
17.12.2011, 16:08 Uhr
Es sind die schwersten Proteste gegen die Militärregierung seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak.
Bei den schwersten Ausschreitungen seit Wochen sind in Kairo in der Nacht zum Samstag neun Menschen getötet worden. Das Gesundheitsministerium meldete, etwa 300 Menschen seien verletzt worden.
Demonstranten setzten nach Angaben der Sicherheitskräfte zwei Gebäude in Brand. Die Militärpolizei räumte zwei Lager der Protestbewegung am Tahrir-Platz und vor dem Kabinettsgebäude mit Gewalt. Sie zündeten Zelte an und schlugen mit Stöcken auf Demonstranten ein. Die Protestierenden schleuderten Steine auf Sicherheitskräfte. Diese nahmen zahlreiche Demonstranten fest und verlegten anschließend Stacheldraht.
Der private Fernsehsender CBC zeigte Aufnahmen, auf denen Soldaten mit Stöcken auf zwei Demonstranten einschlugen. Wiederholt traten sie auf den Kopf eines Manns und ließen ihn schließlich auf dem Gehweg liegen. Die Soldaten durchkämmten Gebäude rund um den Tahrir-Platz, konfiszierten die Ausrüstung von Fernsehteams und nahmen einige Journalisten kurzzeitig fest.
Die Militärs gaben den Demonstranten die Schuld an der neuen Eskalation. Die Protestierenden, die seit drei Wochen vor dem Kabinett campierten, hätten einen Offizier der Militärpolizei verschleppt. Aktivisten erklärten dagegen, sie seien zuerst attackiert worden.
Der in Kairo gerade erst ins Parlament gewählte Jungrevolutionär Mustafa al-Naggar sagte der Nachrichtenwebsite "Al-Youm7", die Militärpolizei habe vor dem Büro seiner Al-Adl-Partei in einem Viertel nahe dem Tahrir-Platz willkürlich acht Parteimitglieder festgenommen.
Der ägyptische Journalist und Demokratie-Aktivist Hani Schukralla erklärte via Twitter: "Der Oberste Militärrat ertränkt Ägyptens Revolution im Blut. Es zeichnet sich eine Allianz der Konterrevolutionäre ab: Militär, Polizei, Islamisten und die Überbleibsel des Regimes von Husni Mubarak."
Die Proteste richten sich gegen den Militärrat, der nach dem Sturz Mubaraks im Februar die Macht übernommen hatte. Die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude hatten zudem verhindern wollen, dass die vom Militärrat eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri dort ihre Arbeit aufnimmt.
Der ägyptische Ministerpräsident Kamal al-Gansuri verteidigte das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Es seien zwar Menschen erschossen worden, aber nicht von Polizisten oder Soldaten, sagte der Regierungschef. "Eine Gruppe kam von hinten und hat auf die Demonstranten geschossen", sagte al-Gansuri. Er erklärte, seine Regierung stehe für die "Rettung der Revolution", während die Demonstranten vor dem Kabinettsgebäude gegen die Revolution seien.
Für den Samstag wurden Trauerfeiern für die Opfer vom Freitag erwartet. Unter den Toten war auch Scheik Emad Effat, ein Geistlicher der renommierten Al-Ashar-Universität. Er hatte sich den Demonstranten vor dem Regierungssitz angeschlossen und war in die Brust geschossen worden. Effat galt als Fürsprecher der Proteste und hatte wiederholt das Militär kritisiert.
Quelle: dpa , dapd
Christian Bauer schrieb:
am 17. Dezember 2011 um 18:05:48
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Kairo
Hat irgendjemand etwa anderes erwartet?
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Paul schrieb:
am 17. Dezember 2011 um 16:34:12
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Demokratie???
Es sind immer noch dieselben Zustände wie mit Mubarak, aber die politsche und mediale Einmischung ist im Vergkeich zu Lybien
fast harmlos. Aber in Lybien mußte ja die eigene enge Zusammerbeit (CIA, BND u.a).seit den 70er Jahren mit dem Gadaffi - Clan weggebomt werden, damit die Freiheitskämpfer nicht in die Hand bekommen. Die Westerwelle - Taktik der Nichteinmischung war schon richtig!!!!
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joachim schrieb:
am 17. Dezember 2011 um 16:29:45
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Art.
Es ist schon seltsam auf der Welt: Dort in Ägypten wollen die Menschen freier sein, während in Europa sich die Menschen eher nach
strengeren Werten sehen.
Da sieht man es wieder die gegenteiligen Entwicklungen. Vielleicht trifft man sich in der Mitte!
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