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Elektroschocker sind tödliche Waffen
16.12.2008, 10:25 Uhr
Gefährliche Waffe mit 50.000 Volt: der Taser. (Quelle: dpa)
Amnesty International hat die Behörden aufgefordert, die Verwendung von Elektroschockwaffen auszusetzen oder auf lebensbedrohliche Situationen zu beschränken. Die Behauptung, die so genannten Taser seien keine tödlichen Waffen, halte einer gründlichen Überprüfung nicht stand, berichtet die Menschenrechtsorganisation. So starben in den USA zwischen 2001 und August 2008 mindestens 334 Menschen durch den Einsatz der Elektroschocker.
"Diese Elektroschocker sind nicht die 'nicht tödlichen Waffen', als die sie angepriesen werden", erklärte Mathias John von Amnesty Deutschland. "Sie sollten - wenn überhaupt - nur als allerletztes Mittel eingesetzt werden". Ein Problem der Tasereinsätze sei das "hohe Missbrauchsrisiko". Auf Knopfdruck könnten "fast ohne Spuren wieder und wieder starke Schmerzen verursacht werden".
ElektroschockerSelbstversuch zeigt Ausmaß der QualMehr aktuelle NachrichtenVerwendung auch in Deutschland
John nannte es besorgniserregend, dass solche Elektroschockwaffen benutzt würden, ohne dass es vorher umfassende und unabhängige Untersuchungen über die möglichen Auswirkungen gegeben habe. Dies gelte auch für Deutschland, wo die Polizei Taser in mehreren Bundesländern einsetze.
Einsatz häufig fragwürdig
Die Studie von Amnesty International stützt sich auf 98 Falluntersuchungen und kommt zu dem Schluss, dass 90 Prozent der nach einem Taser-Einsatz Verstorbenen nicht bewaffnet waren und von ihnen häufig keine unmittelbare Bedrohung ausging. In manchen Fällen wurde ein weiterer Elektroschock verabreicht, weil die Zielperson nach dem ersten Einsatz gelähmt war und nicht auf Anweisungen reagiert hatte.
Elektroschocks auch gegen Kinder und Schwangere
Die amerikanische Polizei setzte der Studie zufolge Taser auch gegen Kinder, Schwangere und Menschen mit Altersdemenz ein. In mindestens sechs Todesfällen wurde ein Taser gegen Menschen mit neurologischen Problemen eingesetzt: so beispielsweise gegen einen Arzt, der nach einem Autounfall einen epileptischen Anfall erlitt. Er starb nach mehreren Elektroschocks, nachdem er, verwirrt und benommen, den Befehlen der Polizisten nicht nachkam.
Teilweise direkt zum Tod geführt
In den meisten der untersuchten 334 Todesfällen spielten weitere Faktoren wie Drogen eine Rolle. Nichtsdestotrotz kamen Gerichtsmediziner und Justizbehörden zu dem Schluss, dass die Elektroschocks von Tasern in mindestens 50 Fällen direkt oder indirekt zum Tode führten.
50.000 Volt gegen Menschen
Die Waffen setzen eine Ladung von 50.000 Volt frei. Dadurch wird das Nervensystem beeinträchtigt und der Gegner für mehrere Sekunden bewegungsunfähig gemacht.
Quelle: AFP