09.06.2011, 19:48 Uhr
Monika Lüke hat gerade ein Kind bekommen und ist im Mutterschutz (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Bisher war Monika Lüke dafür zuständig, dass rund um den Globus die Menschenrechte besser beachtet werden. Dass es keine Todesurteile mehr gibt, keine willkürlichen Verhaftungen, keine illegalen Abschiebungen von Flüchtlingen. Jetzt jedoch muss sich die Deutschland-Chefin von Amnesty International um ihre eigenen Rechte kümmern. Amnesty will Lüke loswerden - obwohl sie gerade erst ein Kind bekommen hat und im Mutterschutz ist.
Der Beschluss zur Trennung von der hauptamtlichen Generalsekretärin ist für die 114.000 Mitglieder und Unterstützer, die Amnesty in Deutschland hat, eine ziemliche Überraschung. Eben noch, Ende Mai, hatte man mit viel Prominenz das 50-jährige Bestehen gefeiert. Auch Bundespräsident Christian Wulff fand für die zumeist ehrenamtlich tätigen Menschenrechtler viele lobende Worte.
Wenige Tage später informierte der Vorstand die deutsche Amnesty-Gemeinde darüber, dass Lüke nach nicht einmal zwei Jahren "mit sofortiger Wirkung" freigestellt worden sei. "Grund hierfür ist das über die vergangenen Monate zunehmend gestörte Vertrauensverhältnis", hieß es in einer Rund-Mail. "Eine weitere Zusammenarbeit mit ihr erscheint uns nicht mehr möglich." Über die näheren Gründe schwieg man sich aus.
Vorstandschef Stefan Keßler erklärte nur so viel: "Monika Lüke hat sich strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen. Sie hat keine goldenen Löffel geklaut oder Ähnliches." Nach und nach kam dann heraus, dass es unter anderem um die Einstellung einer Mitarbeiterin ging und den Auftrag für eine Beratungsfirma, den die promovierte Völkerrechtlerin angeblich nicht schnell genug beenden wollte. Auch an ihrer Öffentlichkeitsarbeit gab es Kritik.
Lüke selbst vermutet jedoch, dass der Grund in Wahrheit ein anderer ist: ihre Schwangerschaft und die Geburt von Tochter Mathilda Anfang Mai. "Hierbei ging es im Endeffekt einzig um den Umstand, dass ich Generalsekretärin bin, dies ernst nehme und trotzdem Mutter werde", rechtfertigt sich die 42-Jährige. Ihre Arbeit für Amnesty werde "durch meine Mutterschaft weder beendet noch beeinträchtigt. Für mich ist eine Geburt keine Krankheit."
Im Namen des siebenköpfigen Vorstands wies Keßler die Vorwürfe umgehend zurück. "Das ist albern. Ein Kind würde die Rolle einer Generalsekretärin nicht beeinträchtigen. Wir sind mit ihrer Arbeit nicht zufrieden." Außerdem gebe es bislang überhaupt keine Kündigung, sondern nur eine Freistellung. Man versuche jetzt, den bestehenden Fünf-Jahres-Vertrag einvernehmlich zu lösen.
Trotzdem befindet sich der Vorstand in einer unangenehmen Lage. Auch für normale Arbeitgeber ist es extrem schwierig, sich von einer Mitarbeiterin zu trennen, die gerade ein Kind bekommen hat. Für eine Organisation, die sich dafür zuständig fühlt, dass die Welt eine bessere wird und dafür auch den Friedensnobelpreis bekommen hat, gilt dies umso mehr. Zudem dürfte eine Abfindung, die aus Spendengeldern bezahlt werden muss, extra teuer werden.
In der deutschen Amnesty-Gemeinde geht es nun hoch her. Die Themengruppe "Menschenrechtsverletzungen an Frauen" bezichtigte Keßler per Mail, zynisch zu sein. Amnesty sei beim Mutterschutz besonders in der Pflicht. Amnesty-Gründungsmitglied Wolfgang Piepenstock warf dem Vorstand "miserables Timing" vor. "Die von ihm verbreiteten - teils nichtssagenden, teils saloppen - Anmerkungen sind des Ganzen unwürdig."
Heftige Debatten über den Umgang mit der Generalsekretärin werden auch bei der Jahresversammlung erwartet, die am Samstag in Köln beginnt. Dabei muss sich auch der Vorstand neu zur Wahl stellen. Lüke wollte dazu eigentlich als einfaches Mitglied anreisen, mit ihrem Mann und der einmonatigen Tochter. Jetzt hat sie sich entschieden, nach Brandenburg aufs Land zu fahren. Das Wort haben die Anwälte.
Quelle: dpa
Kopfschüttler schrieb:
am 9. Juni 2011 um 21:36:50
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Amnesty
Und wieder eine Horde Gutmenschen und Weltverbesserer gescheitert und auf den Boden der Realität zurückgeholt....
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Schahin schrieb:
am 9. Juni 2011 um 20:50:54
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Spenden
Tja somit spare ich mir in Zukunft meine 50 Euro, welche ich zu Silvester sonst gespendet habe anstatt zu knallen.
Für mich ist so
ein Verhalten nicht tragbar und Amnesty hat sich damit in eine lange Liste von Gemeinnützigen Vereinen eingegliedert, denen man diesen Status schnell entziehen sollte. Sowas gehört durch den Steuerzahler in Deutschland nicht unterstützt
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Hal schrieb:
am 9. Juni 2011 um 20:34:49
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Amnesty
Auch Amnesty ist leider nur ein Geschäft. Es wäre Aufgabe der Medien herauszufinden wer sich dort "angeblich humanitär"
die Taschen vollmacht. Es gibt noch mehr Pharisäer, die Anderen Vorschriften machen wollen, ihre eigenen Mitarbeiter aber finanziell kurz halten.
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