Die Ursache des gewaltigen Erdrutsches von Nachterstedt gibt weiter Rätsel auf (Foto: Reuters)
Auslöser des gewaltigen Erdrutsches in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt könnten alte Bergbaustollen gewesen sein. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft schließt dies nicht aus.
Unternehmenssprecher Uwe Steinhuber sagte: "Unsere Altvorderen haben vor 150, 120 Jahren hier Tiefbergbau betrieben. Möglicherweise gibt es alte Schächte, die nicht entdeckt oder kartiert sind." Es dürfe im Moment keine Ursache ausgeschlossen werden.
Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung
Die Staatsanwaltschaft Magdeburg leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung ein. Wer für den Erdrutsch zur Verantwortung gezogen werden kann, steht noch nicht fest. Ein Gutachten soll klären, warum es zu dem Erdrutsch kam.
Suche zu gefährlich
Derweil kann die Suche nach den drei Vermissten nicht fortgesetzt werden. Die Lage im früheren Braunkohleabbau-Gebiet ist für die Rettungskräfte zu gefährlich. Zwar kam es nicht zu weiteren Erdbewegungen, aber Experten warnen, dass es jederzeit zu weiteren Erdrutschen kommen könne.
Keine Hoffnung auf Überlebende
Bei dem Höhenunterschied von 140 Metern zwischen dem ehemaligen Standort der Häuser und dem See gilt es als unwahrscheinlich, dass das Ehepaar und ein weiterer Mann das Unglück überlebt haben könnten. Nicht einmal die Stelle, wo sich die abgerutschten Häuser befinden, ist derzeit lokalisierbar.
Söhne sind wohlauf
Der taubstumme Sohn des vermissten Ehepaars, dessen Schicksal unklar war, ist wohlauf. Der 22-Jährige meldete sich am Vormittag bei den Einsatzkräften. Mit Hilfe eines Gebärdendolmetschers wurde er über die schrecklichen Ereignisse informiert. Wo er sich am Samstag befand, ist noch nicht bekannt. Nach Polizeiangaben meldete sich inzwischen auch der Bruder. Auch über seinen Aufenthaltsort war zunächst gerätselt worden. Die 48-jährige Mutter und der etwa 50 Jahre alte Vater der jungen Männer schliefen zurzeit des Erdrutsches in dem Doppelhaus, das bei dem Unglück völlig im Boden verschwand.
Straße im See versunken
Bei dem Unglück, das sich gegen 5.30 Uhr am Samstagmorgen ereignete, rutschten Erdmassen auf einer Fläche von rund 350 mal 120 Metern ab, auch eine Straße und eine Aussichtsplattform versanken in dem See. 41 Bewohner aus umliegenden Häusern wurden bis auf Weiteres in Notunterkünfte gebracht. Das Gebiet in der Nähe der Abbruchkante wurde gesperrt, ebenso der rund 350 Hektar große Freizeitsee.
Beliebtes Ziel von Wassersportlern
Bei dem Gewässer - dem Concordia-See - handelt es sich um ein Tagebau-Restloch, das bis zum Jahr 2027 weiter geflutet werden soll. Der Braunkohle-Abbau in der rund 2000 Einwohner zählenden Gemeinde, die südwestlich von Magdeburg liegt, war nach mehr als 120 Jahren 1991 eingestellt worden. Der See ist heute ein beliebtes Ziel von Wassersportlern.