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Afghanistan: Special Forces verstärken Jagd auf Taliban-Elite

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Special Forces verstärken Jagd auf Taliban-Elite

30.08.2010, 09:14 Uhr | Von Matthias Gebauer

Afghanistan: Die Special Forces der USA gehen fast immer nachts auf Mission (Foto: AP)

Gehen fast immer nachts auf Mission: die Special Forces der USA (Foto: AP)

Nächtliche Zugriffe, Drohnenattacken: In Afghanistan haben verdeckt agierende Spezialtruppen, vor allem die Special Forces der USA, ihre Jagd auf Taliban massiv ausgeweitet. Allein in den vergangenen drei Monaten eliminierten die Eliteeinheiten 365 Kommandeure der Aufständischen.

Die internationalen Truppen in Afghanistan haben in diesem Jahr unter Führung der USA die Jagd von Spezialeinheiten auf die Taliban-Spitze wesentlich gesteigert. Mit bisher unbekannter Intensität versuchten vor allem die geheim und von normalen Truppen abgeschirmt operierenden Special Forces in den vergangenen Monaten mit Hunderten Operationen, den Widerstand der Taliban zu brechen, ihre Führungsebene zu schwächen und Netzwerke von Bombenlegern auszuheben.

Der vermehrte Einsatz der Schattenkrieger ist für Insider nicht neu. Doch erstmals in der Geschichte des neunjährigen Afghanistan-Kriegs sind nun konkrete Zahlen über den Einsatz, über den weder Nato noch die US-Armee öffentlich sprechen, genannt worden: In der zweiten Augustwoche gab die Führung der Nato-Truppen unter ISAF-Oberbefehlshaber David Petraeus streng vertraulich einen Überblick über eine Anti-Taliban-Offensive, die seit Ende 2009 läuft.

Special Forces nehmen 1395 Personen fest

Vor Diplomaten und Spitzenmilitärs berichteten der Vier-Sterne-General und sein Stab nach Recherchen von "Spiegel Online", dass allein in den vergangenen drei Monaten mindestens 365 hochrangige und mittlere Kommandeure der Aufständischen meist durch gezielte Operationen der Special Forces - hochgerüsteten Elitekrieger aus allen Waffengattungen der US-Armee - getötet wurden. 1395 Personen, darunter viele Fußsoldaten der Taliban, seien bei Zugriffen festgenommen worden.

Das Briefing, das die Zeit vom 8. Mai bis zum 8. August bilanzierte, gibt einen seltenen Einblick in eine Seite des Afghanistan-Kriegs, die bisher nur die US-Regierung und wenige andere Top-Politiker der Nato-Staaten kannten. Wörtlich trugen die Militärs vor, man habe die Kommandeure und die Festgenommenen "aus dem Spiel genommen" - eine sonst von den Special Forces benutzte Wortwahl, die die Nähe der von den USA dominierten Militärführung zu den Methoden der Elitetruppen widerspiegelt.

Fast immer schlagen die Elitekrieger nachts zu

Seitdem bestimmen die Details die interne Diskussion über die Zukunft der Mission in Kreisen der internationalen Gemeinschaft in Kabul. Während die militärische Führung auffallend vorsichtig von ersten kleinen Erfolgen im Kampf gegen die Taliban spricht, dürfte die Bilanz der Special Forces die Kooperation mit der afghanischen Regierung erschweren. Diplomaten fragen sich besorgt, wie sich das Ausschalten der Taliban-Hierarchie mit dem erklärten Ziel vereinbaren lässt, Teile dieser Gruppe zu reintegrieren.

Die spektakuläre Statistik zeigt vor allem eines: den Willen der militärischen Führung, in den nächsten Monaten eine Wende in Afghanistan zu erreichen. Die Masse an Operationen unterstreicht eindrucksvoll, dass General Petraeus wie sein Vorgänger Stanley McChrystal mit dem Einsatz von Spezialeinheiten eine Entscheidung in Afghanistan erzwingen will.

Soldaten agieren mit "maximaler Schlagkraft"

Noch nie seit der durch die US-Armee geführten Invasion des Landes wurde so gezielt nach Anführern der Taliban gesucht, noch nie wurden sie so zahlreich festgenommen oder gezielt getötet. Unterrichtete westliche Diplomaten berichteten in den vergangenen Tagen, das Militäraufgebot von 145.000 ausländischen Soldaten agiere derzeit "mit der maximalen Schlagkraft".

Militärs hingegen sehen die Bilanz nüchterner. Seit Dezember 2009, als US-Präsident Barack Obama eine Truppenerhöhung von 30.000 Mann genehmigt und eine neue Strategie für den Afghanistan-Krieg angekündigt hatte, seien die Operationen der geheimen Krieger der Special Forces enorm ausgeweitet worden. Bis zum Sommer 2010 wurden sie gar zahlenmäßig verdreifacht, so die Militärbilanz.

Gezielte Luftschläge

Einige Fakten über die Offensive: Fast immer, in 82 Prozent aller Fälle, schlugen die Elitekrieger nachts zu.Die Spezialeinheiten nahmen vor allem die Taliban-Strukturen im Süden des Landes, das Terrornetzwerk von Jalaluddin Haqqani im Osten und ausländische Kämpfer mit Verbindungen zu Al-Kaida ins Fadenkreuz. Regionale Taliban-Kommandeure, Köpfe von sogenannten IED-Zellen (die Truppen mit Sprengfallen angreifen) und Kontaktleute zur Kaida nach Pakistan wurden durch gezielte Luftschläge oder bei Festnahmeversuchen getötet.
Und die Spezialkräfte, darunter auch die Nachfolger der berüchtigten "Task Force 373" der US-Armee, agierten immer gemeinsam mit von ihnen trainierten afghanischen Soldaten.

