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Amoklauf in Winnenden: 17-jähriger Amokläufer tötet 15 Menschen und begeht Selbstmord

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17-jähriger Amokläufer tötet sich selbst

12.03.2009, 09:44 Uhr

Der Amokläufer Tim K. bei einer Siegerehrung im Jahr 2004 (Foto: ddp) Der Amokläufer Tim K. bei einer Siegerehrung im Jahr 2004 (Foto: ddp)

Nach dem Blutbad von Winnenden mit 15 Toten hat sich der 17-jährige Amokläufer offenbar selbst umgebracht. Der Täter Tim K. sei zunächst bei einem Schusswechsel mit der Polizei am Bein verletzt worden und habe sich daraufhin in den Kopf geschossen, teilte eine Polizeisprecherin mit.

Zuvor hatte der Jugendliche einen Mann gezwungen, gemeinsam mit dessen Auto zu flüchten. Auf der Autobahn bei Wendlingen geriet der Fluchtwagen auf den Seitenstreifen und blieb liegen. Daraufhin flüchtete der Täter zu Fuß in ein nahegelegenes Autohaus. Dort versuchte er, ein Fahrzeug in seine Gewalt zu bekommen und erschoss dabei einen Angestellten sowie einen Kunden. Als der Amokläufer das Gebäude verließ, eröffnete er das Feuer auf die Zivilpolizisten und verletzte zwei Beamte schwer.

Video 16 Tote nach Amoklauf
Foto-SerieAmoklauf in Winnenden
MinutenprotokollDie Ereignisse von Winnenden
HintergrundDie Albertville-Schule in Winnenden

Die Albertville-Realschule in Winnenden (Grafik: dpa) Die Albertville-Realschule in Winnenden (Grafik: dpa)

Wild um sich geschossen

Am Vormittag war der Ex-Schüler der Albertville-Realschule in dem schwäbischen Kleinstädtchen in zwei Klassenzimmer gestürmt und hatte dort während des Unterrichts gezielt um sich geschossen. Dabei tötete er neun Schüler, die zwischen 14 und 15 Jahre alt waren und drei Lehrerinnen. Unter den Getöteten seien acht Mädchen, sagte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech. Sieben weitere Schüler wurden verletzt. Eine Schülerin berichtete, der Rektor der Schule habe noch mit einer verschlüsselten Lautsprecheransage versucht vor dem Attentäter zu warnen, als dieser bereits mordend durch das Gebäude zog: "Frau Koma kommt", habe die Durchsage gelautet - wie "Amok" rückwärts gesprochen heißt.

"Die Frau ist eine Heldin"

Offenbar hatte eine Lehrerin geistesgegenwärtig Schlimmeres verhindert, nach dem der bewaffnete Jugendliche in ihre Klasse gekommen war und auf die Kinder geschossen hatte. Als er den Raum verließ, um seine Pistole nachzuladen, habe die Lehrerin sofort die Tür verschlossen, berichtet "Tagesspiegel.de" unter Berufung auf einen Sicherheitsexperten. Tim K. habe dann versucht, das Türschloss aufzuschießen - das sei ihm aber nicht gelungen. "Die Frau ist eine Heldin", wird der Experte zitiert.

Flucht in die Innenstadt

Auf seiner anschließenden Flucht tötete der Täter vor einem psychiatrischem Krankenhaus einen Beschäftigten. Auf dem Parkplatz der Klinik zwang er den Autofahrer ihn mitzunehmen. So durchbrach er die Sperren, mit denen die Polizei die 27.000-Einwohner-Stadt abgeriegelt hatte. "Die ganze Stadt gleicht einer Festung", berichtete ein Augenzeuge.

Nach dem Amoklauf Forderungen nach Konsequenzen
Die Lehren von ErfurtWas ist daraus geworden?
Hintergrund"Junge Amokläufer sind schwache Personen"

Eines der Opfer des Amokläufers wird abtransportiert (Foto: dpa) Eines der Opfer des Amokläufers wird abtransportiert (Foto: dpa)

"Munition im dreistelligen Bereich"

Der Jugendliche, der von Mitschülern als absolut unauffällig beschrieben wurde, hätte möglicherweise noch viel mehr Menschen töten können. "Die Menge der nicht abgefeuerten Munition deutet darauf hin, dass er weitaus mehr vor hatte", sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder. Die verwendete Pistole habe der Jugendliche seinem Vater entwendet. Auch die "Munition im dreistelligen Bereich" stammt offenbar aus dem Elternhaus. Im Tresor des Hauses hatte der Vater legal 14 Waffen deponiert, eine weitere im Schlafzimmer. "Der Täter muss also die Waffe im Schlafzimmer an sich genommen haben", sagte Minister Rech. Michelfelder fügte hinzu: "Ein großer Teil der Munition war im Haus nicht verschlossen, so dass der junge Mann Zugriff darauf hatte." Der Bürgermeister des Heimatortes Leutenbach, Jürgen Kiesel sagte, der junge Mann sei wie sein Vater Sportschütze gewesen.

GrafikAmokläufe an deutschen Schulen
Zum DurchklickenAmokläufe an deutschen Schulen
RückblickAmokläufe weltweit

Unbeantwortete Frage: Warum?

Über sein Motiv konnte bislang nur gerätselt werden. Ob er sich möglicherweise von dem Amoklauf im US-Bundesstaat Alabama, wo in der Nacht zu Mittwoch elf Menschen getötet wurden, beeinflussen ließ, ist unklar. Innenminister Rech sagte: "Es ist aber auffällig, dass primär Mädchen getötet wurden." Daraus könne man aber noch kein Motiv ableiten.

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Gottesdienst zum Gedenken der Opfer

Unterdessen hat unter reger Anteilnahme der Bevölkerung am Mittwochabend ein ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Amoklaufs stattgefunden. In der bis auf den letzten Platz gefüllten katholischen Kirche St. Karl Borromäus kamen viele Bewohner des Städtchens, aber auch zahlreiche Politiker und Geistliche zusammen, um der 16 Opfer zu gedenken. Für Donnerstag hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet.



Quelle: t-online.de , AFP , dpa , dapd

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