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Afghanistan: Generäle berichten von schweren Führungsmängeln bei Bundeswehr

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Generäle berichten von schweren Führungsmängeln

16.01.2008, 19:45 Uhr

Wiederaufbauteam der Bundeswehr in Kundus: Unsachgemäße Führung? (Quelle: dpa) Wiederaufbauteam der Bundeswehr in Kundus: Unsachgemäße Führung? (Quelle: dpa)Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind einem internen Gutachten des Verteidigungsministeriums zufolge dramatisch schlecht organisiert. Die Einsätze litten von der Basis bis zur Militärspitze unter unsachgemäßer Führung, berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" am Mittwoch unter Berufung auf den Bericht.

Bürokratie und Kontrollwut
Eine Expertengruppe aus hochrangigen ehemaligen Generälen habe eine Vielzahl von gravierenden Organisationsmängeln geschildert. So leide die Bundeswehr unter einem Mangel an abgestimmter Führung, fehlender strategischer Planung, teilweise bizarrer Bürokratie und einer Kontrollwut des Berliner Ministeriums, schreibt die Zeitung.

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KSK "großes Risiko"
Zudem operiere die Elite-Einheit Kommando Spezialkräfte (KSK) weitgehend an der Einsatzzentrale in Potsdam vorbei. Dieses Eigenleben der KSK berge "große Risiken für die Sicherheit im gesamten Operationsgebiet und für Leib und Leben der dort eingesetzten Soldaten", zitierte die Zeitung aus dem Bericht. Die Kommission unter Leitung des Ex-Oberbefehlshabers der Afghanistan-Schutztruppe ISAF, Norbert van Heyst, habe fünf Monate in den wichtigsten Dienststellen der Bundeswehr recherchiert.

Wehrbeauftragter stimmt Bericht zu
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, bestätigte die Eindrücke der Generäle. "Vieles ist sehr zutreffend beschrieben. Ich hätte manches genauso formuliert", sagte er der "Zeit". Nach seiner Auffassung fehle es vor allem an einer ressortübergreifenden Strategieplanung für die Auslandseinsätze der Bundeswehr.


Ministerium: Darstellung "überzeichnet"
Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte wiederum, der "Zeit"-Bericht scheine ihm "etwas überzeichnet". Er räumte mit Blick auf die Auslandseinsätze aber ein, dass ein neuer Einsatzstab eingerichtet werden solle und dass "Optimierungsbedarf" bestehe. Er bestätigte, dass es eine Arbeitsgruppe unter Leitung des ehemaligen Oberbefehlshabers der Afghanistan-Schutztruppe, Norbert van Heyst, gegeben habe. Der Bericht sei Mitte vergangenen Jahres vorgelegt worden und werde "sehr genau ausgewertet".

"Strukturen schlanker gestalten"
Ein erstes Ergebnis aufgrund der Expertise der Ex-Generäle sei die für Juni geplante Bildung eines Einsatzstabes zur schnelleren und besseren Planung von Einsätzen. Das hatte das Ministerium bereits im Dezember angekündigt. "Das zeigt, dass auch wir den Bedarf sehen, Strukturen schlanker zu gestalten." In Afghanistan betrieben die Taliban eine perfide und schnelle Informationspolitik. "Wir müssen schnell reagieren können", sagte Raabe. Die Kommission habe aber auch festgestellt, dass die Bundeswehr international ein hohes Ansehen genieße und die Führungsstruktur für Kriseneinsätze richtig sei.

Auch Polizeieinsätze schlecht organisiert
Die bei der Bundeswehr festgestellten Mängel seien in gleicher Weise auch bei den Auslandseinsätzen der Polizeien des Bundes und der Länder vorhanden, erklärte unterdessen die Gewerkschaft der Polizei. "Deutschland hat sich bis heute nicht ausreichend auf die ständige Aufgabe polizeilicher Auslandseinsätze eingestellt", sagte der GdP-Vertreter der Bundespolizei Josef Scheuring. Die Gewerkschaft forderte die Bundesregierung auf, eine klare Einsatzkonzeption für die Auslandseinsätze von Polizisten zu entwickeln und mit den Bundesländern abzustimmen.


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Quelle: AFP , dpa

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