14.01.2011, 10:52 Uhr | Von Sabine Dobel, dpa
Mit Krügen beladene Frauen an einer Wasserstelle in Äthiopien (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Kinder gehen zur Schule, Bauern steigern ihre Erträge - und Frauen reden ein wichtiges Wort mit: Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe blickt 30 Jahre nach ihrem Start auf beachtliche Erfolge. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) besuchte ein Projekt.
Früher lebten in Ahmed Mustafas Lehmhütte angepflockt neben der Schlafmatte der Familie Ziegen und Hühner. Manches Mal reichte die angebaute Hirse nicht, um alle satt zu machen. Jetzt wachsen auf Mustafas Feld in Babile im Osten Äthiopiens auch Papayas, Mangos, Tomaten, Granatäpfel, Süßkartoffeln und natürlich Khat, der von den Männern gekaut wird.
Stolz und zugleich schüchtern steht der Bauer in frischem Hemd und mit traditionellem Tuch um die Hüften neben dem deutschen Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und Karlheinz Böhms Frau Almaz. Er erzählt von den Veränderungen, die Böhms vor 30 Jahren gegründete Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" in sein Leben gebracht hat. Niebels Ministerium unterstützt ein neues Projekt der Stiftung mit 1,1 Millionen Euro.
"Jetzt habe ich ein größeres Haus mit einer extra Küche, und für das Vieh gibt es einen anderen Platz", sagt Mustafa. "Das sind die wichtigsten Veränderungen." Über den Hunger spricht er nicht. Heute hat die Familie durch die Vielfalt der Pflanzen und Früchte genug zu essen; oft kann sie sogar etwas verkaufen. Als Modellbauer zeigt Mustafa seinen Nachbarn, was er in den Schulungen von Menschen für Menschen gelernt hat. Denn die Stiftung setzt auf unbedingte Eigeninitiative.
In der Region Babile bekamen seit 2002 knapp 100.000 Menschen Hilfe zur Selbsthilfe. Schulen, Krankenstationen und Brunnen wurden gebaut, Wiederaufforstung und Erosionsschutz vorangetrieben. In ein paar Jahren wird sich Menschen für Menschen zurückziehen. "Wir haben jetzt alles: Schulen, Wasser und arbeitendes Kapital", sagt der Projektleiter der Region, Esrael Asfaw. "Ich bin sicher, die Menschen werden selbst für ihr Land Sorge tragen."
Eine der großen neuen Herausforderungen für die Bauern heißt Klimawandel - mit noch mehr Dürre, aber auch Überschwemmungen. In mühsamer Arbeit sanieren sie tiefe Erosionsgräben. An mehreren Stellen haben die Bauern unter Anleitung von Menschen für Menschen neu aufgeforstet. Damit nehmen nicht nur Überschwemmungen ab, auch der Grundwasserspiegel steigt. Aus einem versiegten Brunnen pumpen die Frauen heute wieder wertvolles Nass in gelbe Plastikkanister. Weiterer Effekt: Wenn Wasser nah ist, können auch die Mädchen zur Schule - früher mussten sie stundenlang Wasser heranschleppen.
Die äthiopische Regierung arbeitet mit Menschen für Menschen gut zusammen. Auch sie setzt vor allem auf die Förderung der Kleinbauern, verpachtet Land aber auch an ausländische Investoren. Es gibt riesige Schnittblumenfarmen, und Firmen aus Asien, dem arabischen Raum und Europa pachten Land etwa zum Anbau von Ölsaaten für Biokraftstoff. Sie heuern Bauern an, die so in Abhängigkeit geraten und sich nicht mehr selbst ernähren.
Menschenrechtler warnen zudem, nomadische Hirten würden zwangsangesiedelt, damit sie nicht mehr in verpachtete Flächen ziehen. "Er hat deutlich gemacht: Es wird keine Zwangsansiedelung geben", sagt Niebel dazu mit Blick auf ein Gespräch mit Premierminister Meles Zenawi.
Im Erer-Tal, wo Böhm seine Arbeit vor 30 Jahren begann, haben sich Kleinbauern allerdings erfolgreich gegen die Ansiedelung einer deutsch-israelischen Firma gewehrt. Der Anbau der Ölsaaten wurde wieder abgebrochen. Seit Menschen für Menschen ihnen zu mehr Selbstständigkeit verholfen hat, sind die Bauern selbstbewusster geworden - und auch ihre Frauen.
Es gebe eine "Riesenveränderung", sagt Zeynaba Mussa, Vorsitzende des Mikrokredit-Kooperative Chelchiftu. Die Frauen bürgen füreinander und bekommen so erstmals eigenes Geld, um mit Erdnüssen, Getreide und Vieh zu handeln oder Minishops zu eröffnen. "Der Nutzen ist nicht nur der Zugang zu Geld, sondern auch, dass wir selbstständig arbeiten können." Die Ehemänner waren skeptisch. "Wir haben gedacht: Warum werfen sie das Geld aus dem Fenster?", gibt Umar Abdi zu, als seine Frau Geld bekam. Inzwischen aber habe die Familie nicht nur eine Kuh, sondern zwei, dazu zwei Ochsen, sagt er nicht ohne Stolz. "Da musste ich meine Skepsis aufgeben."
Von Sabine Dobel, dpa
Hans schrieb:
am 14. Januar 2011 um 17:42:55
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Rauschgiftanbau
Und die Bauern bauen Khat an .... Spenden für Rauschgiftpflanzungen?
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Schnickschnack schrieb:
am 14. Januar 2011 um 17:26:27
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Böhm
Ganz klarer Fall: Raus aus der "SISSI" Masche und sehr viel gutes tun - so etwas ist sehr selten geworden, Hut ab vor dem Mann, und vor
allem: HIlfe, die ankommt und auch wirklich etwas bringt! KLASSE!!
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hamimesa schrieb:
am 14. Januar 2011 um 12:27:32
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Karl-Heinz Böhm
Karl-Heinz Böhm ist fürwahr ein Mensch, der seit Jahrzehnten Taten Worten folgen lässt. Nicht einem Politiker namens
Obama sondern dem " Menschen Böhm" sollte der Friedensnobelpreis verliehen werden !
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