06.09.2010, 10:24 Uhr
Die Koalition hat sich auf längere Laufzeiten für Atomkraftwerke geeinigt. (Foto: ddp) (Quelle: ddp)
Nach monatelangem Atom-Poker haben sich die Spitzen von CDU/CSU und FDP auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verständigt. Die 17 Atommeiler sollen im Schnitt zwölf Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant - gestaffelt nach älteren und jüngeren Kraftwerken. Das teilten Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Sonntagabend nach knapp zwölfstündigen Verhandlungen im Kanzleramt mit.
Im Gegenzug werden die Stromkonzerne mit Milliarden-Zahlungen auch für den Ausbau von Öko-Strom zu Kasse gebeten. Röttgen sprach hier von einem "substanziellen Beitrag" für erneuerbare Energien, Brüderle nannte einen Betrag von bis zu 15 Milliarden Euro. Atomkraftgegner reagierten empört auf den schwarz-gelben Kompromiss.
Der im Kanzleramt ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass jüngere Kernkraftwerke - ab dem Baujahr 1980 - 14 Jahre länger am Netz bleiben als bisher geplant, ältere Meiler acht Jahre zusätzlich. Das bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen. Bisher gilt nach dem von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg eine Laufzeit von 32 Jahren. Danach wäre der letzte der 17 Atommeiler in Deutschland nach aktuellem Stand 2025 vom Netz gegangen.
Röttgen sprach von einem "großen Erfolg" für die langfristige Versorgung mit erneuerbarer Energie. Brüderle nannte die Einigung ein gutes Konzept. Es würden in den nächsten Jahren 15 Milliarden Euro für die Öko-Energie "generiert". Der Umbau der Stromversorgung werde somit forciert. Dies sei nicht nur wichtig für den Klimaschutz. Es gehe auch um die Technologieführerschaft Deutschlands.
Von der Verlängerung unabhängig sollen die Konzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall ab 2011 eine Atomsteuer in Höhe von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr zahlen. Die umstrittene neue Steuer soll auf sechs Jahre befristet und bis einschließlich 2016 erhoben werden. Zusätzlich sollen die Atomkonzerne einen Sonderbeitrag zum Ausbau von Öko-Strom leisten. Er beträgt jeweils 300 Millionen Euro in den Jahren 2011 und 2012. Von 2013 bis 2016 liegt er bei je 200 Millionen Euro.
Die Koalition geht davon aus, dass ihr Atomkonzept nicht vom Bundesrat gestoppt werden kann. Je länger die Meiler zusätzlich am Netz sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Länderkammer zustimmen muss. Die Opposition hat bereits mit Verfassungsklagen gedroht. Das letzte Wort dürfte wohl das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kritisierte in der "Frankfurter Rundschau": "Jetzt ist die Katze aus dem Sack, und die schwarz-gelbe Regierung zeigt, wie rückschrittlich sie in Energiefragen ist." Dass die Kernkraftwerke bis zu 14 Jahre länger am Netz blieben, behindere den Ausbau der erneuerbaren Energien und koste deshalb langfristig sogar Geld.
Der Bundestags-Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, befürchtet angesichts des schwarz-gelben Kompromisses eine Atomkraft-Nutzung in Deutschland sogar bis zum Jahr 2050. Er sagte der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen", erst in etwa 40 Jahren ginge nach den Regierungsplänen das letzte Atomkraftwerk vom Netz. "Auch unsere Kinder und Enkel hätten dann noch mit dieser gefährlichen Technologie zu tun." Trittin begründete seine Berechnung so: "Von den alten Atomkraftwerken könnten die Betreiberfirmen Strommengen auf neuere Anlagen übertragen. Einzelne Meiler dürften dann noch mehrere Jahrzehnte Strom produzieren."
Linke-Chefin Gesine Lötzsch sagte: "Der schwarz-gelbe Atomdeal trägt die Handschrift der Atomkonzerne. Die Stromlobby hat sich in entscheidenden Fragen durchgesetzt." Die Atomkonzerne dürften mit abgeschriebenen Meilern billig Strom produzieren, ihn teuer verkaufen und die Gewinne zu großen Teilen einstecken. Lötzsch: "Dem Deal fehlt jede soziale Komponente. Noch nicht einmal eine gesetzliche Verpflichtung zu Stromsozialtarifen konnte Merkel den Konzernbossen als Gegenleistung abringen."
SPD-Chef Sigmar Gabriel warf der schwarz-gelben Koalition vor, mit ihrer Einigung auf eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken die Gesellschaft zu spalten. Das Vorhaben der Bundesregierung löse "einen neuen gesellschaftlichen Großkonflikt aus", bei dem die Opposition "nicht verlieren kann", sagte Gabriel der "Leipziger Volkszeitung". Die am Sonntagabend beschlossene Laufzeitverlängerung um durchschnittlich zwölf Jahre sei "doch erst der Anfang". Den von den Grünen prophezeiten "heißen Herbst" bezeichnete der SPD-Chef allerdings als "überlebte Formel".
Quelle: AFP , dpa
Morbus Corruptus schrieb:
am 6. September 2010 um 17:52:45
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Strahlende Zukunft
Was sollte man denn schon anderes von einer korrupten und am Volkswohl völlig desinteressierten Regierung erwarten?
Selbst wenn man Atomenergie auch für die nächsten 44 Jahre (so lange sollen nun einige davon laufen dürfen) für notwendig und ungefährlich hält, dann müßte man wenigstens die zusätzlichen Milliardengewinne größtenteils abschöpfen und nicht diesen lächerlich geringen Betrag erheben. Und wieso wird die Abschöpfung geringer wenn die Preise steigen? Na, das werden die schon hinkriegen!
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Soester schrieb:
am 6. September 2010 um 15:59:08
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AKW Laufzeiten
Das stinkt zum Himmel. Haben Merkel und Brüderle schon Posten im Aufsichtsrat der Energieriesen, wenn sie hoffentlich bald in
die Wüste geschickt werden?
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Hainchen schrieb:
am 6. September 2010 um 15:31:00
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Kommentar
jogie, was sie hier schreiben ist nicht schön, nicht alle die für Erneurebare Energien streiten sind Ökospinner. Ich finde
schon, dass wir für die Zukunkt uns Unabhäniger von anderen Ländern machen müßen. Es wird nicht gleich undsofort sein, aber für die Zukunft. Den Uran der AKWS, wird es auch nicht in alle Ewigkeit geben. Ich finde Europa sollte sich wirklich für die Zukunft auf Erneuerbarenenergien festlegen. In Zwanzig Jahren finden wir das alle toll. Es sind nicht nur Windparks!!
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