Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Wissen >

Altern macht die Menschheit stärker

...

Altern macht die Menschheit stärker

07.11.2011, 10:23 Uhr | Von Boris Hänßler

Alte Zwillinge: Cao Xiaoqiao und Cao Daqiao, 104-jährige Schwestern aus China  (Quelle: Reuters)

Alte Zwillinge: Cao Xiaoqiao und Cao Daqiao, 104-jährige Schwestern aus China (Quelle: Reuters)

Warum sterben wir Menschen eigentlich? Und warum altern Tiere und Menschen? Eine neue Studie könnte zur Lösung dieses Rätsels beitragen. Demnach erweist sich der Tod als Evolutionsvorteil für die gesamte Spezies: Sie wird fitter für die Zukunft.

Im Kino ist der Menschheitstraum von ewiger Jugend allgegenwärtig. Doch sollten wir uns wirklich danach sehnen, nicht zu altern? Für die Menschheit als Ganzes wohl nicht, behauptet jetzt ein Bioinformatiker.

Eine Spezies, die altert, habe bessere Überlebenschancen, berichtet André Martins von der Universität São Paulo. Seine Computermodelle zeigen: Altern ist ein evolutionärer Vorteil.

Martins hat für seine Simulationen eine Art virtuelles Schachbrett entwickelt. Zwei Spezies kämpfen um die Vorherrschaft, sie unterscheiden sich nur in einer Eigenschaft: Eine Spezies altert nicht - sie stirbt nur zufällig, etwa bei Unfällen oder im Kampf um Ressourcen. Jedes Feld steht für Ressourcen, die nur ein einzelnes Wesen am Leben halten kann. Jeweils zwei Wesen, eines von jeder Spezies, kämpfen um ein Feld.

Zunächst verlief der Kampf wenig überraschend: Unter stabilen Bedingungen setzt sich die nicht alternde Spezies durch - die andere stirbt jeweils nach rund 200 bis 230 Generationen aus.

Nun jedoch führte der Forscher weitere Variablen ein: Der Zufall entscheidet, ob ein Kind einen höheren Fitnessgrad erreicht als seine Eltern. Mit dem Fitness-Wert beschreiben Evolutionsforscher, wie gut ein Lebewesen an seine Umwelt angepasst ist. Eine Veränderung des Fitness-Grades soll in der Realität einer Mutation entsprechen. Mit dieser Regeländerung steigen die Siegeschancen der alternden Spezies: Sie hält jetzt fast tausend Generationen durch - in einigen Durchgängen gewinnt sie sogar.

Schließlich ergänzte Martins einen weiteren Aspekt: Die Fitness beider Spezies nimmt nun konstant ab - in der realen Welt könnten dies veränderte Umweltbedingungen sein, an die sich die Spezies noch nicht angepasst hat. Das überraschende Ergebnis: Die alternde Spezies setzte sich jetzt in 39 von 50 Fällen durch, weil Mutationen von Generation zu Generation den Fitness-Verlust ausgleichen. "Das Altern kann also einen positiven Effekt haben, weil es die weniger angepassten Individuen auslöscht", schreibt André Martins im Wissenschaftsmagazin "Plos One".

Fitterer Nachwuchs

In der freien Wildbahn wirkt sich das Altern eher selten auf die Evolution aus: Der sogenannte Katastrophentod - gefressen werden, erkranken oder verunglücken - ist der Normalfall. Der Mensch ist eine große Ausnahme: Bei ihm ist das Altern mit seinen Folgen die häufigste Todesursache. Evolutionsbiologen sehen das Altern aber nicht als Teil der Evolution, sondern als unerwünschtes Nebenprodukt.

Die sogenannte Disposable-soma-Theorie etwa sieht im älteren Menschen einen Wegwerfkörper (engl. "disposable soma"). Der britische Biologe Tom Kirkwood, Begründer dieser Theorie, glaubt, dass eine Spezies sich entscheiden muss, ob sie die vorhandenen Ressourcen in den Selbsterhalt - die ewige Jugend - investiert, oder in den Erhalt der Spezies - die Fortpflanzung.

Der Mensch entwickelte sich zu Letzterem: Er hält sich fit, bis er sich fortpflanzen kann, danach ist der Körper für die Evolution unwichtig. In André Martins Modell hingegen hat sich das Altern als evolutionärer Vorteil erwiesen: Es sorgt dafür, dass die schlechter angepassten Alten, die dem Katastrophentod entgehen, im Ressourcenkampf verlieren - und dadurch eine schnellere Anpassung der Spezies ermöglichen: Fittere Junge wachsen nach.

Martins gibt zu, dass sein Modell nur bedingt auf moderne Menschen übertragbar ist. "Wir gleichen biologische Nachteile durch Technik aus", sagt er. Die Simulation kann daher nicht unsere Zukunft voraussagen. Allerdings erkläre sie, warum sich bei Tieren und Menschen der Alterungsprozess überhaupt entwickelte. Für Martins eine wichtige Erkenntnis: "Wenn das Altern ein von der Fortpflanzung unabhängiger Prozess ist, können wir ihn stoppen, ohne unserer Art zu schaden".

