02.04.2011, 17:14 Uhr
Eine zunächst friedliche Demonstration in Masar-i-Scharif endete in einem Blutbad (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Die gewalttätigen Proteste in Afghanistan gegen eine Koran-Verbrennung in den USA vor knapp zwei Wochen haben auch am Samstag angehalten. Bei einer Demonstration im südlichen Kandahar wurden laut Behörden zehn Menschen getötet und mehr als 80 verletzt. Der US-Pastor Terry Jones, der die Koran-Verbrennung geleitet hatte, sagte indes, er fühle sich nicht für den Angriff auf UN-Mitarbeiter in Masar-i-Scharif vom Freitag verantwortlich, bei dem sieben UN-Mitarbeiter getötet wurden.
Wie die Provinzbehörden und das afghanische Gesundheitsministerium mitteilten, wurden in Kandahar am Samstag mindestens 80 Menschen verletzt. Regierungsgebäude und Privathäuser sowie eine Mädchenschule wurden demnach zerstört, die Demonstranten steckten zudem Fahrzeuge in Brand. Angaben des Krankenhauses von Kandahar zufolge wurden die meisten Verwundeten durch Schüsse und Steine verletzt. Bei allen Toten handelte es sich um Demonstranten.
Mehrere tausend Menschen, beinahe ausschließlich junge Männer, hatten sich am Samstagmorgen in Kandahar zu Protesten gegen die Koran-Verbrennung versammelt. Sie teilten sich in mehrere Gruppen auf, ein Zug wollte in Richtung des Sitzes der Provinzregierung marschieren, eine andere Gruppe nahm Kurs auf das UN-Gebäude der Stadt. Die Demonstranten konnten von den hunderten Polizisten vor Ort aber daran gehindert werden. Die Beamten schossen in die Luft, um die Menge auseinanderzutreiben.
Einem Reporter zufolge riefen die jungen Muslime im Zentrum "Tod den USA" und "Tod für (Präsident Hamid) Karsai" sowie "Sie haben unseren Koran beleidigt". In ganz Kandahar waren Schüsse zu hören, über mehreren Gebäuden stand Rauch. Ein Sprecher der Provinzbehörden sagte, die Demonstration habe friedlich begonnen, "Feinde des Volkes" hätten sich aber dann unter die Menge gemischt. Dieser Ausdruck wird häufig für die radikalislamischen Taliban verwendet.
Bis zum Nachmittag entspannte sich die Lage, eine Gruppe von rund 800 Menschen hielt aber weiter den zentralen Platz der Stadt besetzt. Viele von ihnen hatten Stöcke bei sich. Insgesamt wurden 17 Menschen festgenommen, davon sieben Bewaffnete.
Am Freitag hatte es bereits in Masar-i-Scharif eine Demonstration gegen die Koran-Verbrennung gegeben. Dabei wurde das UN-Büro der Stadt attackiert, mindestens sieben UN-Mitarbeiter starben. Einige der Opfer sollen geköpft worden sein, sagte ein Polizist. Afghanistans Präsident Hamid Karsai sprach UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Samstag sein Beileid aus und versprach eine rasche Aufklärung.
US-Pastor Jones sagte indes, er fühle sich "nicht verantwortlich" für die brutalen Proteste. Der Tod der UN-Mitarbeiter werde "nichts an dem ändern, was wir tun", sagte er. "Die Zeit ist gekommen, den Islam zur Verantwortung zu ziehen", erklärte er zudem und rief die UNO und die USA dazu auf, zu reagieren. Jones hatte schon im Herbst mit der Ankündigung einer Koran-Verbrennung wütende Proteste in der muslimischen Welt ausgelöst, diese dann aber zunächst unterlassen.
Quelle: AFP
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