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Streit um Alkoholverbot in Zügen
05.11.2009, 14:11 Uhr
Viele Jugendliche nutzen die Bahn zum "massiven Vorglühen" (Foto: AP)
Im Kampf gegen Alkoholexzesse und Gewalttaten prüft die Deutsche Bahn ein Trinkverbot für alkoholische Getränke in Nahverkehrszügen. "Wir stehen der öffentlichen Diskussion um ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr offen gegenüber", sagte eine Bahnsprecherin. Das Thema sei aber komplex, neue Regeln müssten mit den Verkehrsverbünden abgestimmt werden. Mit ihnen sei man im Gespräch.
Auslöser der Diskussion war die private Metronom Eisenbahngesellschaft in Niedersachsen, in deren Zügen vom 15. November an ein Verbot für Alkohol gilt. In Fernzügen wird Alkoholmissbrauch von der Bahn nicht als Problem gesehen.
Gezielt gegen betrunkene Fahrgäste vorgehen
Der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, sprach sich gegen ein generelles Alkoholverbot in Bahnhöfen und Zügen aus. Sinnvoller sei es, bei Volksfesten und Fußballspielen gezielt gegen volltrunkene Fahrgäste vorzugehen. Dafür sei aber mehr Personal nötig, stellte Hommel in Frankfurt fest.
Randale im Zug
Der Alkohol sei nicht das einzige Problem. Die Bahnmitarbeiter klagten immer mehr über gewalttätige Ausschreitungen. So terrorisierten randalierende Schüler in Regionalzügen Personal und Fahrgäste. Mitarbeiter würden von Passagieren angerempelt, bedroht, angebrüllt und mitunter auch verprügelt, berichtete Hommel.
Verkaufsverbot an Bahnhöfen
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich besorgt. "Wo Alkohol im Spiel ist, kommt es vor allem bei Jugendlichen immer häufiger zu Sachbeschädigungen und Körperverletzung. Teilweise sind die Belastungen kaum noch zu ertragen", sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg der "Bild"-Zeitung. Es müsse deshalb über ein Teilweise-Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen nachgedacht werden - "wenn zum Beispiel Fußballchaoten zu den Spielen unterwegs sind". Über solche Maßnahmen werde bereits mit der Bahn und dem Deutschen Fußball-Bund gesprochen.
"Verbot schwer durchsetzbar"
Auch der Fahrgastverband "Pro Bahn" hält ein mögliches Alkoholverbot in Nahverkehrszügen für schwer durchsetzbar. Im Bahnverbund Berlin-Brandenburg sei Alkohol bereits nicht mehr erlaubt, doch das Verbot bleibe wirkungslos, weil es ungenügend kontrolliert werde, sagte ein Sprecher von "Pro Bahn". Andererseits fügte er hinzu: "Vom Bauch her sind wir für ein Alkoholverbot". Allerdings vergraule man damit auch viele erwünschte Fahrgäste.
"Massives Vorglühen" an Wochenden
Metronom verspricht sich den größten Effekt von einem Trinkverbot in den Zügen. Die Gesellschaft hatte dies bereits am 8. Oktober angekündigt, was aber zunächst weitgehend unbeachtet blieb. Es sei gut, dass die Diskussion darüber jetzt auch bei der Deutschen Bahn in Gang komme, sagte Unternehmenssprecherin Tatjana Festerling in Uelzen. Vandalismus gebe es nicht nur bei Fußballfans, sondern jedes Wochenende in Zügen aus den Vororten, wenn Jugendliche auf dem Weg in die Städte "massiv vorglühen". Viele Pendler, die sonst Stammkunden seien, mieden deshalb an den Wochenenden mit ihren Familien die Regionalzüge.
Private Sicherheitsleute unterstützen
Mehr als 80 Prozent der Fahrgäste hätten sich in einer Umfrage für ein Verbot des Alkoholkonsums in den Bahnen ausgesprochen, berichtete Festerling. Dem komme man jetzt nach. Zur Kontrolle würden die Fahrgastbetreuer durch private Sicherheitsleute unterstützt. Die Metronom Eisenbahngesellschaft befördert täglich rund 80.000 Reisende zwischen Bremen, Cuxhaven, Hamburg, Hannover und Göttingen.
Quelle: AFP
, dpa