27.11.2007, 10:27 Uhr
An Hasenpest erkrankte Schafe setzten die alten Hethiter als Biowaffe ein (Quelle: dpa)Vor 3300 Jahren wurden im Mittleren Osten bereits Bakterien als biologische Kampfstoffe eingesetzt. Das schließt der kanadische Mikrobiologe Siro Trevisanato aus Schriften der Hethiter, deren Reich damals von der heutigen Türkei bis in den Norden Syriens reichte. Demnach trieben die Hethiter Schafböcke zu ihren Feinden, um diese mit Tularämie zu schwächen. Diese Krankheit, auch Hasenpest genannt, wird durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst und kann von Tieren auch auf Menschen übertragen werden.
Invalidität und Tod
Briefe an den ägyptischen König Echnaton um 1335 vor Christus berichten von einer Seuche in Simyra, eine Stadt der Phönizier in der Nähe der heutigen Grenze zwischen dem Libanon und Syrien. Die Texte beschreiben eine furchtbare Krankheit, die Invalidität und Tod brachte. Es wird auch geschildert, dass Esel aufgrund der Seuche nicht mehr in Karawanen genutzt wurden. Die Hasenpest sei für diese todbringende Epidemie im Mittleren Osten verantwortlich gewesen, vermutet Trevisanato.
Aus Leid gelernt
Auf die Idee, sich die Hasenpest zunutze zu machen, kamen die Hethiter durch eigene leidvolle Erfahrungen: Ein Jahrzehnt nach der Seuche in Simyra fielen sie nämlich in die geschwächte Region ein und erbeuteten dabei auch Vieh - und damit die Tularämie. Kurze Zeit darauf erkrankten Hethiter an der Seuche. Die Geschichte schien sich ein paar Jahre später zu wiederholen, als die Arzawans aus dem Westen Anatoliens entschieden, die angeschlagenen Hethiter anzugreifen.
Plan ging auf
Aus dieser Zeit zwischen 1320 und 1318 vor Christus gibt es Überlieferungen von Schafböcken unbekannter Herkunft, die auf den Straßen der Arzawans gesehen wurden. Die Arzawans nahmen die Schafe mit in ihre Dörfer und nutzen sie zur Zucht. Trevisanato glaubt nun, dass einer der Hethiter die Idee hatte, verseuchte Tiere zu den Feinden zu schicken. Letzten Endes könnte der Plan aufgegangen sein, denn die Arzawans waren so geschwächt, dass ihr Angriffsversuch auf die Hethiter fehlschlug.
Übertragung durch Zecken
Die Hasenpest kann von Tieren wie Hasen und Schafen durch zum Beispiel Zecken auf den Menschen übertragen werden. Die Symptome der Erkrankung reichen von Geschwüren der Haut bis zur Ateminsuffizienz. Heutige Medikamente können den Verlauf der Erkrankung stoppen. Ohne Behandlung sterben aber etwa 15 Prozent der Infizierten.
Quelle: t-online.de
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