02.12.2011, 10:31 Uhr
Arbeiter ernten Mohnpflanzen in Afghanistan: Das Land ist immer noch der weltgrößte Opiumproduzent (Quelle: Reuters)
Die am kommenden Montag in Bonn beginnende Afghanistan-Konferenz steuert nach "Bild"-Informationen auf ein Desaster zu - und spiegelt dabei die Situation am Hindukusch wider. Das geht offenbar aus Dokumenten von Militär und Geheimdienst hervor. Einige Beispiele: Die Bundeswehr arbeitet mit Drogenhändlern zusammen, die USA rechnen mit einem Bürgerkrieg, der afghanische Präsident Karsai sieht die Konferenz als Bedrohung und Pakistan boykottiert die Veranstaltung nicht nur, sondern bereitet sich sogar auf eine US-Invasion vor.
Dokumente des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) würden belegen, dass die Bundeswehr auch Kriminelle als Verbündete in Nordafghanistan akzeptierte, berichtet "Bild". So sei bekannt gewesen, dass der nordafghanische Polizeichef Mohammed Daud Daud - bis zu seiner Ermordung im Mai ein enger Partner der Bundeswehr - in den Drogenhandel verwickelt gewesen sei. Daud, so der BND, soll "seit einigen Jahren regelmäßig Drogengeschäfte getätigt haben."
Die Vorzeichen für die Bonner Konferenz sind düster: Selbst Präsident Hamid Karsai sieht die aufwändige Konferenz demnach nicht als Chance, sondern als Bedrohung. "In seinen besonders misstrauischen Momenten glaubt Karsai, man wolle ihn in Bonn isolieren und von der Macht beseitigen", zitiert "Bild" aus einem US-Dokument des Combined Joint Intelligence Operations Center Afghanistan, einer Art Militärgeheimdienst.
Weitere Dokumente würden belegen, wie pessimistisch sowohl die Bundeswehr als auch das US-Militär die Zukunft Afghanistans nach Abzug der westlichen Kampftruppen sehen. "Nach dem Ende der Besatzung durch Isaf 2014, werden die Führer der Aufständischen", die sich nach Pakistan geflüchtet haben, "nach Afghanistan zurückkehren", heiße es in einem als geheim eingestuften Bundeswehr-Dokument. "Wenn die Isaf-Truppen das Land verlassen, wird es Bürgerkrieg geben", zitiert die Zeitung aus einem Bericht des US-Militärs über den Norden Afghanistans.
Doch die Beziehungen der Alliierten zum Nachbarn Pakistan sind miserabel: Aus einem streng geheimen Papier des US-Militärs in Afghanistan gehe hervor, dass die pakistanische Regierung mit einer Invasion der US-Truppen rechne. Das pakistanische Militär, so die Analysten des Combined Joint Intelligence Operations Center, habe "Defensivstellungen" in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan errichtet, berichtet die "Bild". "Dies ist eine Reaktion auf erwartete Angriffe von US- oder Koalitionstruppen", heiße es in dem geheimen Dokument. Das pakistanische Militär bereite sich auf einen "nach ihrem Eindruck unmittelbar bevorstehenden Einfall amerikanischer Truppen" vor.
Inzwischen hat die Armeeführung des Landes den internationalen Truppen für den Wiederholungsfall mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht. Armeechef Ashfaq Parvez Kayani habe den Kommandeuren im Grenzgebiet zu Afghanistan die Erlaubnis erteilt, im Fall eines erneuten NATO-Angriffs das Feuer zu erwidern, berichtet die Zeitung "Express Tribune".
