Bundeswehr in Kundus: Seit 2002 wurden 27 deutsche Sodaten in Afghanistan getötet (Foto: dpa)Bei einem Anschlag in Afghanistan ist ein Hauptfeldwebel der Bundeswehr ums Leben gekommen. Drei weitere Soldaten seien verletzt worden, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Mittwoch in Berlin.
Bereits eine Stunde nach der Tat bekannten sich die Taliban zu dem Anschlag, meldet "Spiegel Online". Per Telefon habe sich der Taliban-Sprecher Zabiullah Mojahid gemeldet und die Verantwortung für das Attentat übernommen. Der Sprecher drohte außerdem mit weiteren Selbstmordanschlägen: "Unsere Kämpfer stehen schon bereit und warten nur auf ihren Auftrag."
Die Bundeswehr-Patrouille war Jung zufolge am Mittwoch um 9.25 Uhr Ortszeit wenige Kilometer südlich der Stadt Kundus in eine Sprengfalle geraten, nachdem der Trupp mit acht Fahrzeugen einen Fluss durchquerte. Der Anschlag wurde durch einen Draht ausgelöst und traf ein geschütztes Fahrzeug vom Typ "Wolf". Teil der Patrouille war ein sogenannter beweglicher Arzttrupp, der die Opfer schnell versorgte und zum größten deutschen Stützpunkt im nordafghanischen Masar-i-Scharif flog.
(Grafik: dpa)
Bisher 27 deutsche Soldaten getötet
Damit erhöht sich die Zahl der seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2002 bei Anschlägen oder Unglücken ums Leben gekommenen deutschen Soldaten auf 27. Jung nannte den Angriff einen "feigen hinterhältigen Anschlag". Kanzlerin Angela Merkel reagierte auf die Nachricht "tief erschüttert" und sprach den Angehörigen im Namen des ganzen Kabinetts ihr Mitgefühl aus.
Vier Soldaten kamen aus Zweibrücken
Jung sagte, der Angriff dürfe Deutschland nicht von der Aufgabe abbringen, zur Stabilität Afghanistans beizutragen. Das Land dürfe nicht wieder zum "Ausbildungscamp des Terrorismus" werden.
Getöteter war Fallschirmjäger
Der Sprecher der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF, Richard Blanchette, erklärte: "Das Leben des Soldaten wurde genommen, während er dem afghanischen Volk half, eine bessere Zukunft aufzubauen." Der getötete Hauptfeldwebel und seine verletzten Kameraden gehören dem Fallschirmjäger-Bataillon 263 der Saarlandbrigade aus Zweibrücken an.
Grüne fordern Kurswechsel
Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, er sei sicher, dass die Zuständigen vor Ort alles tun werden, um die Vorgänge aufzuklären. Unmittelbare Konsequenzen für die bisherige deutsche Afghanistan-Politik sehe er nicht. Die FDP erklärt, dieser weitere "menschenverachtende Anschlag" zeige, welch hohes Risiko die Bundeswehr in Afghanistan auf sich nehme, um dem Land eine Friedensperspektive zu geben. Die Grünen fordern einen Kurswechsel zu mehr ziviler Hilfe, die Linke den Abzug der Bundeswehr.
Bundeswehr-Mandat soll verlängert werden
Der Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehr-Mandats in Afghanistan. Jung hat die Aufstockung des deutschen Kontingents von 3500 auf 4500 Mann vorgeschlagen. In der Diskussion ist ferner, AWACS-Aufklärungsflugzeuge der NATO nach Afghanistan zu entsenden. Jung rechnet damit, dass der Militärausschuss der NATO spätestens Mitte September "zu einem Ergebnis" kommen wird.
187 tote NATO-Soldaten in diesem Jahr
Deutsche Sicherheitskräfte in Afghanistan sind immer wieder Zielscheibe von Gewalttaten. Zuletzt verletzte Anfang August ein Selbstmordattentäter rund 35 Kilometer südlich von Kundus drei Bundeswehrsoldaten. Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Im März waren bei einem Attentat auf ein Wiederaufbauteam in der Nähe der Stadt Kundus zwei deutsche Soldaten schwer und ein weiterer leicht verletzt worden. Mit dem Tod des deutschen Soldaten am Mittwoch stieg die Zahl der in diesem Jahr getöteten NATO-Soldaten auf 187.
Französische Opferfamilien reisen nach Afghanistan
Anfang vergangener Woche waren zehn französische NATO-Soldaten getötet und 21 weitere verletzt worden, als ihr Konvoi östlich von Kabul angegriffen wurde. Die Familien der getöteten Franzosen fliegen im kommenden Monat nach Afghanistan. Sie könnten am 12. und 13 September mit der Armee nach Afghanistan reisen, "um ihre Trauerarbeit zu beginnen", sagte der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstagabend auf einem Militärstützpunkt im südfranzösischen Castres. Mehrere Opferfamilien hatten darum gebeten, sich in Afghanistan vor Ort ein Bild von der Lage machen zu können.
Entführter Japaner wurde getötet
Unterdessen wurde ein japanischer Mitarbeiter einer Hilfsorganisation einen Tag nach seiner Entführung in Afghanistan tot aufgefunden. Die Leiche sei am Mittwoch entdeckt worden und weise mehrere Schusswunden auf, sagte der Gouverneur des östlichen Bezirks Kus Kunar, Malim Maschuk. In diesem Bezirk war der 31-jährige Helfer am Dienstag verschleppt worden, als er sich ein Bewässerungsprojekt ansehen wollte. Zu der Entführung des Japaners hatten sich die Taliban bekannt. Trotz des Vorfalls werde Japan seine Unterstützung für Afghanistan im gleichen Maße aufrecht erhalten, sagte ein Regierungssprecher in Tokio.