22.02.2010, 11:06 Uhr
Bestatter schieben nach dem Amoklauf an einer Berufsschule in Ludwigshafen eine Bahre mit einem Leichnam weg (Foto: ddp)Wieder ein tödlicher Amoklauf an einer Schule: Ein 23-Jähriger hat an einer Technischen Berufsschule in Ludwigshafen einen Lehrer offenbar mit Messerstichen getötet. Der leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass der aus Ludwigshafen stammende Täter als Motiv nannte, als ehemaliger Schüler wütend auf sein Opfer gewesen zu sein, weil dieser ihm schlechte Zensuren gegeben habe. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Gegen den 23-Jährigen, der die Tat gestanden habe, wird wegen Mord ermittelt.
Das Opfer, ein 58 Jahre alter Pädagoge, verstarb erst, nachdem ihn Polizisten verletzt aufgefunden hatten, teilte der Einsatzleiter der Polizei, Franz Leidecker, mit. Weitere Verletzte habe es nicht gegeben, auch keinen zweiten Täter.
Der Täter sei mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole bewaffnet gegen zehn Uhr auf das Schulgelände gekommen und zunächst in ein Nebengebäude für die Maler- und Lackiererausbildung eingedrungen. Dort sei er mit dem Lehrer zusammengestoßen. Es habe eine körperliche Auseinandersetzung gegeben.
HintergrundAmokläufe an Schulen
Anschließend stürmte er in das Hauptgebäude, wo er eine Brandfackel anzündete und seine Schreckschusspistole einsetzte. Zudem griff er einen weiteren Lehrer an. Doch dieser konnte fliehen. Daraufhin wurde der Feueralarm ausgelöst. Der Schulleiter, der sichergehen wollte, dass alle Schüler das Gebäude verlassen haben, traf auf den Täter und wurde von diesem mit der Schreckschusswaffe beschossen.
Wenige Minuten nach zehn Uhr habe der 23-Jährige dann von - wegen des durch die Brandfackel verursachten Feueralarms - herbeigeeilten Streifenpolizisten überwältigt werden können, sagte der Einsatzleiter weiter. Der Täter habe sich widerstandslos festnehmen und abführen lassen.
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Zur Identität des Tatverdächtigen ist noch wenig bekannt. Nach den Worten des Ludwigshafener Kripochefs Franz Leidecker soll der 23-Jährige keiner regulären Beschäftigung nachgegangen sein und sich zuletzt in einer Fördermaßnahme des Christlichen Jugendwerks befunden haben. Er habe keinen Migrationshintergrund und habe die Schule nach eigenen Angaben bereits 2004 verlassen. Bei dem Lehrer handelte es sich nach Angaben der Ermittler um einen Familienvater mit Wohnsitz in Hessen.
Amoklauf an einer Berufsschule in Ludwigshafen (Foto: dpa)
Nach Recherchen der "Rhein-Zeitung" soll sich der Tatverdächtige schon länger mit dem Thema Amoklauf beschäftigt haben. Auf einer Profilseite habe er als sein Todesdatum 2010 angegeben. Auf dieser Seite zähle er "Schützensport & alles was mit Waffen zu tun hat" zu seinen Hobbys.
Dort sei er zudem Mitglied in Gruppen wie "Legale Waffenbesitzer" und "Liberales Waffenrecht". 2007 habe er zudem ein achtminütiges Video hochgeladen, in dem er Fotos zu dem Amoklauf von Erfurt mit 17 Toten aus dem Jahr 2002 zusammengestellt habe. Dort zeige er mit Rap-Texten unterlegte Bilder von dem Polizeieinsatz im Erfurter Gutenberg-Gymnasium.
Bei der betroffenen Einrichtung handelt es sich nach Polizeiangaben um die Berufsbildende Schule Technik II im Stadtteil Mundenheim. Zu dem gesamten Komplex gehörten Einrichtungen mit insgesamt 3000 Schülern. Der Komplex liegt südwestlich der Innenstadt in unmittelbarer Nähe zur Fachhochschule und weiteren Bildungseinrichtungen. Die Polizei räumte nach dem Angriff die Schule und Sicherheitskräfte durchsuchten das Gebäude. Schüler und Eltern werden psychologisch betreut.
Ein Berufsschüler sagte der Online-Ausgabe der örtlichen Zeitung "Rheinpfalz": "Wir saßen im Unterricht, als plötzlich jemand bemerkt hat, dass auf dem Gang ein Bengalofeuer brannte. Fünf Minuten später gab es Feueralarm und wir mussten alle das Gebäude verlassen." Vom eigentlichen Geschehen habe er aber nichts mitbekommen. Etwa 1000 Schüler strömten nach draußen.
Quelle: t-online.de , dapd , dpa
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