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Amerikas Rolle in der Welt: Das verlorene Jahrzehnt

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Das verlorene Jahrzehnt

14.09.2011, 14:17 Uhr | Ein Kommentar von Dirk Emmerich

 (Foto: Ludovic Bertrand)

(Foto: Ludovic Bertrand)

9/11 war eine Zeitenwende. Für Amerika und für die Welt. Die USA wurden bis ins Mark getroffen, so hart und so unvorstellbar wie nur möglich. Die Folgen sind bis heute spürbar, vielleicht sogar heute erst richtig. Die Dekade nach 9/11 war für Amerika ein verlorenes Jahrzehnt.

Die Reaktion auf den Angriff strotzte vor Selbstbewusstsein, sie war hart und unmissverständlich. Präsident Bush rief zur Vergeltung auf. Nicht nur die Terroristen, sondern auch die Staaten, die hinter ihnen vermutet wurden, sollten bestraft werden. Bush tat das mit dem Selbstverständnis der einzig verbliebenen Supermacht nach dem Ende des Kalten Krieges. Nicht mehr der Kommunismus, sondern der islamistische Extremismus werde fortan der Hauptgegner sein.

Amerika hebt sich einen Bruch

Diese Vorstellung erwies sich als Missverständnis. Der kurze Moment einer Welt mit Amerika als einzigem Machtzentrum hat sich schnell wieder verflüchtigt. Amerika hat das zunächst nicht wahrgenommen, tut sich noch immer schwer damit und hat sich letztlich verhoben – militärisch, politisch und wirtschaftlich.

Die beiden Kriege in Afghanistan und im Irak forderten bislang über 250.000 Todesopfer und sind noch immer nicht gewonnen. Die Region ist so instabil wie damals vor zehn Jahren. Und schlimmer noch: In Afghanistan stehen die Taliban vor der Rückkehr an die Macht. Die Spur von Osama bin Laden verlor sich ohnehin noch 2001 in den Bergen von Tora Bora und konnte erst knapp zehn Jahre nach den Anschlägen wiederaufgenommen werden – in Pakistan, einem vermeintlichen Verbündeten im Kampf gegen den Terror.

Und al-Qaida? Die Terrororganisation ist zwar geschwächt, hat ihre Strategie aber längst angepasst. Die Angst vor neuen Terroranschlägen bleibt allgegenwärtig. Die US-Sicherheitsbehörden haben in dieser Woche alle Amerikaner aufgefordert, Flugreisen rund um den zehnten Jahrestag zu vermeiden.

Das Ansehen Amerikas in der Welt hat durch die Kriege und den Antiterror-Kampf gelitten, auch weil das Land dabei ist, seine eigenen Werte zu verraten. Homeland Security, immer neue Sicherheitsvorschriften und Einschränkung persönlicher Grundrechte als Maßnahmen im Inland … Guantanamo, geheime Gefängnisse, gezielte Tötungen im Ausland … Das alles passt nicht zu den das amerikanische Image lange prägenden Grundsätzen wie Freiheit, Gleichheit und Aufstiegschancen für jedermann.

Barack Obama hat zu Recht den Weg seines Vorgängers als Irrtum gebrandmarkt: „Die Reaktion von Präsident Bush auf die Anschläge hat Amerika kompromittiert, die Wirtschaft untergraben und seine Sicherheit geschwächt.“

Doch längst weiß er, wie schwer es ist, die einmal in Gang gesetzte Maschinerie zu stoppen und umzukehren. Guantanamo und gezielte Tötungen gibt es immer noch. Die geheime Kommandoaktion gegen Osama bin Laden in Abbottabad genehmigte und beaufsichtigte er aus dem Weißen Haus.

Erschöpft und müde

Amerika wirkt zum Jahrestag von 9/11 erschöpft und müde. Die finanziellen Ausgaben haben zu einer Verschuldung geführt, die alle Maßstäbe sprengt. China, die aufstrebende Macht und zugleich größter Konkurrent um die wirtschaftliche Vorherrschaft, ist inzwischen größter Gläubiger der USA. Ohne Peking hätte Amerika schon 2008 während der Lehman-Krise einen Kollaps erlitten.

Amerika hat an Macht und Einfluss verloren in den zehn Jahren danach. Die Zeit, in der Washington fast alleine bestimmen konnte, ist vorbei. Das ist vielleicht die entscheidende Veränderung seit 9/11. Das wird so bleiben.

Dirk Emmerich ist seit 1992 beim Fernsehen. Dabei war er lange Jahre für n-tv in Russland. 2000 wurde er Chef vom Dienst in Berlin, 2003 und 2004 war er Sonderkorrespondent während der Umbrüche in Georgien und der Ukraine. 2007 bis 2011 war Emmerich Leiter der Politikredaktion im RTL-Hauptstadtstudio, seit April 2011 ist er Internationaler Korrespondent. Emmerich lebt in Washington, DC.


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Kommentare (12)

zum Forum

Thema: "Amerikas Rolle in der Welt: Das verlorene Jahrzehnt"

Rumpumpel schrieb: am 14. September 2011 um 21:33:52
(13) (2) Columbus hat was falsch gemacht
Es könnte für diese Welt nur gut sein, wenn die USA sich selbst abschaffen würde! Columbus hätte lieber
den Südpol entdecken sollen, dann wäre der Menschheit viel erspart geblieben!
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Weltbürger schrieb: am 14. September 2011 um 21:04:06
(16) (4) Die größte Bedrohung für die Welt geht von den USA aus.
Die USA haben seit Hiroshima in Korea, in Vietnam Millionen Menschen gekillt -
ohne das etwas Gutes dabei herausgekommen wäre. In Afghanistan u.im Irak wurden Hunderttausende Zivilisten durch US-Bomben gekillt. In US- Foltergefängnissen sitzen bis heute unschuldig Menschen ohne Gerichtsverfahren. 6.200 US-Soldaten für 2.900 Tote bei 9/11. Bush gehört in Den Haag lebenslänglich weggesperrt u.sein Nachfolger dazu. Dann geht es der Welt wieder besser. Die NATO muss sofort aufgelöst werden.
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B.L. schrieb: am 14. September 2011 um 19:37:52
(17) (0) USA
Das allergrößte Problem für uns hier ist, viele Leute vergöttern die USA. Es kann nicht mehr der Siegerdefekt bzw Verliererdefekt
sein. Es gibt viele, wie die, die da sagen, die sind doch auch verschuldet, deren Bankenwesen, deren Turbokapitalismus als solches, das muß doch richtig sein u Joschka Fischer ist ja auch da. Aber ist das richtig ? Wir sollten unsere eigene Identität (wieder)finden, noch haben wir Reste davon, dominierend die anderen Europäer mit in das EU-Boot ziehen !
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