Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Panorama > Kriminalität >

Amoklauf von Winnenden: Amokläufer war "ganz normal, halt"

...

Amokläufer war "ganz normal, halt"

13.03.2009, 14:48 Uhr

Von Christian Kreutzer, Winnenden

Der Amokläufer Tim K. bei einer Siegerehrung im Jahr 2004 (Foto: ddp) Der Amokläufer Tim K. bei einer Siegerehrung im Jahr 2004 (Foto: ddp)

Die dritte Stunde hat noch nicht lange angefangen, als im ersten Stock der Albertville-Realschule in Winnenden die Hölle losbricht. Osama P. (16) hat gerade Unterricht in einem der Physikräume, als ein schwarz Gekleideter die Türe aufreißt und ohne Vorwarnung anfängt, mit einer Pistole auf die Schüler zu schießen. Der Schütze feuert mehrere Kugeln in den Raum. Geschrei bricht los. Osama wirft sich unter den Tisch. Neben ihm liegt seine Banknachbarin. Dann wird die Tür wieder zugeworfen.

Osama blickt um sich. Er sagt etwas zu dem Mädchen, das neben ihm gesessen hat, doch die 16-Jährige antwortet nicht. Als er sich zu ihr umdreht, sieht er Blut um ihren Kopf. Die Zehntklässlerin scheint ihn anzublicken. Dann wird ihm klar, dass sie tot ist.


Foto-SerieAmoklauf in Winnenden

"Wir haben einen Amokläufer im Haus"

Zwei Zimmer weiter sitzt der 15-jährige Caglayan B. . Der Neuntklässler hört das Knallen der Pistole und sagt zu seiner Lehrerin: "Da wird geschossen." Nein, antwortet die. Das seien sicher Handwerker, er solle sich keine Sorgen machen. Dann wird auch hier die Türe aufgerissen. Herein kommt ein Lehrer. "Wir haben einen Amokläufer im Haus", ruft der Mann. Die Lehrerin solle die Türe abschließen, die Schüler unter die Tische flüchten und sich ruhig verhalten. Dann wird wieder geschossen.

Geschockte Schüler stehen vor der Albertville-Realschule in Winnenden, wo ein 17-Jähriger ein Blutbad angerichtet hatte (Foto: AP) Geschockte Schüler stehen vor der Albertville-Realschule in Winnenden, wo ein 17-Jähriger ein Blutbad angerichtet hatte (Foto: AP)

Drei Tote im Klassenzimmer

Osama P. versucht derweil, sich in seinem Klassenzimmer ein Bild von der Lage zu machen. Seine Banknachbarin ist nicht das einzige Todesopfer. Rund drei Tote kann er in dem kleinen Klassenzimmer ausmachen.

Täter kam noch einmal zurück

Noch bevor der Sohn pakistanischer Eltern einen klaren Gedanken fassen kann, kommt der schwarz Gekleidete zurück und eröffnet wieder das Feuer. Aufs Neue verschwindet er nach kurzer Zeit. In panischer Angst ruft Osama seinen älteren Bruder Anis an. Schluchzend berichtet er von den Morden und fragt verzweifelt, was er nun machen soll. "Hau ab", ruft der geschockte Anis. "Mach', dass du von da wegkommst."

GrafikAmokläufe an deutschen Schulen
Zum DurchklickenAmokläufe an deutschen Schulen
RückblickAmokläufe weltweit

Die Leiche des besten Freundes liegt auf dem Boden

"Raus hier", ruft nun auch die Lehrerin ihren Schülern zu. "Nehmt die Feuerleiter." Alle hasten schreiend zum Fenster. Davor befindet sich die rettende Stahltreppe, die eigentlich für Brandkatastrophen vorgesehen ist. Alle zugleich versuchen die geschockten Jugendlichen auf die Leiter zu kommen. Ein Mädchen stürzt dabei aus dem ersten Stock in den Hof. Sie habe Rippenbrüche erlitten, heißt es später, sei aber am Leben. Vier tote Schüler bleiben in dem Physiksaal zurück. Beim Hinauslaufen sieht Osama die Leiche seines besten Freundes Ibrahim am Boden liegen.

"Auffällig" viele Frauen und Mädchen unter den Opfern

Insgesamt zwölf Menschen sind zu diesem Zeitpunkt gestorben: acht Schülerinnen, ein Schüler, zwei Lehrerinnen und eine Referendarin. Außerdem verletzte Tim K. sieben Schülerinnen durch Schüsse. Damit sind "auffällig" viele Frauen und Mädchen unter den Opfern des Amokläufers, wie der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech später auf einer Pressekonferenz feststellen wird. Rückschlüsse auf mögliche Motive des Amokläufers will der Politiker zu diesem Zeitpunkt - wenige Stunden nach der Tat - noch nicht ziehen. Fest stehe aber, dass K. nicht wahllos um sich feuerte, sondern seinen Opfern gezielt in den Kopf schoss.

