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Afghanistan-Konflikt: Wir schulden der Welt mehr als bewaffnete Handwerker

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Wir schulden der Welt mehr als bewaffnete Handwerker

05.02.2008, 13:09 Uhr

Von Christian Kreutzer

Künftig nicht nur als bewaffneter Bautrupp: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Foto: ddp) Künftig nicht nur als bewaffneter Bautrupp: Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Foto: ddp)Der Widerstand Berlins gegen einen Bundeswehreinsatz im Süden Afghanistans ist verständlich. Immerhin herrscht dort Krieg. Im „deutschen“ Norden dagegen hat der Ansatz der Bundeswehr - Aufbau statt Terroristenjagd - die Eskalation mehr schlecht als recht aufgeschoben. Dennoch wird die Bundesregierung mit ihrer Weigerung, den Einsatz auf ganz Afghanistan auszudehnen, nicht ewig durchkommen. Im Gegenteil.


Groteske Verbote

Der Streit innerhalb der NATO hat nämlich zwei Gründe: Der erste ist das selbstherrliche Vorpreschen der Bush-Regierung. Statt mit Hochdruck das Land aufzubauen, hat sie ohne Rücksicht auf Zivilisten „Aufständische“ gejagt. Jetzt rufen die Amerikaner um Hilfe, denn der Widerstand, den sie ausgelöst haben, fliegt ihnen regelrecht um die Ohren.

Doch unabhängig davon, wer am Desaster in Südafghanistan "schuld" ist: Auch Berlin muss sein Haltung überdenken. Dass deutsche Soldaten auf fremden Schlachtfeldern kämpfen müssen und dabei zu Schaden kommen können, ist eine Wahrheit, die Berliner Politiker der deutschen Bevölkerung noch nicht zumuten wollen. Entsprechend unmilitärisch sind die Aufträge des Bundestags an die Bundeswehr gefasst - man denke nur an das groteske Verbot, gegen den afghanischen Drogenhandel vorzugehen.

Noch jeder Terrorist wurde hier ausgebildet

Dabei finden Einsätze, wie der in Afghanistan eben nicht nur aus humanitären Gründen statt. Strucks Spruch von der Verteidigung Deutschlands am Hindukusch stimmt leider: Noch jeder Terrorist, der hier oder irgendwo anders in Europa geschnappt wurde, hat eines der Ausbildungslager in Afghanistan oder dem Grenzgebiet zu Pakistan durchlaufen. Und die osteuropäische Heroinmafia bezieht fast 100 Prozent ihres Stoffs von dort. Da erscheint es fast lächerlich, auf einer Begrenzung des deutschen Einsatzes auf Nordafghanistan zu bestehen.

Eine Mittelmacht wie Deutschland, die einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat beansprucht, muss sich von dem Gedanken verabschieden, die Sicherheitsrisiken des 21. Jahrhunderts allein durch den Aushub von Brunnen oder den Bau von Grundschulen zu lösen. Dies gilt auch für künftige Konflikte: Deutschland braucht eine einsatzfähige Armee und die Bereitschaft, sie wenn nötig einzusetzen. Nur wer dazu bereit ist, kann übrigens innerhalb der NATO mitreden und den Falken notfalls die Flügel stutzen.



 

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