Seilbahn-Drama in Oberbayern: Einige Skifahrer mussten mit Rettungshubschraubern aus den Gondeln gerettet werden (Foto: dpa)Zweieinhalb Stunden nach dem Totalausfall der Seilbahn am Brauneck im oberbayerischen Lenggries sind alle Fahrgäste aus den Gondeln gerettet worden. Am Mittag waren die 43 Passagiere wieder auf festem Boden, befreit aus ihrem Gefängnis bis zu 70 Meter über dem Erdboden.
Die Seilbahn im oberbayerischen Skigebiet war gegen 10 Uhr stehengeblieben. In 25 Vierer-Kabinen saßen insgesamt 43 Fahrgäste bei Eiseskälte in bis zu 70 Metern Höhe fest. Verletzt wurde niemand.
Die meisten Skifahrer seien mit Seilen aus den Gondeln befreit worden, sagte ein Sprecher. Dabei seilten sich Bergwacht-Retter zu den Kabinen ab, gurteten die Insassen an und ließen sie mit Seilwinden zur Erde. In der Nähe der Talstation seien aber auch Drehleitern der Feuerwehr zum Einsatz gekommen. Einige Passagiere in der Mitte zwischen Berg- und Talstation mussten per Hubschrauber gerettet werden. Der jüngste Gerettete sei zehn Jahre, der älteste 66 Jahre alt gewesen. Die meisten seien Einheimische, sagte Polizeisprecher Franz Sommerauer.
Fahrgäste ins Tal gebracht
Nach der Befreiung aus den Gondeln wurden die Fahrgäste ins Tal gebracht. Dort kümmerten sich unter anderem Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) um die Geretteten. Wer mit Skiern in der Bahn unterwegs war, konnte die Tal-Fahrt sogar selbst auf Brettern antreten.
Mechanischer Schaden offenbar Ursache
Die Ursache für den Stillstand der Seilbahn ist aller Wahrscheinlichkeit ein mechanischer Schaden an einer Gondel. Der Fehler habe einen Nothalt ausgelöst, sagte der Geschäftsführer der Bahn, Peter Lorenz. "Alle Bremsen haben geschlossen", erläuterte Lorenz. Die Seilbahnaufsicht bei der Regierung von Oberbayern soll zusammen mit dem TÜV Süd die Ursache für den Nothalt ermitteln.
Die Brauneck-Bergbahn zwischen dem Brauneck und Lenggries, wie sie auf dem Webcam-Bild von Dienstag vor dem Zwischenfall zu sehen ist (Foto: dpa)
Große Rettungsaktion
Für die Rettungsaktion waren mehrere Hubschrauber angefordert worden. Außerdem waren die Bergwacht mit rund 30 Helfern, das BRK samt Notarzt, die Feuerwehr und etwa 60 Polizeibeamte im Einsatz.
"Es war nicht allzu kalt"
Die 48-jährige Brigitte Meßner sagte: "Wir haben Glück gehabt, es war nicht allzu kalt." Sie habe fast drei Stunden lang in 25 Meter Höhe festgesessen, bis sich ein Bergretter aus dem Hubschrauber zur Gondel abgeseilt habe. Der Mann habe ihr dann geholfen, den sicheren Erdboden zu erreichen. Von da aus sei sie zu Fuß hinunter zur Seilbahnstation gegangen. Sie habe sich keine allzu große Sorgen gemacht, weil ihr Mann Mann lange Bergwachtler gewesen sei und sie den Ablauf solcher Rettungsaktionen in etwa kenne. "Das war jetzt nicht so spektakulär", sagte sie.
Keine Panik unter den Passagieren
Polizeisprecher Sommerauer sagte, Panik sei nicht ausgebrochen, alle betroffenen Fahrgäste hätten sehr diszipliniert reagiert. Die Bergung per Hubschrauber aus einer Seilbahn sei dank regelmäßigem Training unproblematisch, sagte ein Bergwachtsprecher. Auch das Wetter habe keine keine Probleme gemacht.
Gondeln bis zu 70 Meter über dem Boden
Die Brauneck-Bergbahn überwindet auf einer Fahrstrecke von 2500 Metern einen Höhenunterschied von 800 Metern. Dabei schweben die Gondeln bis zu 70 Meter hoch über dem Boden. Das Brauneck, nicht weit von München entfernt, ist ein beliebtes Ski-Gebiet im Voralpenland.