Orang-Utan-Baby in einem Gitterbettchen der Klinik (Foto: AFP)
Die Touristen staunen über das süße Affenbaby. In Windeln gewickelt liegt der zwei Monate alte Orang-Utan Tuah hinter großen Glaswänden in seinem Gitterbettchen und spielt mit einer Rassel. Sein haariger Körper ist verkabelt, ein Bildschirm zeigt den Herzschlag und die Sauerstoffversorgung. "Er wurde von seiner Mutter getrennt, weil sie ihn nicht säugen konnte", sagt der Veterinär D. Sabapathy.
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Tierschützer entsetzt
Er ist Cheftierarzt der Orang-Utan-Insel, eine der Touristenattraktionen der Urlaubsanlage Bukit Merah im Norden Malaysias. Doch was die Urlauber begeistert, entsetzt Tierschützer. "Es ist lächerlich, Orang-Utans Windeln anzuziehen und sie mit der Flasche aufzuziehen. Wie sollen die Affen danach jemals wieder in der Wildnis heimisch werden?" fragt der Wildtier-Experte Roy Sirimanne. Nur die Mütter könnten den kleinen Menschenaffen beibringen, wie sie in den tropischen Regenwäldern überleben können, sagt Sirimanne.
Noch kein Tier in Freiheit entlassen
Statt der Mütter kümmern sich auf der Insel sieben Pflegerinnen in gestärkten Uniformen rund um die Uhr um die 25 Affen. Alle zwei Stunden werden sie gefüttert. Irgendwann sollen die Affen wieder in Freiheit leben, versichern die Manager von Bukit Merah. Doch seit der Eröffnung im Jahr 2000 hat noch kein Tier die Affeninsel wieder verlassen.
"Orang-Utans, die in Gefangenschaft aufwachsen, fehlt die natürliche Abwehr gegen Krankheiten. Ihr Tod ist unausweichlich", sagt Mohamad Idris, der Chef der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth in Malaysia. Statt die Tiere in einer Ferienanlage vorzuführen, müsse ihr Lebensraum geschützt und die weit verbreitete Wilderei eingedämmt werden, fordert der Umweltschützer.
Abholzung schreitet immer mehr voran
50.000 bis 60.000 Orang-Utans leben nach Schätzungen von Experten noch in freier Wildbahn. 80 Prozent der Menschenaffen leben in Indonesien, der Rest in den östlichen Bundesstaaten Malaysias Sabah und Sarawak auf der Insel Borneo. Bukit Merah hingegen ist weit entfernt von den Dschungeln Borneos, wo die Heimat der Menschenaffen mehr und mehr der Abholzung und Palmenplantagen zur Ölgewinnung zum Opfer fällt. Schreitet die Abholzung wie bisher voran, werde es bereits in 20 Jahren keine Orang-Utans mehr im Regenwald geben, warnten die Vereinten Nationen bereits vor zwei Jahren.
"Als würde ich mich um kleine Kinder kümmern"
"Von der Kritik lasse ich mich nicht entmutigen", verteidigt sich der Tierarzt der Affeninsel. "Wir misshandeln sie doch nicht und versuchen, die Zahl der Affen in der Wildnis zu erhöhen." Auch Tierpflegerin Nadiah Mohamad ist überzeugt, den Äffchen nur Gutes zu tun. Die 21-Jährige strahlt den Orang-Utan April an und gibt dem Einjährigen Babymilch zu trinken, während die vier Monate alte June in ihrem Bett umherspringt und die Bettdecken durchwühlt. "Ich liebe sie. Es ist, als würde ich mich um kleine Kinder kümmern", schwärmt die Pflegerin.
Extragehege für Erwachsene
Mit einem Jahr werden die Orang-Utans in eine "Kinderstation" verlegt, in der sie auf das Leben in der Wildnis vorbereitet werden sollen. Die erwachsenen Tiere leben in einem mit Stacheldraht eingezäunten Gehege, wo sie Nester in den Bäumen bauen können.
"Eine praktische Lösung, um Kindern etwas beizubringen"
Die Touristen stehen Schlange, um die Affen mit dem rotbraunen Zottelfell zu beobachten. Die Britin Vikki Kendrick ist eine von ihnen. "Ich denke nicht, dass es falsch ist, die Affen hier zu halten", sagt die 26-Jährige. "Es ist eine praktische Lösung, um die Orang-Utans zu retten und unseren Kindern etwas beizubringen."