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Afghanistan-Konflikt: Harald Kujat sieht schwarz für Afghanistan

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Kujat sieht schwarz für Afghanistan

07.10.2011, 13:11 Uhr

Mehr als 200 ISAF-Soldaten in Afghanistan sind nach dem Essen in einer deutschen Feldküche erkrankt (Quelle: AP)

Mehr als 200 ISAF-Soldaten in Afghanistan sind nach dem Essen in einer deutschen Feldküche erkrankt (Quelle: AP)

Zehn Jahre nach dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan hält der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, diesen für gescheitert. Der Einsatz habe zwar "den politischen Zweck, Solidarität mit den Vereinigten Staaten zu üben, erfüllt", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" vom Freitag. "Wenn man aber das Ziel zum Maßstab nimmt, ein Land und eine Region zu stabilisieren, dann ist dieser Einsatz gescheitert", fügte er hinzu.

"Wir haben zu lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass es sich hier um einen Einsatz handelt, bei dem der Gegner militärisch kämpft und wir militärisch kämpfen müssen", sagte Kujat der Zeitung. Die Argumentation, dass es um einen Stabilisierungseinsatz gehe, sei zu lange durchgehalten worden, "auch mit Blick auf die innenpolitischen Befindlichkeiten".

Taliban werden die Macht wieder übernehmen

"Wenn wir 2014 aus Afghanistan rausgegangen sind, dann werden die Taliban die Macht in wenigen Monaten wieder übernehmen", sagte Kujat.

Nach Angaben der Bundesregierung wird Deutschland auf jeden Fall bis Ende 2014 alle Kampftruppen aus Afghanistan abziehen. "Der Abzug wird bis Ende 2014 abgeschlossen sein", sagte der deutsche Afghanistan-Beauftragte Michael Steiner zehnten Jahrestag des internationalen Einsatzes an diesem Freitag.

Auf einen genauen Termin, wann die ersten von derzeit noch 5000 Bundeswehr-Soldaten Afghanistan verlassen, legte sich Steiner weiterhin nicht fest. Der Diplomat versprach jedoch, dass es bis zum Ende dieses Jahres "Klarheit" geben werde. Eigentlich hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, dass der Abzug noch 2011 beginnt - allerdings nur mit dem Zusatz "soweit es die Lage erlaubt".

Kommen Taliban-Vertreter zur nächsten Konferenz?

Im Unterschied dazu nannte der Afghanistan-Beauftragte 2014 jedoch als endgültigen Termin. Steiner ließ offen, mit wie vielen deutschen Soldaten der Abzug beginnt. "Ich hielte es für vollkommen falsch, zwei Monate vor der Entscheidung mit Zahlen zu hantieren. Damit würden wir unsere politische Seriosität infrage stellen." Im Gespräch ist derzeit eine Reduzierung um etwa 500 Soldaten. Die SPD-Opposition bezeichnete jede Zahl unter 500 in dieser Woche als "erklärungsbedürftig".

Zehn Jahre nach der ersten "Petersberg-Konferenz" soll es am 5. Dezember in Bonn ein weiteres internationales Afghanistan-Treffen geben. Steiner formulierte die Erwartungen so: "Die zentrale Botschaft muss sein, dass Afghanistan auch nach dem Abzug der letzten internationalen Kampftruppen 2014 nicht alleingelassen wird. Wir bleiben engagiert - anders, ziviler, politischer. Aber wir bleiben."

Auf die Frage, ob auch Vertreter der Taliban-Milizen in Bonn dabei sein werden, sagte Steiner: "Die afghanische Regierung wird mit einer starken Delegation in Bonn dabei sein. Wir wünschen uns, dass möglichst alle Kräfte Afghanistans sich repräsentiert fühlen, auch die parlamentarische Opposition. Aber die Zusammensetzung der Delegation ist eine Frage, die die afghanische Regierung zu entscheiden hat."


Quelle: AFP , dpa

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