Der britische Bioinformatiker Aubrey de Grey behauptet schon seit langem, dass sich Alterung beseitigen lasse - würde man ausreichend Geld in die Forschung stecken. De Grey hat "sieben Nebenwirkungen des Lebendigseins" ausgemacht, etwa unerwünschte Zellen, die sich mit dem Alter im Körper ansammeln und die typischen Altersleiden hervorrufen. Würde man Killerzellen so umprogrammieren, dass sie die Ablagerungen vernichten - man hätte eine Art körpereigenen Jungbrunnen.

Allerdings könnten André Martins Schlüsse auch voreilig sein. Annette Baudisch, Leiterin der Max-Planck-Forschungsgruppe Modellentwicklung zur Evolution des Alterns, bezweifelt, dass die Simulation des Brasilianers überhaupt etwas über das Altern aussagt. "Hätte man statt zwischen Altern und Nicht-Altern zwischen risikoreicher und risikoarmer Umwelt unterschieden, hätte man womöglich die gleichen Ergebnisse erhalten", sagt sie. Die Simulation erkläre eher ein höheres Todesrisiko als evolutionären Vorteil und nicht den Alterungsprozess.

Annette Baudisch ist davon überzeugt, dass sich in der Natur neben alternden Spezies durchaus auch alterslose Arten entwickelt haben können. Ewiges Leben ist das aber trotzdem nicht: Gegenseitig umbringen könnten sich die Artgenossen immer noch.


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Altern macht die Menschheit stärker" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Altern macht die Menschheit stärker" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (11)

zum Forum

Thema: "Altern macht die Menschheit stärker"

Alf schrieb: am 6. November 2011 um 19:09:56
(12) (6) Ist dieser Artikel Propaganda?
Man könnte fast glauben, dieses Machwerk von einem Artikel soll auf die fröhlichen Zeiten mit 100
vorbereiten... Man, haut diesen Müll in die Tonne!
mehr Kommentar melden

OPA3000 schrieb: am 6. November 2011 um 18:30:24
(24) (2) Thema: "Altern macht die Menschheit stärker"
Ich bin der Meinung,daß man ab einem gewissen Alter den Personalausweis wegwerfen
sollte und sich danach auf den eigentlichen Wert schätzen lassen sollte,d.h.so ne Art`Prüfstand für einen angehenden "Alternden". Danach wird durch "fachkundiges Personal"festgestellt,wie lange dieser "Alternde" noch arbeiten soll und kann,oder...???? Armes Deutschland,bald Europa!! Rentner3000!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
mehr Kommentar melden

Egomanin schrieb: am 6. November 2011 um 18:14:37
(12) (3) an next generation
Oh, ich hätte gerne Nachwuchs gehabt, wenn da nicht eine geldgeile Frauenärztin gewesen wäre, die mir mit Anfang 30
schon den Uterus rausnehmen wollte wegen eines winzigen Myoms. Dann hätte ich jetzt auch keine Depression. Herzlichen Dank für Ihren letzten Satz.
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Große Schuhvielfalt
Neue Frühlings-Trends von zalando.de

Die neue Frühlingskollektion von Topmarken: tolle Schuhe, Mode u.v.m. - Versand gratis. mehr

Einkaufswelt
Mode von Laura Kent
Neue Frühlings-Trends von Laura Kent - bei WENZ

Extravagante und schicke Damen-
mode für die neue Saison: jetzt online bestellen. von WENZ

Einkaufswelt
Grills und Gartenkamine
Grills & Gartenkamine von plus.de

Jetzt aus über 150 Marken-Grills den passenden auswählen!
bei plus.de

Einkaufswelt
Sexy Kleider & Röcke
Kleider und Röcke für sexy Kurven - von happysize.de

Tolle Kurven perfekt in Szene gesetzt: zauberhafte Damenmode bis Größe 60. zum XXL-Special


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

THW Simulator 2012
THW Simulator 2012 (Quelle: rondomedia)

Fahrzeuge bergen, Brücken bauen und mehr. Jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Eurozone steckt in "Hochrisiko-Situation"
Die Wirtschaft in der Eurozone droht weiter abzurutschen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eindringliche Warnung der OECD. mehr

Russische Omas singen beim Grand Prix
Die russischen Omas sind im Finale beim Eurovision Song Contest. (Quelle: dapd)

Ralph Siegel scheitert mit San Marino. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Unglaubliche Ersparnis
Tiefpreise: Patronen für Canon-Drucker bei druckerzubehoer.de

Bis zu 92% auf Patronen für Canon-Drucker. von druckerzubehoer.de

Regionale Nachrichten
News aus Ihrer Region
Nachrichten aus Ihrer Region (Foto: imago)

Aktuelle Meldungen aus den Bundesländern. mehr

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein mit Rollrasen beladener Anhänger parkt im Frachtbereich des Fährhafens. (Quelle: dpa\Ingo Wagner)

Was haben die Ostfriesen denn da bestellt? mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche
Das Satellitenbild der Woche zeigt die Frühlingsblüte des Phytoplankton an Irlands Nordwestküste im Nordatlantik. Die Mikroorganismen sind die Basis der Nahrungskette der Meere und spielen eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Kohlenstoffdioxid. (Quelle: ESA)

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige