01.04.2011, 21:03 Uhr
Terror in Afghanistan: Eine zunächst friedliche Demonstration in Masar-i-Scharif Anfang April endete in einem Angriff auf ein UN-Büro und einem Blutbad (Foto: AP) (Quelle: AP)
Bei Protesten gegen eine Koran-Verbrennung in den USA haben Demonstranten im nordafghanischen Masar-i-Scharif die dortige UN-Zentrale angegriffen und mindestens acht Ausländer getötet. Der Sprecher der afghanischen Polizei für die Nordregion sagte, bei allen acht Toten handele es sich um ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen.
Drei davon seien nepalesische Wachmänner gewesen, ein Opfer soll aus Norwegen stammen. Ein weiterer Toter kam aus Schweden, bestätigte das Außenministerium in Stockholm. Die Nationalität der anderen Opfer war zunächst nicht bekannt. Auch fünf Demonstranten wurden getötet.
Nach Angaben der Polizei wurde ein UN-Mitarbeiter verletzt. Die Vereinten Nationen bestätigten Tote unter ihren Mitarbeitern. Ein Polizist sagte, einige der ermordeten UN-Mitarbeiter seien enthauptet worden.
Ein Sprecher der Regierung der Provinz Balch sagte, hunderte Menschen hätten von einer Moschee ausgehend zunächst friedlich demonstriert. Die Proteste seien gewalttätig geworden, als die Männer das UN-Büro erreichten. Der Mob habe die Wachmänner überwältigt, das UN-Gelände gestürmt und das Gebäude in Brand gesteckt. Polizisten, die zur Verstärkung anrückten, seien mit Steinen beworfen worden. Nach Angaben der Polizei hatte ein Vorbeter in der Moschee die Menschen aufgewiegelt.
Die Proteste waren die Reaktion auf die Verbrennung eines Korans durch einen amerikanischen Priester vor wenigen Tagen. Die Verbrennung war international zunächst weitgehend unbeachtet geblieben.
Im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York wurde die Nachricht "mit Entsetzen" aufgenommen. Generalsekretär Ban Ki Moon sei bestürzt über die Gewalt gegenüber den Menschen, die beim Aufbau des Landes helfen wollten, sagte UN-Sprecher Farhan Haq.
Masar-i-Scharif liegt im Einsatzgebiet der Bundeswehr. Dort befindet sich auch das Hauptquartier des ISAF-Regionalkommandos Nord, das unter deutscher Führung den internationalen Einsatz in neun nördlichen Provinzen Afghanistans leitet. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte, deutsche Soldaten seien von den Angriffen nicht betroffen.
Quelle: AFP , dpa
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