Verkäufer und Kunde im Industriegebiet erschossen

Nach seinen Morden flieht der 17-jährige Todesschütze zu Fuß aus der Schule und erschießt nur wenige hundert Meter vom Eingang entfernt einen Mann, der in seinem Auto sitzt. Dann flieht er in die Innenstadt und zwingt einen Autofahrer, ihn mitzunehmen. Er lässt sich in die Nähe des 40 Kilometer entfernten Wendlingen bringen. Dort fährt der Besitzer des Wagens sein Auto auf den morastigen Seitenstreifen und flieht körperlich unbeschadet. In einem nahe gelegenen Industriegebiet wird der Todesschütze von der Polizei gestellt. Wieder feuert er auf alles, was ihm vor die Augen kommt. Dabei sterben der Verkäufer eines Autohauses und sein Kunde, die bei einem Verkaufsgespräch zusammensitzen. Eine Polizeibeamtin und ihr Kollege - beide in zivil - werden durch Schüsse in Hals und Unterkiefer schwer verletzt. Der Amokläufer liefert sich ein letztes Feuergefecht mit der Polizei und stirbt schließlich durch eine Kugel aus der eigenen Waffe.

Täter war "ruhig und unauffällig"

Der Täter, so erzählen die Augenzeugen später, habe während all dem kein Wort gesagt. Geschweige denn, hasserfüllte Parolen geschrien. Alle scheinen ihn zu kennen. Seine Eltern seien "reich", wird den Reportern erzählt. Und immer wieder heißt es, der 17-Jährige, der im Jahr zuvor seine Mittlere Reife an der Albertville-Schule gemacht habe, sei ruhig und unauffällig gewesen - "ganz normal, halt", sagt einer der Schüler, die vor der Unglücksschule in der Kälte stehen. Anis P. hat einmal mit ihm Poker gespielt. Auch da sei ihm nichts Besonderes an dem Jungen aufgefallen, außer dass seine Eltern nicht gerade arm gewesen sein können.

Seelsorger und Polizisten gehen ein und aus

Über Gründe will auch der frühere Schulleiter nichts sagen. Blass und geschockt steht er neben dem Gebäude und sieht fassungslos zu, wie Notfallseelsorger und Polizisten in der nahe gelegenen Stadthalle ein- und ausgehen. Hier hat die Polizei eine Art Auffanglager für die Angehörigen eingerichtet.

"Der Hass auf die Lehrer ist sehr groß"

Er habe gehört, dass der Todesschütze vor Kurzem seinen Ausbildungsplatz verloren habe, sagt Anis P. Vielleicht sei es der Druck gewesen, der ihn zu der Tat getrieben habe. Viele Schüler seien voller Wut auf den Schulbetrieb. "Wenn sie in der Schule versagen, machen sie die Lehrer dafür verantwortlich", so der 17-Jährige. Vielleicht seien die ja das eigentliche Ziel gewesen. "Egal, ob sie schuld sind oder nicht: Der Hass auf die Lehrer ist sehr groß", sagt Anis.

Immer informiertDer Newsticker von t-online.de
Mehr aktuelleNachrichten
Mehr zum ThemaGewalt


Quelle: t-online.de

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Amoklauf von Winnenden: Amokläufer war "ganz normal, halt"" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Amoklauf von Winnenden: Amokläufer war "ganz normal, halt"" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "Amoklauf von Winnenden: Amokläufer war "ganz normal, halt""

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Große Schuhvielfalt
Neue Frühlings-Trends von zalando.de

Die neue Frühlingskollektion von Topmarken: tolle Schuhe, Mode u.v.m. - Versand gratis. mehr

Einkaufswelt
Mode von Laura Kent
Neue Frühlings-Trends von Laura Kent - bei WENZ

Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ

Einkaufswelt
Grills und Gartenkamine
Grills & Gartenkamine von plus.de

Jetzt aus über 150 Marken-Grills den passenden auswählen!
bei plus.de

Einkaufswelt
Sexy Kleider & Röcke
Kleider und Röcke für sexy Kurven - von happysize.de

Tolle Kurven perfekt in Szene gesetzt: zauberhafte Damenmode bis Größe 60. zum XXL-Special


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

THW Simulator 2012
THW Simulator 2012 (Quelle: rondomedia)

Fahrzeuge bergen, Brücken bauen und mehr. Jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

"Der FC Bayern sollte sich schämen"
Arjen Robben musste sich Pfiffe anhören. (Quelle: dpa)

Pfiffe gegen Robben sorgen für Eklat. mehr

Russische Omas singen beim Grand Prix
Die russischen Omas sind im Finale beim Eurovision Song Contest. (Quelle: dapd)

Ralph Siegel scheitert mit San Marino. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Unglaubliche Ersparnis
Tiefpreise: Patronen für Canon-Drucker bei druckerzubehoer.de

Bis zu 92% auf Patronen für Canon-Drucker. von druckerzubehoer.de

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein mit Rollrasen beladener Anhänger parkt im Frachtbereich des Fährhafens. (Quelle: dpa\Ingo Wagner)

Was haben die Ostfriesen denn da bestellt? mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche
Das Satellitenbild der Woche zeigt die Frühlingsblüte des Phytoplankton an Irlands Nordwestküste im Nordatlantik. Die Mikroorganismen sind die Basis der Nahrungskette der Meere und spielen eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Kohlenstoffdioxid. (Quelle: ESA)

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Glücksspiel
Die aktuellen Lottozahlen
(Foto: dpa)

Lotto 6 aus 49, Spiel 77, Super6 und Eurojackpot. zu den Lottozahlen

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige