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Afghanistan: Bundeswehr-Soldaten sollen Regeln missachtet haben

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Schüsse auf Bundeswehr-Patrouille - Keine Verletzten

01.09.2008, 14:25 Uhr

Bei den Schüssen auf einen Bundeswehr-Konvoi bei Kundus wurde niemand verletzt (Quelle: dpa) Bei den Schüssen auf einen Bundeswehr-Konvoi bei Kundus wurde niemand verletzt (Quelle: dpa)Die Bundeswehr ist in Afghanistan am Montag erneut Ziel eines Angriffs geworden. Unbekannte schossen nördlich der Stadt Kundus mit Handfeuerwaffen auf eine Patrouille, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Bei dem Angriff sei niemand verletzt worden. Nach dem dritten Anschlag auf deutsche Soldaten innerhalb einer Woche sowie dem Zwischenfall mit drei toten Zivilisten an einem deutschen Checkpoint reißt die Debatte über das Engagement der Bundeswehr am Hindukusch nicht ab.

Der parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU), wies Forderungen nach einem Abzug der Bundeswehr als "hoch problematisch" zurück.

AfghanistanWieder Anschlag auf Bundeswehr-Konvoi
BerichtBundeswehr bestätigt tödliche Schüsse

Abzug "verantwortungslos"

"Wenn bei jedem tödlichen Vorfall der Abzug der Truppen gefordert wird, schwächt das die Position der NATO und der Soldaten vor Ort", sagte Schmidt der "Passauer Neuen Presse". Ein Abzug der Truppe sei "verantwortungslos". Wer das wolle, falle nicht nur den deutschen Soldaten in den Rücken, sondern schade auch dem afghanischen Volk. "Die Sache ist viel zu ernst. Sie sollte nicht parteipolitisch ausgeschlachtet werden", so Schmidt weiter.

Opposition kritisiert Afghanistan-Einsatz

Linkspartei und Grüne hatten sich zuletzt für den sofortigen Abzug deutscher Truppen ausgesprochen. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte zumindest eine Verschiebung des Schwerpunkts des deutschen Engagements hin zu einer deutlich verstärkten Polizeiausbildung. Die Afghanen müssten die öffentliche Sicherheit und Ordnung selbst wirkungsvoll gewährleisten können, so Niebel.

Hintergrund Getötete Zivilisten in Afghanistan
Tödlicher Anschlag Deutscher Soldat stirbt in Kundus

Explosionen in der Nähe des beschossenen Konvois

Zum jüngsten Angriff auf die Bundeswehr erklärte das Verteidigungsministerium, dass in der Nähe des beschossenen Konvois Explosionen stattfanden. Der Sicherheitschef der Provinz Kundus sprach von einem Selbstmordanschlag mit einem getöteten Zivilisten. Ein NATO-Sprecher betonte, sollte es sich bei den Detonationen um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben, habe dieser nicht den Soldaten gegolten. "Wir sehen das wegen der räumlichen Entfernung nicht in einem inneren Zusammenhang", so der Sprecher.

Taliban sprechen von elf toten Soldaten

Die Taliban teilten dagegen im Internet mit, einer ihrer Kämpfer habe einen Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Kundus verübt. Dabei seien elf deutsche Soldaten getötet worden. Angaben der Taliban zu Opferzahlen bei ihren Anschlägen gelten als stark übertrieben.

Tödlicher Anschlag am Mittwoch

Am vergangenen Mittwoch war bei einem Anschlag in der Nähe des Bundeswehrlagers in Kundus ein deutscher Soldat ums Leben gekommen, drei weitere wurden verletzt. Am Sonntag griffen Unbekannte eine deutsche Patrouille mit einer Sprengladung an. Verletzt wurde niemand.

Bericht: Bundeswehr hat Regeln missachtet

Für großes Aufsehen sorgte zudem ein Zwischenfall, bei dem am vergangenen Donnerstag an einem deutsch-afghanischen Kontrollposten drei Zivilisten ums Leben kamen. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtete, missachteten die Soldaten der Bundeswehr bei dem Vorfall die Einsatzregeln. Nach Informationen der Zeitung wurden alle Schüsse aus deutschen Waffen abgefeuert.

Hintergrund Der ISAF-Einsatz in Afghanistan

Angeblich durch die Fenster geschossen

Es gebe jedoch Regeln, nach denen lediglich die afghanischen Polizeikräfte Fahrzeuge kontrollieren und eventuell das Feuer eröffnen dürften. Die Schüsse gingen dem Bericht zufolge zudem durch die Fenster des Autos.

Schüsse in die Reifen wären erlaubt

Bundeswehrsoldaten sei es verboten, nach dem Abbruch eines Angriffs auf Flüchtende zu schießen. Vielmehr sollten "flüchtende Fahrzeuge mit Schüssen auf die Reifen oder in den Kofferraum gestoppt werden, weil sie keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellen", schreibt das Blatt weiter.

Immer öfter Attentate mit Sprengfallen

Nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF steigt die Zahl der Sprengfallen in Afghanistan in diesem Jahr deutlich an. Der Chef des Stabes der ISAF, der Bundeswehrgeneral Hans-Lothar Domröse, sagte, 2008 seien bislang etwa 1200 Sprengsätze der radikalislamischen Aufständischen detoniert. In den ersten acht Monaten des Vorjahres seien rund 800 Explosionen registriert worden. Die Entwicklung sei "Besorgnis erregend", so Domröse: "Die Aufständischen sind noch nicht geschlagen."



Quelle: AFP , dpa

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