Über den Erfolg der Offensive der Schattenkrieger gibt es unterschiedliche Ansichten. Hochrangige US-Offiziere aus dem Nato-Führungsstab berichten betont vorsichtig von ersten Einschränkungen bei der Bewegungsfreiheit der Führungsebene der Taliban. Es sei allerdings viel zu früh, um eine qualitative Bilanz zu ziehen, sagte ein Geheimdienstoffizier aus dem Petraeus-Stab.

Im Distrikt Baghlan in Nordafghanistan traute sich zumindest nach Berichten von Geheimdienstmitarbeitern niemand, die Nachfolge von Taliban-Schattengouverneuren anzutreten, die gezielt von Special Forces eliminiert worden waren. "Die Führung der Taliban-Schura hat die Nachfolge geregelt, doch der Mann bleibt in Pakistan", berichtet ein Offizier.

Operationen könnten Motivation sein

Diplomaten indes äußerten Zweifel, wie die robuste Militärstrategie mit dem Ziel in Einklang gebracht werden kann, die bei diversen Konferenzen beschlossene politische Verhandlungslösung mit den Taliban zu finden. "In der Militärführung heißt es oft, mit den Taliban könne man am besten verhandeln, wenn sie am Boden sind", sagte ein europäischer Diplomat nach einem Gespräch mit der Isaf-Führung, "vielleicht aber wirken die Operationen als zusätzliche Motivation für die Aufstandsbewegung."

Die meisten Operationen fanden im Süden und Osten des Landes, den Hochburgen der Taliban, statt. Ein wichtiger Kampfplatz ist aber auch das Einsatzgebiet der Bundeswehr. Vor allem im nordafghanischen Kunduz - hier haben die Deutschen ein Feldlager mit 1400 Soldaten - und in Baghlan waren und sind die Eliteeinheiten fast jede Nacht unterwegs. Es gab Dutzende Zugriffe und auch gezielte Tötungen. Kürzlich wurde nach Militärangaben in Kunduz gar ein Al-Kaida-Kader ausgeschaltet.

Bundeswehr schaut bisher nur zu

Die Bundeswehr beteiligt sich bisher nicht an der tödlichen Hatz auf die Taliban-Spitze, auch die deutsche Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) hält sich aus den Operationen der US-Einheiten heraus. Ahnungslos sind die Deutschen jedoch keineswegs. In Masar-i-Scharif sitzt seit Monaten ein Amerikaner als stellvertretender Chef des Regionalkommandos Nord. Er informiert seinen Chef, Brigadegeneral Hans-Werner Fritz, genau über Pläne und Ausführung von Missionen. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird detailliert darüber unterrichtet. Bisher aber schaut die Bundeswehr nur zu, wenn die US-Kräfte kämpfen.

Die aggressive Vorgehensweise sorgt bereits für Verstimmungen im Kabuler Präsidentenpalast. In Gesprächen mit europäischen Politikern kritisierte Karzai in den letzten Tagen regelmäßig die Taliban-Hatz. Ausschweifend beklagte der Präsident, der Kampf gegen die Taliban dürfe nicht in den Dörfern gekämpft werden, er bekomme regelmäßig Berichte über entehrendes Verhalten der Einheiten.

Die Militärs hingegen sagen, sie täten alles, um zivile Opfer zu vermeiden. Nur bei einem Prozent der Special-Forces-Aktionen, so die Bilanz, seien in den letzten Monaten Zivilisten ums Leben gekommen. Solche Kollateralschäden nimmt Karzai gern zum Anlass, um die ausländischen Truppen öffentlichkeitswirksam zu kritisieren. Die blutige Bilanz der Spezialtruppen dürften ähnliche Reflexe bei Karzai auslösen.


Von Matthias Gebauer  

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Kommentare (7)

zum Forum

Thema: "Afghanistan: Special Forces verstärken Jagd auf Taliban-Elite"

shaeng schrieb: am 26. August 2010 um 19:28:00
(0) (0) Drecksarbeit
Die Amis machen die Drecksarbeit und wir machen kluge Sprüche. Leider kann man manche Dinge wie z.B. die Unterdrückung und
Verstümmelung von Frauen nur mit entschiedenem Einsatz lösen. Daven ist aber Deutschland noch Lichtjahre entfernt!
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@ Eva Adams schrieb: am 26. August 2010 um 19:05:39
(0) (0) mal schaun
... na dann viel Spass! Denn eines ist mal Fakt, all die Emanzen hier in Deutschland werden sich noch ganz schön wundern woher
der Wind weht, wenn auch hier in Deutschland die Steinzeitmoslems das sagen haben! Dann ist es mit der massiven bevorzugung von Frauen in allen Lebensbereichen hier in Deutschland wieder vorbei! Gerade euch Frauen sollte daran gelegen sein, das die Moslems nicht gewinnen, oder wollt ihr gern wieder ins Mittelalter zurück?
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Heinz-Fred schrieb: am 26. August 2010 um 18:50:01
(0) (0) Taliban-Bejagung
Wenn die Taliban wirksam bekämpft werden sollen um damit den bewaffneten Konflikt in angemessener Zeit lösen zu können,
würde ich nicht alle Aktionen herausposaunen. Das Verhalten mancher Pressevertreter, zu jeder Aktion gleich einen ellenlangen Bericht mit allen Einzelheiten herauszubringen, ist der Sache nicht dienlich. Einfach mal schweigen!
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