17.02.2011, 11:26 Uhr
Auf dem "Rummelplatz": Alice Schwarzer gibt vor dem Gerichtssaal Interviews (Foto: dpa)
Im Prozess gegen Fernsehmoderator Jörg Kachelmann soll heute die bekannte Feministin und Journalistin Alice Schwarzer in den Zeugenstand treten. Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn möchte Schwarzer zu ihren Kontakten mit dem Therapeuten von Kachelmanns Ex-Freundin, Günter Seidler, befragen.
Schwarzer berichtet für die "Bild"-Zeitung über das Verfahren gegen den Wettermoderator. Dort hatte sie zuletzt schwere Vorwürfe gegen Schwenn erhoben: Er investiere "sehr viel Arbeit, um alle in diesem Gerichtssaal, die nicht plakativ die Unschuld des der Vergewaltigung Angeklagten propagieren, hemmungslos zu diffamieren", schrieb Schwarzer.
Am vergangenen Donnerstag hatte Schwenn überraschend beantragt, Schwarzer als Zeugin zu vernehmen. Sie musste daraufhin den Gerichtssaal verlassen.
Schwarzer hatte auch die Verhandlungsführung des Gerichts kritisiert: Kachelmanns Anwalt sei es gelungen, den Saal "innerhalb weniger Wochen in einen Rummelplatz zu verwandeln". In dieser Jahrmarkt-Stimmung sei es nur folgerichtig, "dass das Pro-Kachelmann-Stammpublikum die Richter ausbuht, wenn ihm etwas nicht passt", berichtete die Feministin. Inmitten des Rummels wirke das Gericht "fast hilflos".
Befragt werden soll zudem noch einmal der Rechtsmediziner Rainer Mattern. Der Heidelberger Professor hatte das mutmaßliche Opfer dreimal untersucht.
Die entscheidende Frage, ob sie sich ihre Verletzungen möglicherweise selbst zugefügt hat, konnte er bisher weder ausschließen noch bestätigen. Die 37 Jahre alte Radiomoderatorin beschuldigt Kachelmann, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Der 52-jährige Schweizer bestreitet dies.
Quelle: dpa
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