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"Nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren"
30.03.2009, 13:30 Uhr
Ein Polizist markiert nach dem Amoklauf Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses in Wendlingen (Foto: dpa)
Die Familien von fünf Schülern, die beim Amoklauf von Winnenden getötet wurden, haben sich erneut in einem offenen Brief an die Politik gewandt. Sie verlangten darin mit Nachdruck Konsequenzen aus der Tat. In dem Schreiben an die Innenminister, das am Montag in der "Winnender Zeitung" erscheinen sollte, heißt es: "Wir wollen, dass der Zugang junger Menschen zu Waffen eingeschränkt wird."
Die Familien reagieren damit auf ein Antwortschreiben der Chefs der Regierungsfraktionen CDU, CSU und SPD, die lediglich eine Prüfung dieser Frage angekündigt hatten. "Wir erwarten aber, dass die Fraktionen nach der Prüfung unserer Forderungen auch als Gesetzgeber tätig werden. Denn nach Winnenden können wir nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren ohne etwas zu tun", schreiben die Opferfamilien Kleisch, Marx, Minasenko, Nalepa, Schober und Schweitzer.
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"Heraufsetzung der Altersgrenze unerlässlich"
"Die derzeitige gesetzliche Regelung ermöglicht die Ausbildung an einer großkalibrigen Pistole bereits ab dem 14. Lebensjahr. Bedenkt man, dass ein junger Mensch gerade in dieser Zeit durch die Pubertät mit sich selbst beschäftigt und häufig im Unreinen ist, so ist die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21 Jahre unerlässlich."
Großkaliber selbst bei nicht Olympia
Grundsätzlich müsse auch die Frage erlaubt sein, "ob der Schießsport nicht gänzlich auf großkalibrige Waffen verzichten kann". Bis heute seien die olympischen Wettkämpfe auf Luftdruck- und Kleinkaliberwaffen beschränkt. Sollte ein solcher Verzicht nicht möglich sein, müssten die Schüsse beschränkt werden. "Bei der Jagd sind die Magazine der automatischen Waffen auf maximal zwei Schuss begrenzt. Warum nicht auch beim Sport?"
Verstöße stärker bestrafen
Die Eltern forderten zudem, dass der Gesetzgeber Verstöße gegen das geltende Waffenrecht deutlicher und stärker ahnden müsse. "Außerdem ist zu überlegen, ob für Sportschützen Waffen und Munition nicht örtlich getrennt verwahrt werden können."
Tatwaffe war frei zugänglich
Bei dem Amoklauf hatte der 17-jährige Tim K. am 11. März mit einer großkalibrigen Pistole in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst richtete. In der Albertville-Realschule in Winnenden ermordete er neun Schüler und drei Lehrer. Die Tatwaffe sowie die Munition befanden sich unverschlossen in der elterlichen Wohnung - was nach dem Waffengesetz verboten ist.
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Vorschlag: Munition und Waffen getrennt lagern
Einen Bericht des "Spiegel" zufolge erwägen die Länder bereits deutliche Einschränkungen im Waffenrecht. So plane der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer, zugleich Vorsitzender der Innenministerkonferenz, den Umgang mit Sportwaffen und Munition drastisch einzuschränken. In einem Positionspapier, das am Dienstag auf einem Treffen der Staatssekretäre der Innenministerien diskutiert werden soll, schlage Mäurer vor, die Munition zentral in Vereinsgebäuden und Schießstätten zu lagern. Mit einer örtlichen Trennung von Waffe und Munition könne Missbräuchen wirkungsvoll vorgebeugt werden.
Weniger Waffen pro Schütze
Außerdem sollten Schützen erst nach drei Jahren regelmäßigen Schießens im Verein eigene Waffen erwerben dürfen, nicht wie bisher nach einem Jahr. Auch die Anzahl und die Auswahl an Waffen will Mäurer dem Bericht zufolge einschränken. Er schlägt eine Begrenzung auf in der Regel fünf Pistolen oder Gewehre vor. Es sollte zudem "grundsätzlich gelten, dass Schusswaffen, die bei der Polizei und oder beim Militär eingesetzt werden, im Schießsport nichts zu suchen haben".
Höhere Strafen für Missachtung der Aufbewahrungsregeln
Ein weiterer Punkt sind laut "Spiegel" die Aufbewahrungsregeln: Es könnte dem Papier zufolge ein Straftatbestand für "unzureichende Aufbewahrung" geschaffen werden, wenn dadurch Straftaten möglich geworden sind seien. Das Staatssekretärstreffen in Berlin ist nach dem Amoklauf von Winnenden anberaumt worden und soll sich vor allem mit den Fragen des Waffenrechts beschäftigen. Auch der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich für dessen Verschärfung ausgesprochen.
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Quelle: dpa