23.09.2011, 21:16 Uhr
NASA-Satellit stürzt auf die Erde: Das busgroße Raumgefährt war auseinandergebrochen (Quelle: dpa)
Es geschieht nicht alle Tage, dass ein ausrangierter Satellit auf die Erde zurast. Experten rund um den Globus sind gespannt, doch die NASA-Experten selbst bleiben cool. Rein rechnerisch gesehen ist die Gefahr für Menschen extrem gering.
Der Absturz eines busgroßen, ausrangierten NASA-Satelliten hat Weltraumexperten rund um den Globus in Atem gehalten. Doch Stunden vor dem erwarteten Auftreffen auf die Erde am Samstag mitteleuropäischer Zeit gaben deutsche Fachleute Entwarnung. Es sei wahrscheinlicher, vom Blitz als von einem Stück Weltraumschrott getroffen zu werden, meinte Heiner Klinkrad von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt. "Von all den Objekten, die wieder (in die Erdatmosphäre) eingetreten sind, ist bisher niemand auf der Erde verletzt worden", sagte der Professor.
Unklar war bis zuletzt, wann und wo genau die Einzelteile des Satelliten auf die Erde treffen würden. Die genauesten Prognosen wagten die Russen: Er gehe davon aus, dass dies im Indischen Ozean nördlich der Crozet-Inseln geschehe, prophezeite Oberst Aalexej Solotuchin der russischen Agentur Itar-Tass. Dagegen meinte Klinkrad: "Wo der Satellit herunterfällt, lässt sich nur sehr schwer vorhersagen."
Das rund sechs Tonnen schwere Stück Weltraummüll wird nach Angaben der NASA beim Eintritt in die Erdatmosphäre zwar auseinanderbrechen aber nicht komplett in der Atmosphäre verglühen. Nach den Worten von Klinkrad dürften von dem Satelliten lediglich etwas mehr als 500 Kilogramm übrig bleiben - auf 20 Fragmente verteilt.
Auch wann genau die Teile aus dem All auf die Erde treffen, konnte die NASA bis zuletzt nicht genau voraussagen. Sie meinte lediglich: vom sehr frühen Samstagmorgen bis Samstagmittag deutscher Zeit (zunächst war vom späten Freitagabend die Rede gewesen). Der Satellit sinke nun offenbar etwas langsamer als zunächst errechnet. Entgegen ersten Prognosen könne man nicht mehr ausschließen, dass ein Stück Weltraumschrott auch in den USA lande.
"Das Risiko ist eins zu 3200, dass überhaupt ein Mensch dabei ernsthaft verletzt wird", erklärte ESA-Fachmann Klinkrad. "Wenn man das umrechnet auf das Risiko für jeden einzelnen, dann liegt es bei eins zu 100 Milliarden."
Nach Angaben der NASA fliegt der Satellit auf einer wellenförmigen Flugbahn vom südlichen Südamerika über den Atlantik und Sibirien nach Australien. Irgendwo auf dieser Strecke könnte er abstürzten. Auch Mitteleuropa liegt in dieser Flugschneise.
Der Eintritt des Satelliten in die Erdatmosphäre werde voraussichtlich von der Erde aus zu sehen sein, sagte Nicholas Johnson, NASA-Experte für Weltraumtrümmer, der Tageszeitung "USA Today". Das könne aussehen wie eine Sternschnuppe - selbst bei Tageslicht.
Quelle: dpa
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