20.04.2006, 09:16 Uhr
Weltweit droht derzeit mehr als 20.000 Menschen nach einem Todesurteil die Hinrichtung. Dies geht aus dem Jahresbericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zur Todesstrafe hervor, der am Donnerstag in London veröffentlicht wurde. Die meisten Urteile wurden im vergangenen Jahr in China vollstreckt, gefolgt vom Iran, Saudi-Arabien und den USA. Insgesamt ging die Zahl der Hinrichtungen allerdings deutlich zurück.
Hohe Dunkelziffer
Amnesty ermittelte, dass im vergangenen Jahr 2148 Todesurteile in 22 Ländern vollstreckt wurden. Ein Jahr zuvor waren es noch 3797 Hinrichtungen in 25 Ländern gewesen. Mit Abstand die meisten Exekutionen gab es in China, wo mindestens 1770 Menschen hingerichtet wurden. Im Iran starben nach der Amnesty-Statistik mindestens 94 Menschen auf staatliche Anordnung. Saudi-Arabien richtete mindestens 86 Menschen hin. In den USA wurden 60 Menschen exekutiert. Amnesty stützt sich bei diesen Zahlen auf offizielle Angaben der Behörden. Allerdings gibt es auch Schätzungen, dass in China jedes Jahr zwischen 8000 und 10.000 Todesurteile vollstreckt werden.
China handelt angeblich mit Organen Hingerichteter
In China steht auf 68 Straftaten die Todesstrafe, darunter auch gewaltlose Delikte wie Steuerhinterziehung, Unterschlagung oder Drogenvergehen. Darüber hinaus warf die britische Gesellschaft für Transplantation (BTS) den chinesischen Behörden vor, Handel mit den Organen von Hinrichtungsopfern zu treiben. Der Transplantations-Mediziner Stephen Wigmore sprach im Sender BBC von Beweisen für tausende solcher Fälle. Erst vergangene Woche hatte Peking die Vorwürfe zurückgewiesen.
Immer mehr Staaten schaffen die Todesstrafe ab
Zugleich stellte Amnesty einen "Trend zur Abschaffung der Todesstrafe" fest. Im vergangenen Jahr beschlossen Mexiko und Liberia, künftig auf Hinrichtungen zu verzichten. Damit hat sich die Zahl der Staaten, die die Todesstrafe noch anwenden, in den vergangenen 20 Jahren halbiert. Insgesamt halten noch 73 Länder an der Todesstrafe fest. 123 haben sie aus dem Gesetz gestrichen oder wenden sie nicht mehr an.
Quelle: dpa , AFP
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