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Ahmadinedschad sorgt mit Verschwörungstheorien für Eklat bei UN

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Ahmadinedschad sorgt für Eklat bei UN-Vollversammlung

24.09.2010, 11:12 Uhr

Mahmud Ahmadinedschad bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung (Foto: Reuters)

Mahmud Ahmadinedschad bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat auch in diesem Jahr mit einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York für einen Eklat gesorgt. Ahmadinedschad zitierte Verschwörungstheorien, wonach die USA selbst in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt sein sollen - eine im Nahen Osten gängige Behauptung.

Etliche Diplomaten, darunter auch Vertreter der deutschen Delegation, verließen daraufhin demonstrativ den Plenarsaal. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, Ahmadinedschads Aussagen zum 11. September seien "abwegig und verletzend".

"Widerwärtig und vorhersehbar"

Die meisten US-Bürger sowie andere Nationen und Politiker dächten, dass die Regierung in Washington die Anschläge vom 11. September inszeniert habe, sagte Ahmadinedschad während der Generaldebatte zum neuen Sitzungsjahr der UN-Vollversammlung. Damit habe das Land unter anderem seine Wirtschaft wiederbeleben und die Kontrolle über den Nahen Osten verstärken wollen, um "das zionistische Regime" in Israel retten zu können.

Ahmadinedschad hatte die Generaldebatte auch in den vergangenen Jahren für Provokationen genutzt und vor allem Israel angegriffen.

Die US-Delegation bei den Vereinten Nationen wies die Vorwürfe postwendend zurück. Die wilden Verschwörungstheorien und antisemitischen Ausfälle Ahmadinedschads seien ebenso "widerwärtig wie wahnsinnig und vorhersehbar", sagte Sprecher Mark Kornblau.

Obama bot Iran zuvor Verhandlungen an

US-Präsident Barack Obama habe die Äußerungen Ahmadinedschads "empörend und widerwärtig" gefunden, sagte ein US-Vertreter, der anonym bleiben wollte. Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida hatten am 11. September 2001 vier Passagierflugzeuge entführt. Zwei steuerten sie in das World Trade Center in New York, eines ins US-Verteidigungsministerium in Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen kamen 3000 Menschen ums Leben.

Weiter sagte Ahmadinedschad, dass die von einem Pastor in Florida angedrohte Koranverbrennung ein Akt des Bösen sei. Die Wahrheit könne nicht verbrannt werden, erklärte Ahmadinedschad mit einem Koran in der Hand.

Wenige Stunden zuvor hatte Obama in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung dem Iran im Atomstreit erneut eine Verhandlungslösung angeboten: "Die Tür für Diplomatie bleibt offen, falls der Iran sie nutzen will." Ahmadinedschad sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Isna dem japanischen Fernsehsender TBS, Verhandlungen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland würden voraussichtlich im Oktober beginnen. Zugleich warf er ihnen vor, das Recht auf die Nutzung der Atomkraft monopolisieren zu wollen.

Westerwelle: Weiter Chancen für Gespräche

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Vorwand der Energiegewinnung heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet dies. Die Verhandlungen der 5+1-Gruppe mit dem Iran stagnieren, seit der UN-Sicherheitsrat im Juni neue Sanktionen gegen das Land verhängt hat. Mit Blick auf den Streit über das Teheraner Atomprogramm kritisierte Ahmadinedschad, einige Mitglieder des Weltsicherheitsrats hätten "Atomenergie mit Atombomben gleichgesetzt". Er sprach sich erneut für eine atomwaffenfreie Welt aus und warf den USA vor, ihr nukleares Waffenarsenal zu vergrößern statt abzurüsten.

Westerwelle sieht aber auch nach dem neuen Eklat um Ahmadinedschad weiterhin Chancen für Gespräche. Dessen "geschmacklose Entgleisungen" vor der UN-Vollversammlung könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die verhängten Sanktionen auf die iranische Führung Eindruck machten, sagte Westerwelle in New York.

Proteste für Demokratie im Iran

Unterdessen demonstrierten rund 800 Menschen vor dem UN-Sitz gegen die Teilnahme des iranischen Präsidenten an der Generaldebatte. "Ahmadinedschad ist ein Terrorist", riefen die mit Plakaten und iranischen Fahnen ausgerüsteten Demonstranten. "Es ist Zeit für die internationale Gemeinschaft, aufzuhören, mit Ahmadinedschad Geschäfte zu machen", sagte Ali Safawi, Mitglied des Nationalen Widerstandsrats des Iran, in dem sich zahlreiche im Exil agierende iranische Oppositionsgruppen zusammengeschlossen haben. Das iranische Volk müsse "endlich den demokratischen Wandel" bekommen, den es verdiene.

Um die Unterdrückung im Iran zu verdeutlichen, spielten einige der zumeist iranischstämmigen Demonstranten auf einem Podium Szenen einer Steinigung und einer Hinrichtung durch den Strang nach. Die Todesstrafe ist im Iran weit verbreitet.


Quelle: AFP , dapd , dpa

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