschießbahn im Beisein des Vaters mit dessen Neun-Millimeter-Pistole geschossen", sagte Detlef Lindacher, Vorstandsvorsitzender des Schützenvereins SSV Leutenbach, den "Stuttgarter Nachrichten". Dies sei auch vorschriftsmäßig im Schießbuch notiert. Ansonsten sei der Jugendliche nur "passives Mitglied" im Verein gewesen. Die Zeitung berichtete, Zeugen hätten aber auch ausgesagt, Tim K. habe nur drei Wochen vor der Bluttat auf der Schießbahn des Vereins mit einer großkalibrigen Waffe geschossen. Der entsprechende Eintrag im Schießbuch fehle.


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Quelle: dpa , dapd

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