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Abschiedstrinken in Hamburg: Ein letztes Bier in der Bahn

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Ein letztes Bier in der Hamburger Bahn

07.10.2011, 10:06 Uhr | Von Götz Nawroth, dapd

Ab jetzt müssen die Hamburger ihr Astra außerhalb der S-Bahn trinken (Quelle: dapd)

Ab jetzt müssen die Hamburger ihr Astra außerhalb der S-Bahn trinken (Quelle: dapd)

Um kurz vor 20 Uhr wird es am Freitag einmal richtig laut auf dem sonst auch selten ruhigen Bahnsteig im Hamburger Hauptbahnhof. Als die S-Bahn nach Wedel einfährt, wird sie von Dutzenden jungen Menschen mit Dosen und Flaschen in den Händen grölend begrüßt. "Ein-Stei-Gen! Ein-Stei-Gen!" gellt es aus den Kehlen im Chor. Zusammengefunden haben sich die verschiedenen Grüppchen über eine Seite auf der Internetplattform Facebook. Der Anlass heißt Abschiedstrinken.

Ab 1. Oktober ahndet der Hamburger Verkehrsverbund Alkoholkonsum in Bussen und Bahnen mit einer Geldbuße. 40 Euro werden fällig, wenn jemand mit einer offenen Flasche oder Dose erwischt wird. Den Wegfall des Wochenendbieres im Zug auf dem Weg zur Party oder in die Nachtclubs wollen die Nachtschwärmer hier noch einmal zünftig begehen. Es wird gesungen, geprostet und natürlich getrunken.

Abschiedstrinken in Abendgarderobe

Eine Gruppe auf dem Bahnsteig sticht auffällig heraus: Eine Schar junger Leute schlendert in Abendgarderobe und mit Sektgläsern durch die Massen. Die Jungs in Anzügen mit Krawatte, ein paar Mädchen in schicken Outfits. Es sind Mitglieder der Hamburger Jungen Liberalen (JuLis), der unabhängigen Jugendorganisation der FDP, die sich vom Rest der Feiernden abheben.

"Auch wir bringen hier unseren Protest zum Ausdruck", sagt ihr Hamburger Geschäftsführer Nikola Ilic. Das Alkoholverbot bringe nichts gegen Gewalt und Pöbeleien in öffentlichen Verkehrsmitteln. Stattdessen treffe es junge Leute, die einfach nur ein Bier oder einen Sekt am Wochenende trinken wollten, betont der 23-Jährige. Sein Mitstreiter Florian Koch nickt. "Die Leute werden dann eben hastig trinken, bevor sie in die Züge steigen", sagt Koch. Das sei noch schlimmer.

Massenansturm bleibt aus

Die Sicherheitskräfte auf dem Bahnsteig fertigen derweil die zum Teil überfüllten Wagen ab. Es fällt auf, dass sich pro Zug in zwei bis drei Wagen alles drängt, in den anderen Wagen bleiben dagegen Sitzplätze leer. Die Abschiedstrinker sind gesellig. Weit mehr als 10.000 hatten bei Facebook ihre Teilnahme mit einem Mausklick zugesagt. Offenbar hatten viele dann aber doch anderes vor. Polizei und Verkehrsgesellschaften haben sich entsprechend vorbereitet. Allein die Hamburger Hochbahn, zuständig für Busse und U-Bahnen, setzt an diesem Abend rund 200 Kräfte für Sicherheit und Service ein.

"Wir hatten einen Massenansturm erwartet", sagt eine Hochbahn-Sprecherin. Es sei aber nur etwas mehr los als an einem anderen Wochenende in Hamburg. Auf mehrere hundert Teilnehmer schätzte sie die feiernde Masse. Ähnlich klingt auch die Einschätzung der S-Bahn. Ernste Vorfälle gab es nicht. Allerdings kam es am Abend zu Verzögerungen, weil Fahrgäste in gleich zwei Zügen die Notbremsen gezogen hatten. Der Zugverkehr kam zwischen Reeperbahn und Hauptbahnhof zeitweise zum Erliegen.

Dass das Alkoholverbot künftig zu weniger Gewalt führt, glaubt auch Abschiedstrinker Nico nicht. Eben noch wippte er fröhlich auf und ab im Takt des grölenden Chors seiner Mitfeiernden. Die Miene des jungen Hamburgers wird plötzlich sehr ernst, als er über das Verbot spricht. Er verstehe die Absicht hinter dem Verbot, es werde seinen Zweck aber nicht erfüllen. "Wer wirklich aggressiv und auf Gewalt aus ist", sagt er, "der braucht keinen Alkohol".


Quelle: dapd

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Kommentare (17)

zum Forum

Thema: "Abschiedstrinken in Hamburg: Ein letztes Bier in der Bahn"

Ottifant schrieb: am 1. Oktober 2011 um 16:57:47
(15) (4) Alkoholverbot in öff. Verkehrsmitteln
Zitat: "Stattdessen treffe es junge Leute, die einfach nur ein Bier oder einen Sekt am Wochenende
trinken wollten.." - eine blödere Aussage habe ich ja noch nie gehört. Das wird den jungen Leuten doch auch gar nicht verboten, eben nur nicht mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln. Man sollte erst das Hirn einschalten und dann reden... oder liegt es an der Partei, der dieser Herr angehört *grübel*.
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Gast schrieb: am 1. Oktober 2011 um 16:24:31
(16) (4) Alk-Verbot
Die armen Dosen- und Flaschensammler - nun haben sie nichts mehr zu sammeln in den Wagen. Finde das Alk-Verbot in Bussen u. Bahnen
richtig. Hoffentlich finden die Kontrolleure viele 'Sünder', die trotzdem ihr Bier trinken und dann 40 Euronen zahlen müssen. Wenn größere Beträge zusammenkommen, könnte das zu Fahrpreissenkungen führen ;) :D
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Tom schrieb: am 1. Oktober 2011 um 12:41:17
(6) (22) Alkoholverbot
Macht es wie die Griechen, die trotz Rauchverbot weiter qualmen

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