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Wurde Tim K. an seiner Schule gemobbt?
12.03.2009, 12:23 Uhr
Trauer in Winnenden; rechts der Todesschütze Tim K. (Fotos: Reuters / ddp)
Nach dem Amoklauf in Winnenden, bei dem gestern 16 Menschen starben, gibt es offenbar erste Hinweise auf das Motiv des Täters. Eine Schülerin berichtete, Tim K. sei möglicherweise gemobbt worden. Zudem wurde bekannt, dass sich der Amokläufer mit Softairwaffen und Killerspielen beschäftigte. In der Nacht sei das Umfeld des Täters ausgeleuchtet worden, sagte der für die Ermittlungen zuständige Polizeichef von Waiblingen, Ralf Michelfelder im ZDF. Dabei hätten sich erste Hinweise auf die Hintergründe der Tat ergeben.
Eine zwölfjährige Schülerin berichtete, Tim K. habe ihr vor etwa drei Wochen einen Brief gezeigt. "Er schrieb seinen Eltern, dass er leidet und nicht mehr weiter kann", sagte Fabienne B. gegenüber Journalisten. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert. Auch der Kriminologe Christian Pfeiffer schloss Mobbing nicht aus. Es sei auffällig, dass die Opfer in Winnenden fast alle Schüler seien. Das könnte ein Hinweis darauf sein, "dass die Schule für den Täter ein Ort der subjektiven Erniedrigung war".
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"Wir haben Counterstrike gefunden"
Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen bestätigte unterdessen, der Amokläufer habe in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen am Computer verbracht. Zu seinen Hobbys gehörte auch das Schießen mit Softairwaffen. "Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel 'Counterstrike' gefunden", sagte Hinderer. Derzeit werde der Computer des ehemaligen Schülers ausgewertet. Die Polizei will gegen am späten Vormittag in einer Pressekonferenz bekanntgeben, welche Hinweise sie auf ein Motiv des Täters hat.
Noch sechs Verletzte im Krankenhaus
Sechs Verletzte - vier Schülerinnen und zwei Polizisten - befinden sich nach Polizeiangaben noch im Krankenhaus. Sie seien teilweise schwer verletzt, "bis hin zu Bauchschüssen", aber außer Lebensgefahr, sagte Michelfelder. Drei der Opfer konnten nach Hause entlassen werden. Tim K. hatte in seiner früheren Schule zunächst zwölf Menschen erschossen. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) nannte es "auffällig", dass vor allem Mädchen getötet worden seien: Bei dem Amoklauf starben an der Schule acht Schülerinnen und drei Lehrerinnen, jedoch nur ein Schüler.
Verfolgungsjagd mit der Polizei
Bei seiner Flucht erschoss Tim K. einen Passanten, entführte ein Auto und tötete nach einer Verfolgungsjagd zwei Menschen in einem Autohaus in Wendlingen. Bei dem Schusswechsel mit der Polizei verletzte er zwei Beamte schwer, bevor er nach Angaben der Staatsanwaltschaft angeschossen wurde und sich dann wohl selbst tötete.
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Täter im Umgang mit Waffen geübt
Die Tatwaffe, eine Neun-Millimeter-Pistole, hatte der Jugendliche offenbar aus seinem Elternhaus. Der Vater besaß laut Rech als Mitglied eines Schützenvereins legal 15 Waffen. Davon habe er 14 im Tresor gelagert, eine im Schlafzimmer. Diese habe der Täter vermutlich an sich genommen. Polizist Michelfelder fügte hinzu: "Ein großer Teil der Munition war im Haus nicht verschlossen, so dass der junge Mann Zugriff darauf hatte." Tim K. habe bei dem Amoklauf allein in der Schule mindestens 60 Schüsse abgefeuert. Tim K. soll den Schützenverein seines Vaters gelegentlich als "Gastschütze" besucht haben und war im Umgang mit Waffen geübt.
Staatsanwälte prüfen Verfahren gegen Vater
Es deute vieles darauf hin, dass der Vater bei der Aufbewahrung "nachlässig war". Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft derzeit, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater einleiten wird, wie Sprecherin Claudia Krauth sagte. Es müsse nun darum gehen, die Lage "sachlich und professionell" zu beurteilen. Wie lange die Prüfung dauern würde, wollte sie nicht sagen.
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Amoklauf in Alabama möglicherweise Auslöser
Als direkter Auslöser der Tat kommt möglicherweise der Amoklauf in Alabama mit zehn Toten infrage, der sich nur wenige Stunden vor der Bluttat in Winnenden ereignete. Psychologe Jens Hoffmann von der Technischen Universität Darmstadt sagte, es sei "durchaus denkbar, dass der Täter sozusagen in der Warteschleife war und es ihn zum letzten Schritt bewogen hat." Als echtes Motiv komme der Amoklauf in den USA aber nicht infrage, "solche Taten sind bis zum Schluss immer über Wochen und Monate geplant und vorbereitet. Es ist ein großer Mythos, dass Leute plötzlich ausrasten und Amok laufen, auch bei Jugendlichen."
Eltern verlassen Wohnort
Derweil haben die Eltern des Amokläufers ihren Wohnort zunächst verlassen. "Die Eltern sind bereits am Mittwoch auf eigene Initiative hin gegangen", sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen am Donnerstag. Der Ort ihres Verbleibs werde nicht bekanntgegeben. Sie wollten in Ruhe gelassen werden. "Sie werden nicht von der Polizei geschützt." Das Haus der Eltern liegt in einer Sackgasse in Leutenbach rund 25 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Das Elternhaus wurde am Vortag von Journalisten belagert.
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Quelle: dpa
, AFP
, dapd
, t-online.de