13.09.2011, 09:08 Uhr
Ein Arbeiter kam dabei ums Leben. Radioaktivität soll nicht ausgetreten sein.
Bei der Explosion auf dem Gelände der Atomanlage Marcoule in Südfrankreich ist ein Mensch ums Leben gekommen, vier weitere sind verletzt worden. Auch wenn keine Radioaktivität ausgetreten sein sollte: Die ständigen Zwischenfälle in dem berüchtigten Uralt-Komplex bringt Umweltschützer seit Jahrzehnten auf die Barrikaden - für Kritiker ist er ein Denkmal für Frankreichs unverantwortliche Atompolitik.
Marcoule, rund 30 Kilometer von Avignon entfernt, ist bei Atomkraftgegnern seit Jahrzehnten für seine Sicherheitsprobleme bekannt. Wie es dieses Mal zum Unfall kam, ist noch unklar. Bekannt ist aber: Der Zwischenfall ereignete sich in einem Zentrum für die Aufbereitung von schwach radioaktivem Material namens Centraco (Centre de traitement et de conditionnement de déchets de faible activité). Hier explodierte gegen 11.45 Uhr einer der Schmelzöfen für radioaktive Metallabfälle, etwa Ventile, Pumpen und Werkzeuge. Offenbar kommen die Abfälle aus Anlagen des Staatskonzerns EdF und des Energieriesen Areva.
Radioaktivität ist bislang nicht in die Umwelt entwichen, gibt die französische Atomaufsicht ASN bekannt. Auch die Organisation CRIIRAD, die unabhängige Strahlen-Messungen vornimmt, stellte bis zum frühen Nachmittag keine erhöhte Strahlung fest. Dennoch richtete die ASN eine Notfall-Zentrale in Paris ein.
Marcoule umfasst unter anderem drei stillgelegte Atomreaktoren aus den 50er Jahren. Direkt neben Centraco liegt die Aufbereitungsanlage MELOX. Hier werden die umstrittenen MOX-Brennstäbe hergestellt, die hochgiftiges Plutonium enthalten. Deshalb war in ersten Meldungen die Befürchtung geäußert worden, die Explosion habe sich bei der Produktion von der Brennstäben ereignet - also hochgefährlich für Anwohner und Umwelt. Doch mit dem Mischoxid (MOX) scheint der betroffene Schmelzofen nichts zu tun gehabt zu haben.
"Die Explosion ist dramatisch für die betroffenen Menschen, ob sie aber darüber hinaus Folgen hat, ist noch unklar", sagt Tobias Münchmeyer, Atomexperte der Umweltorganisation Greenpeace. Der britische Berater für Atom- und Energiepolitik, Shaun Burnie, war in den 1990er Jahren mehrfach in Marcoule, um sich mit den Auswirkungen der Anlage auf die Umwelt zu beschäftigen. "Marcoule hat Jahrzente von Sicherheitsproblemen hinter sich", sagt Burnie. "Dieser Unfall zeigt einmal mehr, wie gefährlich der Umgang mit radioaktiven Abfällen ist."
Tatsächlich sind in Marcoule mehrfach erhöhte Strahlenwerte im Grundwasser gemessen worden. Die Atomaufsicht erteilte der MELOX-Anlage erst 1997 die Betriebserlaubnis, zwei Jahre später als beantragt. Die Begründung: Der Schutz der Arbeiter vor Radioaktivität sei ungenügend. Erst letztes Jahr war ein Prototyp des pannenanfälligen Schnellen Brüters Superphénix in dem Atomkomplex nach einer Serie von Zwischenfällen vom Netz genommen worden.
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Die französische Nuklearanlage Marcoule liegt rund 30 Kilometer nördlich von Avignon (Grafik: Google Earth) (Quelle: (Grafik: Google Earth))
In der Nuklearanlage Marcoule ging bereits 1956 der Reaktorblock G-1 in Betrieb und lieferte als eines der weltweit ersten AKW kommerziell genutzten Atomstrom. Die vom Commissariat à l'Énergie Atomique (CEA) betriebenen Meiler G-2 und G-3 mit einer Bruttoleistung von jeweils 43 Megawatt folgten 1959 und 1960. Sie wurden 1980 beziehungsweise 1984 wieder vom Netz genommen.
Frankreich ist mit 58 Reaktoren der größte Atomstromproduzent Europas. Auch nach dem Unglück von Fukushima hält die Regierung an der Atomkraft fest und verweist auf die Sicherheit französischer Atomkraftwerke.
Quelle: dpa , AFP , dapd , t-online.de
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