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Streit um die Bereitschaft "zum Kämpfen und Sterben"
07.02.2008, 13:30 Uhr
Noch weht die NATO-Flagge über Kabul (Foto: Reuters)Vor einer drohenden Spaltung der NATO haben die USA und einige der im Süden Afghanistans kämpfenden NATO-Mitglieder gewarnt. Sie fühlen sich von den Verbündeten im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban in den gefährliche Teilen des Landes nicht ausreichend unterstützt. Im Streit um eine gerechte Verteilung der Lasten beim Einsatz der Afghanistan-Schutztruppe ISAF widersprachen NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Donnerstag jedoch den Warnungen von US-Verteidigungsminister Robert Gates. Sie sähen keine Gefahr einer Spaltung, sagten sie zu Beginn eines Treffens der NATO-Verteidigungsminister in Vilnius (Litauen).
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"Ich mache mir große Sorgen, dass sich das Bündnis zu einer zweigeteilten Allianz entwickelt, in der einige Verbündete für den Schutz der Sicherheit von Menschen zum Kämpfen und Sterben bereit sind und andere nicht", hatte Gates unmittelbar vor dem Abflug nach Vilnius vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats gesagt. Sein kanadischer Kollege Peter Mackay unterstützte diese Warnung am Donnerstag in der litauischen Hauptstadt: "Wir wollen keine zweigeteilte NATO. Wir möchten mehr von dem "Einer-für-alle-Geist" sehen. Und das bedeutet natürlich eine Teilung der Lasten im Süden." Kanada hat angesichts von etwa 80 Gefallenen in Afghanistan mit dem Abzug seiner knapp 2500 Soldaten aus der Provinz Kandahar gedroht, falls die NATO-Verbündeten nicht mindestens 1000 zusätzliche Soldaten schickten.
Jung: Leisten unseren Beitrag voll und ganz
Jung sagte hingegen auf die Frage, ob ein Riss im Bündnis drohe, das denke er nicht. Die regionale Aufteilung des Afghanistan-Einsatzes sei "klug". Sie weist den maximal 3500 deutschen Soldaten die Verantwortung für den vergleichsweise ruhigen Norden des Landes zu. Auch der Norden sei im vergangenen Jahr gefährlicher geworden. "Ich denke, dass wir unseren Beitrag in Afghanistan voll und ganz leisten", sagte Jung unter Hinweis auf den am Vortag angekündigten Einsatz einer deutschen Kampfeinheit - der Schnellen Eingreiftruppe - im Norden. Die von Gates geforderten deutschen Kampftruppen im Süden lehnt die Bundesregierung ab.
Lob vom NATO-Generalsekretär
Auch De Hoop Scheffer widersprach der Auffassung, der Allianz drohe die Spaltung. "Ehrlich, nein, das glaube ich nicht", sagte er. "Wir sind 26 in Afghanistan." Ausdrücklich lobte er das Engagement der rund 3200 deutschen Soldaten: "Ich glaube, die Deutschen machen sehr gute Arbeit in Afghanistan." Er wolle, dass die NATO in Afghanistan möglichst flexibel operieren könne. "Ich bin Realist. Ich weiß, dass der Deutsche Bundestag einige Beschränkungen möchte."
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Gates hatte die im Süden Afghanistans tätigen Verbündeten ausdrücklich gelobt und dies in Washington mit Kritik an anderen Alliierten verbunden: "Die Kanadier, die Briten, die Australier, die Niederländer und die Dänen sind wirklich da draußen und kämpfen. Aber es gibt eine Menge andere, die das nicht tun." Er nannte keine Namen. Der dänische Verteidigungsminister Søren Gade sagte: "Wir werden das Problem in Afghanistan nicht lösen, wenn wir nicht mehr Soldaten im Süden haben." Auf die Frage, ob dabei die Zukunft der NATO auf dem Spiel stehe, sagte er: "Da haben Sie nicht ganz unrecht." Schon am Mittwoch hatte der britische Regierungschef Gordon Brown eine "faire Lastenverteilung" in Afghanistan gefordert.
Middelkoop: Es gibt keine Krise
Der niederländische Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop sagte zu den scharfen Worten von Gates: "Er sieht, dass die NATO Afghanistan ein Angebot gemacht hat und dass sie jetzt einen ordentlichen und erfolgreichen Job machen muss." Gates Äußerungen schüfen "eine gesunde Spannung". "Es gibt keine Krise", sagte Van Middelkoop. Es gebe "absolut keine Gefahr einer Spaltung."
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