Dieter Althaus hat noch Erinnerungslücken und ist noch nicht vernehmungsfähig. (Archivfoto: imago)
Auch knapp zwei Wochen nach seinem folgenschweren Skiunfall hat der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus Erinnerungslücken und Beeinträchtigungen seines Bewusstseins. Das teilte der Direktor der Neurochirurgie am Uniklinikum Jena, Rolf Kalff, am Montag auf einer Pressekonferenz mit. Althaus sei "bis auf weiteres" noch nicht vernehmungsfähig.
Die österreichische Staatsanwaltschaft erklärte, sie werde zunächst auch nicht die deutsche Polizei um eine Vernehmung von Althaus ersuchen. Professor Kalff sagte, der Ministerpräsident könne nächste Woche in eine Spezialrehabilitationsklinik verlegt werden. Dort werde er "weitere Wochen verbringen". Wohin soll die Familie entscheiden.
Nur in guten Phasen über seine Verletzungen im Klaren
Althaus habe immer wieder Phasen, in denen er zeitlich und örtlich nicht vollständig orientiert sei. Das sei bedingt durch das Durchgangssyndrom, das nach seinem schweren Schädel-Hirn-Trauma eingetreten sei. Der medizinische Vorstand des Uniklinikums, Klaus Höffken, betonte, dass es sich um einen "normalen Krankheitsverlauf" handele. Es gehe mit dem prominenten Patienten "stabil aufwärts". An den Unfall könne sich Althaus nicht erinnern, berichtete Kalff. Die Nachricht vom Tod der Skifahrerin, mit der er am 1. Januar in Österreich zusammengestoßen war, habe er mehrere Male wieder vergessen. "Die volle Tragweite des Unfalls wird er erst mit Verlauf der Behandlung vollständig wahrnehmen." Der Ministerpräsident sei sich auch nur in guten Phasen über seine eigenen Verletzungen im klaren.
Die Ärzte haben dem 50-jährigen CDU-Politiker strengste Ruhe verordnet. Fernseher und Radio seien vorübergehend aus dem Krankenzimmer entfernt worden, Althaus erhalte auch keinen Zugang zu anderen Medien und habe weder Laptop noch Handy. Er darf bis auf enge Familienangehörige nach wie vor keine Besuche empfangen. In kleinen Portionen bekomme Althaus aber Genesungswünsche zugestellt. Am Wochenende habe er aber schon ohne Unterstützung das Bett verlassen und auf dem Heimtrainer Sport gemacht. "Wir mussten aufpassen, dass er nicht auf Leistung trainiert", sagte Kalff. Althaus habe ihn auch als Fußballkollegen erkannt, so der Arzt.
Psychologische Betreuung
Althaus war am Neujahrstag auf einer Piste in der Steiermark mit einer Skifahrerin zusammengeprallt. Die 41-jährige Frau erlitt dabei tödliche Verletzungen. Althaus weiß den Ärzten zufolge vom Tod der Frau, kann sich aber an den Unfall nicht erinnern. Den Angaben zufolge erhält Althaus eine intensive psychologische Betreuung mit Gesprächen. Wann er wieder völlig genesen sein wird, können die Ärzte derzeit nicht sagen.
Die Unglücksstelle im Skigebiet Riesneralm (Quelle: dpa)
Bei Teilschuld folgt Verfahren
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, Walter Plöbst, sagte, grundsätzlich müsse in Österreich ein gerichtliches Hauptverfahren eingeleitet werden, wenn dem Betreffenden ein Verschulden an dem Tod eines Unfallbeteiligten anzulasten wäre. Dies könne auch bei Fahrlässigkeit vorliegen. Nach dem österreichischen Strafrecht wäre es nicht möglich, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen oder mit einem Strafbefehl zu erledigen. Eine Vernehmung von Althaus könne durch direkten Kontakt der Polizei in Österreich und Deutschland vereinbart werden.
"Kein Plan B"
Althaus' Vorgänger Bernhard Vogel sagte der "Bild"-Zeitung: "Die derzeit laufenden Ermittlungen sind in einem Rechtsstaat wie Österreich das Normalste von der Welt. Und mit der Eröffnung eines gerichtlichen Verfahrens rechne ich nicht." Er geht davon aus, dass Althaus voll in die Landespolitik und den Landtagswahlkampf zurückkehren werde. "Je eher, je besser, aber rechtzeitig wäre noch einige Monate vor der Landtagswahl, die am 30. August stattfindet." Einen "Plan B" gebe es nicht, so Vogel. "Der Plan heißt Althaus. Es gibt keine Alternativpläne."
Vogel soll Althaus angeblich bei Wahlkampf vertreten
Gedankenspiele, er selbst stehe notfalls als Nachfolger zur Verfügung, nannte Vogel "absoluten Unsinn". Der 76-Jährige sagte: "Ich stehe wie im Dezember schon angeboten als Ehrenvorsitzender der CDU Thüringens für Wahlkampfauftritte zur Verfügung. Und wenn es nötig wird, gilt das auch über das bislang geplante Maß hinaus, jetzt erst recht." Nach CDU-Angaben soll Vogel den Ministerpräsidenten im Wahlkampf vor der Landtagswahl am 30. August vertreten.