Zwischen US-amerikanischen und pakistanischen Truppen war es am vergangenen Samstag zu einem schweren Zwischenfall im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gekommen. Dabei beschossen amerikanische Kampfhubschrauber einen Grenzposten des pakistanischen Militärs und töteten 24 Soldaten. Die Regierung in Islamabad hatte daraufhin ihre Teilnahme an der Bonner Konferenz abgesagt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt derweil auf Gespräche mit gemäßigten Taliban. Merkel sagte in einem Gespräch mit dem Bonner "General-Anzeiger", Afghanistan brauche "im Inneren einen Prozess der politischen Versöhnung, und es muss nach außen in eine gute Partnerschaft mit seinen Nachbarländern eingebettet sein". Als Bedingungen für die Teilnahme von Taliban am Versöhnungsprozess nannte Merkel, dass diese "jede Verbindung zu Al-Kaida kappen und der Gewalt abschwören".
Die Bundeskanzlerin bedauerte die Entscheidung Pakistans, nach einem NATO-Luftangriff auf pakistanische Armeeposten mit mehr als 20 Toten, der Afghanistan-Konferenz in Bonn fernzubleiben. "Wir werden weiter dafür sorgen, dass Pakistan in alle Bemühungen um eine gute Zukunft für Afghanistan eingebunden ist", sagte Merkel.
Zur Entwicklung Afghanistans sagte die Kanzlerin, der Westen wolle "die Fehler Anderer aus der Vergangenheit nicht wiederholen und Afghanistan nach der Übergabe der Verantwortung seinem Schicksal überlassen". Deswegen sei es wichtig, die zivile Hilfe nach 2014 ebenso fortzusetzen wie die Unterstützung bei der Ausbildung von Soldaten und Polizisten. Ziel sei ein stabiles Afghanistan, "auch wenn es vielleicht nicht unseren westlichen Vorstellungen von Demokratie entspricht". In Bonn gehe es darum, Afghanistan "für die Phase des Übergangs stark zu machen".
Die Bundeskanzlerin schloss dabei nicht aus, dass deutsche Soldaten auch nach dem für Ende 2014 angekündigten Abzug aller NATO-Kampftruppen noch in Afghanistan stationiert bleiben. "Es können auch nach 2014 noch deutsche Soldaten und Polizisten zur Ausbildung von afghanischem Militär und als Mentoren der lokalen Polizei am Hindukusch bleiben", sagte Merkel. Man kenne dieses Prinzip bereits aus anderen Missionen, "dass sich die Bundeswehr aus Kampfeinsätzen zurückzieht, aber beispielsweise zur Beobachtung oder für Ausbildungszwecke im Lande bleibt".
Quelle: AFP , dapd , dpa
Fallschirmjäger Fortsetzung schrieb:
am 2. Dezember 2011 um 21:29:03
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(1)
Afg
... und Soldaten sterben unnötig. Weil sich Politiker in die laufenden Einsätze einmischen anstelle es denen zu überlassen welche
diesen Job hauptberuflich machen ist auch dieser verk.... Afghanistaneinsatz schon seit Jahren sinnlos.
Warum hat es so lange gedauert bis die Panzerhaubitzen da waren? Warum fliegt unsere Luftwaffe keinen "Close Air Support"? Was ist mit den Schrottkisten NH 90 und dem Tiger? Warum klärt niemand unsere Bürger über die wahre Tanklastergeschichte auf? Warum? Sc
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Wolfi 24.110 schrieb:
am 2. Dezember 2011 um 21:05:40
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(3)
"Afghanistan: Bundeswehr arbeitet mit Kriminellen zusammen"
Weiß ich schon. Hat mir der Gregor Gysi gesteckt. Ich weiß sogar noch viel, viel mehr!
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Germane schrieb:
am 2. Dezember 2011 um 20:57:56
(20)
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Isolation
Alle Auslands-Truppen da raus holen, an den Grenzen in Stellung gehen lassen und jeden dieser Staatsangehörigen am Verlassen des
Landes hindern. Flugzeuge wären abzuschießen. Reinlassen auch niemanden. Und in ein paar Jahren hat sich Problem Pakistan und Afganistan selbst erledigt.
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