18.05.2011, 11:18 Uhr
Gut zwei Wochen nach dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat das Terrornetzwerk Medienberichten zufolge den Ägypter Saif al-Adel zu dessen Interimsnachfolger bestimmt. Der ehemals hochrangige ägyptische Armeeangehörige soll das Netzwerk übergangsweise führen. Das berichtet der US-Fernsehsender CNN und beruft sich dabei auf den früheren libyschen Al-Kaida-Kämpfer Noman Benotman. Anschließend solle die komplette Führungsebene des Terrornetzwerks an der Auswahl eines neuen Chefs beteiligt werden.
Die pakistanische Tageszeitung "The News" bestätigte die Information und berief sich dabei auf nicht genannte Informanten aus der Stadt Rawalpindi, wo das pakistanische Militär seinen Hauptsitz hat.
Al-Kaida wolle mit der Ernennung Al-Adels wahrscheinlich testen, wie der Westen auf einen Terrorchef reagiere, der nicht von der arabischen Halbinsel stamme, sagte Benotman nach Angaben des Senders.
In Islamistenkreisen wird die Nachricht von Al-Adels Ernennung noch angezweifelt. Die arabische Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat" berichtete, mehrere arabische Islamisten warteten noch auf eine Art "offizielle Erklärung" des Terrornetzwerkes Al-Kaida zur Frage der Nachfolge.
Mohammed Ibrahim Makkawi, alias Saif al-Adel, war nach Erkenntnissen amerikanischer Ermittler an der Planung der Terroranschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 beteiligt. Nach dem Sturz des Taliban-Regimes im Winter 2001 soll er von Afghanistan in den Iran geflohen sein. Der Geheimdienst von Saudi-Arabien vermutet, dass er zu den Drahtziehern der Selbstmordattacken auf Ausländer-Wohnsiedlungen in Riad 2003 gehört. Später sollen die Iraner ihm die Ausreise nach Pakistan erlaubt haben.
Der Endvierziger, der einst einer Spezialeinheit der ägyptischen Armee angehört hatte, ist bisher vor allem als militärischer Führer der Terroristen in Erscheinung getreten und nicht als Ideologe. Die Rolle des Vordenkers spielt im Al-Kaida-Netzwerk aktuell vor allem der Ägypter Aiman al-Zawahiri. Saif al-Adel und Al-Sawahiri (59) kennen sich noch aus der Zeit, in der sie beide der ägyptischen Terrororganisation Islamischer Dschihad angehörten.
Al-Kaida-Chef Osama bin Laden war am 2. Mai von einem US-Spezialkommando im pakistanischen Abbottabad aufgespürt und getötet worden. Wenige Tage später bestätigte das Terrornetzwerk seinen Tod und kündigte Vergeltung an.
Quelle: AFP , dpa
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