30.03.2010, 09:05 Uhr | AFP/dpa
Amnesty International legte jetzt die Todesstrafenstatistik 2009 vor (Foto: dpa)
Viel Hoffnung war nie. Sie erlosch an einem Morgen, ohne dass groß Notiz davon genommen wurde. Als die Mutter des Weißrussen Andrej Schuk ihren Sohn, der wegen Doppelmordes im Gefängnis von Minsk in der Todeszelle saß, am 18. März besuchen wollte, sagte man ihr, dass der 25-Jährige "verlegt" worden sei.
Künftig könne sie zu Hause bleiben, und sie werde noch Post von den Behörden erhalten. Damit war die Sache klar: Schuk war insgeheim hingerichtet worden. Und die Hoffnung, dass in Europa vielleicht nie wieder ein Todesurteil vollstreckt würde, war dahin.
Der jüngste Todesstrafen-Jahresbericht von Amnesty International war damit schon wieder überholt - noch vor der offiziellen Veröffentlichung an diesem Dienstag. Darin freut sich die Hilfsorganisation darüber, dass 2009 zum ersten Mal in Europas Geschichte ein ganzes Jahr lang niemand hingerichtet wurde. Davon, dass Weißrussland auf dem Kontinent allein steht, ließ sich der Präsident der ehemaligen Sowjetrepublik, Alexander Lukaschenko, jedoch noch nie beeindrucken. Zusammen mit Schuk ließ er noch einen anderen Mann exekutieren.
Insgesamt stellt Amnesty im Kampf gegen die Todesstrafe aber Fortschritte fest. Die meisten Länder der Welt (139) verzichten inzwischen auf Hinrichtungen. In 58 Ländern gibt es die Strafe noch, aber nur in 18 wurden vergangenes Jahr Urteile auch vollstreckt. Auf dem amerikanischen Kontinent ließen nur noch die USA von Staats wegen töten. Erfreut nahmen die Experten auch zur Kenntnis, dass Länder wie Afghanistan und Pakistan erstmals niemanden vor den Henker schickten.
Die meisten Urteile werden weiterhin durch Erschießungskommandos vollstreckt. China will immer mehr zur Hinrichtung durch die Giftspritze übergehen. Daneben gibt es den Tod durch Stromschlag oder Strick. In Saudi-Arabien wird wie seit jeher in aller Öffentlichkeit enthauptet. Und in Somalia wurde ein junger Mann sogar noch gesteinigt, wie in Zeiten des Mittelalters. Die Henker gruben den vermeintlichen Ehebrecher bis zur Hüfte in die Erde ein. Dann warfen sie Steine auf ihn, bis er tot war.
Bei der Gesamtzahl der Hinrichtungen sieht es auf den ersten Blick besser aus als früher. Weltweit ermittelte Amnesty für 2009 eine Mindestzahl von 714 Exekutionen. Im Jahr zuvor waren es noch mindestens 2390. Der vermeintliche Rückgang hat allerdings einen bösen Grund. Der Staat, der jedes Jahr die meisten Menschen töten lässt, taucht in der Zahlensammlung nicht mehr auf. Erstmals in fast 30 Jahren Statistik verzichtete Amnesty darauf, die Volksrepublik China mitzuzählen. Die Organisation wirft der chinesischen Regierung vor, jedes Jahr tausende Hinrichtungen zu verheimlichen. Amnesty forderte China auf, Todesurteile und Hinrichtungen nicht länger als "Staatsgeheimnis" zu behandeln.
Aus Protest gegen die Informationspolitik Pekings weigerte sich Amnesty in der Todesstrafen-Statistik 2009 erstmals, konkrete Zahlen für China auszuweisen. Im Jahr davor hatte ai für die Volksrepublik mindestens 1718 Hinrichtungen dokumentiert, was mehr als 70 Prozent der weltweit vollstreckten Todesurteile bedeutete. Der Menschenrechtsorganisation zufolge lag die Dunkelziffer aber vermutlich um ein Vielfaches höher.
"Die chinesische Regierung behauptet, dass immer weniger Hinrichtungen stattfinden. Wenn das stimmt, warum verheimlichen die Behörden, wie viele Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden", sagte der zuständige ai-Experte Oliver Hendrich. "Warum hütet Peking die Zahlen wie ein Staatsgeheimnis?" Die öffentlich zugänglichen Zahlen erfassten nicht das wahre Ausmaß der Todesstrafe in China. Amnesty geht davon aus, dass 2009 in China tausende Menschen heimlich zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. "China hat mehr Menschen hingerichtet als alle anderen Staaten der Welt zusammen", erklärte Amnesty.
Laut ai-Bericht 2009 wurden weltweit mehr als 2000 Menschen in 56 Ländern zum Tode verurteilt. Die meisten vollstreckten Urteile wurden demnach mit mindestens 388 im Iran registriert, gefolgt vom Irak mit mindestens 120 Hinrichtungen. In Saudi-Arabien starben demnach 69 Menschen nach einem Todesurteil und in den USA 52.
Iran und Saudi-Arabien seien die einzigen Länder, die sogar Minderjährige hinrichteten, heißt es in dem ai-Bericht weiter. Ferner ist darin dokumentiert, dass Staaten wie China, Iran und Sudan die Todesstrafe oft zu politischen Zwecken einsetzten, etwa um Oppositionelle zum Schweigen zu bringen. Auch war die Anwendung der Todesstrafe demnach von Diskriminierung begleitet. So wurden Todesurteile nach Erkenntnissen von Amnesty oft nach "grob unfairen Verfahren" verhängt, trafen überdurchschnittlich häufig Arme sowie Angehörige ethnischer, nationaler oder religiöser Minderheiten.
Quelle: dpa , AFP
jiannis schrieb:
am 15. Juni 2010 um 18:59:42
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Todesstrafe
wenn jemand ein Leben löschst
gibt es keine Rückkehr....
also bitte kein Pardon für Mörder......
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sung schrieb:
am 13. Mai 2010 um 18:21:01
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mensch, mord ist mord
Wer einem anderen bewußt das Leben nimmt, wo nimmt der dann das Recht her, selber noch leben. Ich möchte Sie hören,
wenn der Ermordete ein Angehöriger Ihrer Familie wäre. Und erst, wenn an einem Kind ein Sexualmord geschähe, es nachgewiesen ist, dass er/sie es war, dann möchte ich Sie mal hören.
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derliebeonkeldet schrieb:
am 23. April 2010 um 16:34:11
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Todesstrafe
Wer Andere "bewußt"das Leben beendet(also vorsätzlich)- der hat kein Recht mehr das Licht dieser wunderbaren Welt zu sehen.Denn
jeder hat nur ein Leben und in den Himmel kommt auch keiner!!!
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