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Vor Amoklauf-Prozess: Angehörige wollen "keine Rache"

16.09.2010, 09:07 Uhr

Spurensicherung nach Amoklauf: Die Polizei hat Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses in Wendlingen mit weißer Farbe markiert (Foto: dpa)

Spurensicherung nach Amoklauf: Die Polizei hat Einschusslöcher in der Scheibe eines Autohauses in Wendlingen mit weißer Farbe markiert (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Vor dem Prozess gegen den Vater des Amokläufers Tim K. haben Hinterbliebene an das Stuttgarter Landgericht appelliert, die Hintergründe der Tat genau aufzuklären. "Es geht in dem Verfahren hauptsächlich um die Frage, welche Verantwortung der Vater für seinen Sohn hatte", sagte Hardy Schober vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden. Schober verlor bei dem Amoklauf seine 15-jährige Tochter. Von diesem Donnerstag an steht Tims Vater Jörg K. vor dem Landgericht Stuttgart - wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Sein Sohn hatte am 11. März 2009 an der Albertville-Realschule in Winnenden im Rems-Murr-Kreis neun Schüler und drei Lehrer erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und erschoss sich dann selbst. Schober sagte: "Der Prozess ist selbstverständlich eine Belastung. Man durchlebt die ganze Situation noch einmal. Es werden sicherlich alte Wunden aufgerissen."

Vater habe Tim an Waffen ausgebildet

Schober sagte: "Wir wollen keine Rache", und so habe er immer gesagt, er wolle dem Vater in die Augen sehen. Der Amoklauf sei keine Affekttat gewesen. Der Vater habe den Anstoß für den Amoklauf gegeben. "Er hat seinen Sohn richtig an Waffen ausgebildet und ihm den Umgang mit den Waffen ermöglicht", sagte Schober. Der Vater sei auch mit Tim K. in den Schützenverein gegangen.

Vor dem Prozess hatte es einige Diskussionen gegeben, ob ein Strafverfahren gegen den Vater von Tim K. überhaupt sinnvoll ist. Dazu sagte der Vertreter des Aktionsbündnisses: "Die Justiz hat sich schwer getan mit dem Thema. Man hat die Verantwortung für das Verfahren zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Gericht hin und her geschoben."

Schober betonte, dass es ihm in dem Verfahren um die Sache gehe. "Wir wollen keine Hexenjagd. Der Vater ist nicht der Täter. Der eigentliche Täter hat sich selbst gerichtet." Es befriedige ihn, der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

"Schießen ist kein Grundrecht"

Der Vertreter des Aktionsbündnisses machte sich erneut für eine Verschärfung des Waffenrechts stark. Die Politik habe nicht alles unternommen, einen künftigen Amoklauf weniger wahrscheinlich zu machen. Die angekündigten Kontrollen der Waffenbesitzer dienten nur zur Beruhigung der Öffentlichkeit. "Schießen ist kein Grundrecht", sagte er. Schober forderte erneut ein Verbot von großkalibrigen Pistolen und Revolvern. "Diese Waffen gehören nur in die Hände von Justiz, Polizei und Militär. Mit ihnen darf kein Sport ausgeübt werden."

Schober übte auch Kritik an Gewalt verherrlichenden Computerspielen. "Ich bin nicht generell gegen Computerspiele, sondern gegen solche, die die Hemmschwelle der Gewalt bei jungen Leuten herabsetzen." Menschen, die Killerspiele spielten, lebten in zweierlei Welten. Das in Winnenden ansässige Aktionsbündnis hat inzwischen mehrere Projekte zur Gewaltprävention an Schulen angestoßen, sagte Schober.

Präventionsprojekte an Schulen

"Wir haben ein Theaterstück zur Prävention von Mobbing an Schulen in Auftrag gegeben." Das Stück trage den Titel "Es war doch nur Spaß". Es soll ab Anfang Oktober unter anderem auch an Schulen aufgeführt werden. Außerdem wird demnächst ein Projekt zur Ausbildung von Lernbegleitern starten. "Sie sollen Schüler in Schulen begleiten, die Sorgen oder Probleme haben." Die Lernbegleiter bräuchten keine pädagogische Ausbildung. Für diese Aufgabe kämen beispielsweise frühere Lehrer, Hausfrauen oder auch ehemalige Schüler infrage, so Schober.



Quelle: dpa

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Kommentare (23)

zum Forum

Thema: "Amoklauf in Winnenden: Angehörige wollen "keine Rache","

Ich schrieb: am 15. September 2010 um 18:33:33
(0) (0) @MKW
Stimme Dir völlig zu. Der Vater hat seinen Sohn siche nicht mit in den Schützenverein genommen damit er Leute erschiesst, wie es Ihn
gefällt. Sondern sicher eher aus dem Beweggrund - "Sei vorsichtig im Umgang mit einer Waffe". Die Relation zu einem Auto passt perfekt. Wenn Kinder evtl. in der Schule "gemobbt" werden oder in "Neudeutsch " gedisst werden sowohl von Lehrern als auch von Mitschülern -dann muss man sich kümmern, damit solche evtl. Verzweiflungstaten nicht stattinden.
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MWK schrieb: am 15. September 2010 um 18:12:32
(0) (0) Es ist Schwachsinn...
zu behaupten, der Vater habe Schuld, weil er seinen Sohn an der Waffe ausgebildet und in den Schützenverein
mitgenommen hat. Wenn heute ein Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit einen anderen Verkehrsteilnehmer tötet, macht man ja auch nicht den Fahrlehrer verantwortlich, der ihm das Fahren beigebracht hat. Der Junge war 15 Jahre alt und sehr wohl für sein Handeln allein verantwortlich. Lediglich die Waffe hätte wohl nicht so offen herumliegen dürfen, das war schon leichtsinnig vom Vater.
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XAM schrieb: am 15. September 2010 um 15:38:10
(0) (0) Amok Winnenden
Jedes grosse negative Ereignis führt zu übertriebenen Bemühungen der zukünftigenVerhinderung. Zu den vielen Beispielen,
was verboten werden muss: Was kann man mit einem LKW anrichten? Was kann man mit einem Zündholz und einem Kanister Benzin anrichten?! Sind Motorräder/Autos mit über 200 km/h keine Geschosse? Ist das ein Grundrecht? - Was ist sexuell alles verboten und geschieht trotzdem überall - eigentlich recht dümmlich, all das Gerede...solange der Mensch als solcher sich nicht ändert.
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